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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Drogengeschäfte auf dem Schulhof

13.07.2018

Ganderkesee /Delmenhorst Ein „dicker Fisch“ ist der Polizei da vor einigen Monaten ins Netz gegangen: ein junger Ganderkeseer, der zahlreiche 15- bis 25-Jährige mit Marihuana versorgt hat. Viele Geschäfte liefen auf dem Schulhof des Schulzentrums am Steinacker in Ganderkesee ab. Dies kam am Donnerstag während einer Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht Delmenhorst zur Sprache und war eigentlich nur ein Nebenaspekt der eigentlichen Verhandlung.

Denn angeklagt waren zwei Kunden des Dealers: ein 25-jähriger Mann aus Hude und seine gleichaltrige Freundin aus Westerstede. Sie sind wegen gemeinschaftlichen unerlaubten Erwerbes von Betäubungsmitteln in 20 Fällen, davon einem in Tateinheit mit unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln, zu Geldstrafen verurteilt worden: er zu 120 Tagessätzen von je 15 Euro und sie zu 90 Tagessätzen von je 25 Euro.

Der Westerstederin bleibt damit ein Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis erspart. Ihr Freund hatte bereits einen Eintrag wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Einen Anklagepunkt ließ das Gericht wegen der geringen Marihuana-Menge fallen.

Milde Strafe

Das Gericht blieb damit sogar unter der Forderung der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger, die Bewährungsstrafen gefordert hatten. Strafmildernd wirkten sich die Geständnisse aus, so der Richter. Zudem seien beide, obwohl sie aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, noch nicht wegen solcher Delikte aufgefallen.

Das Pärchen hatte zugegeben, zwischen Januar 2016 und Juni 2017 regelmäßig Marihuana von dem Ganderkeseer oder einem seiner Handlanger, ebenfalls junge Ganderkeseer, gekauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht in fast allen Fällen von Mengen zwischen 30 und 50 Gramm aus, die sie für 300 Euro kauften. Die Geschäfte wickelten die jungen Leute hauptsächlich auf dem Schulhof des Schulzentrums ab, als zweiter Treffpunkt kam in der Verhandlung ein Wendeplatz in der Nähe der Beethovenstraße in Ganderkesee zur Sprache.

Ein Kauf beschäftigte das Gericht besonders: Im September 2016 hatte das Paar nach Überzeugung des Gerichts 100 Gramm Marihuana für 530 Euro erworben. Die Anklage warf dem Arbeitslosen und der Mitarbeiterin einer Schnellrestaurantkette vor, einen Teil davon weiterverkauft zu haben. Während die Angeklagten alle Taten zugaben, bestritten sie den Weiterverkauf. Sie hätten mit Freunden zusammengelegt, um die Menge zu erwerben, und denen ihre Anteile zukommen lassen. Dabei hätten sie keine Gewinnabsichten gehabt. Die Staatsanwaltschaft sah das anders. Zudem sagten sie aus, nicht 100, sondern zwischen 60 und 70 Gramm erworben zu haben.

Nach Tod aufgeflogen

Die Polizei war den Angeklagten und dem Ganderkeseer Dealer sowie seinen Handlagern auf die Schliche gekommen, nachdem im Raum Ostfriesland bei einem Toten ein Laptop mit Informationen zu Drogengeschäften gefunden worden war. Diese Spuren führten auch nach Ganderkesee. Auf dem Handy des Ganderkeseer Dealers fanden die Ermittler dann etliche Chatverläufe über Drogengeschäfte. „Die waren so offen wie selten zuvor“, berichtete ein als Zeuge geladener Polizist. Daraufhin gab es auch Durchsuchungen der Elternhäuser der Angeklagten. Dort hatten die Beamten jeweils rund ein Gramm Cannabis gefunden.

Der Polizist berichtete von einem großen Kundenstamm von hauptsächlich 15- bis 25-Jährigen, die größtenteils „Ur-Ganderkeseer“ seien. „Das habe ich so noch nicht gesehen“, sagte der Polizist, „der hat aufgepasst, wen er in den Kreis reinlässt.“

Wann der Prozess gegen den Ganderkeseer beginnt, der laut Aussage des Polizisten Kontakt zu etlichen Drogenlieferanten im Landkreis Oldenburg, in Westerstede und Bremen hat und unter anderem auch viele Drogengeschäfte im Weserstadion abwickelt, ist noch unklar. Zurzeit werde geklärt, welches Gericht zuständig ist. 80 Ermittlungsverfahren laufen nach Aussage des Polizisten gegen ihn. Die Westerstederin und der Huder werden hier als Zeugen aussagen müssen.

Sonja Klanke
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2742

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