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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Auch Ganderkesee braucht das JHD

13.01.2018

Ganderkesee /Delmenhorst Seit Monaten befindet sich das Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) in schweren Turbulenzen: Das Krankenhaus steckt im Insolvenzverfahren, ein massiver Stellenabbau ist angekündigt, viele Mitarbeiter sind schon von sich aus gegangen, die Finanzierung der Übernahme durch die Stadt und des geplanten Neubaus steht auf sehr wackeligen Füßen, die Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels Högel ist juristisch noch längst nicht aufgearbeitet und hat überdies den Ruf des Hauses auf Jahre ruiniert.

All das geht an der Gemeinde Ganderkesee nicht spurlos vorbei. Schließlich ist für deren Einwohner das JHD das nächstgelegene Klinikum und für etliche auch Arbeitgeber. Nur etwas mehr als die Hälfte der Patienten komme aus Delmenhorst, hatte der Insolvenzverwalter Mark Boddenberg im November festgestellt – viel weniger als andernorts. Was er als Kritikpunkt formulierte, belegt im Umkehrschluss die Bedeutung des Hospitals für die umliegenden Gemeinden.

Umland wichtig

Aktuelle Zahlen zur Belegung des Josef-Hospitals lieferte der neue Geschäftsführer Florian Friedel: Seinen Angaben zufolge stammten von den Patienten im vergangenen Jahr 63 Prozent aus der Stadt Delmenhorst und 23 Prozent aus dem Landkreis Oldenburg. Fünf Prozent waren Diepholzer, neun Prozent kamen aus anderen Landkreisen.

Spezielle Angebote wie die Palliativstation, die Thoraxchirurgie, das Schmerzzentrum oder die Geburtenabteilung seien besonders attraktiv für Patienten aus dem Umland, glaubt Friedel. Als 340-Betten-Haus habe das Josef-Hospital eine überschaubare Größe im Vergleich zu Kliniken in Oldenburg oder Bremen. „Mit familiärer Atmosphäre bei fachlich hohem Versorgungsstandard“ wolle das JHD versuchen, noch mehr Patienten aus dem Umland zu gewinnen.

Gerken: Erhalt sichern

„Das Delmenhorster Krankenhaus ist für die (...) Gemeinde Ganderkesee eine wichtige Einrichtung, die zu einem hohen Lebensstandard und einer guten infrastrukturellen Versorgung beiträgt“, erklärt Bürgermeisterin Alice Gerken. Sie sieht das Land und den Bund in der Pflicht, für den Erhalt des Klinikums zu sorgen. Auch kleinere Krankenhäuser in der Fläche müssten eine Existenzchance haben, so Gerken, und sie würden von den Menschen vor Ort gewollt.

Das bestätigt Dr. Carsten Taut, Sprecher des Ganderkeseer Ärzte-Netzwerkes CuranexX: „Das Josef Hospital ist eine der wichtigsten Stützen für die Versorgung unserer Patienten“, betont er. Von vielen Ganderkeseern habe er in den vergangenen Jahren gehört, sie gingen nicht gern ins Delmenhorster Krankenhaus, als Grund sei unter anderem „langes Warten in der Notaufnahme“ genannt worden. Aber die Lage habe sich aus Sicht der Ganderkeseer Ärzte verbessert, so Taut: „Wir hören von den Patienten, dass dass Personal sich sehr viel Mühe gibt.“ Die Klinik bemühe sich um „strukturelle Verbesserungen zur Aufnahme unserer Patienten“, sagt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Ganderkesee. Das habe ihm der neue Geschäftsführer Florian Friedel erst unlängst versichert. Nun gelte es, das Vertrauen in das Delmenhorster Krankenhaus zu stärken.

Dazu trugen allerdings die jüngsten Personalentscheidungen nicht gerade bei: Von Chefarzt Dr. Jörg Retzlaff, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, trennte sich das JHD „in beiderseitigem Einvernehmen“ aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen“, dem Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Dr. Rüdiger W. Schlick, wurde gar fristlos gekündigt. Vor allem Retzlaff habe bei Ganderkeseer Patienten hohes Ansehen genossen, weiß Cindy Klüner, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Sie und ihr SPD-Amtskollege Werner Brakmann heben ebenfalls die Bedeutung des JHD für Ganderkesee hervor, beide sehen aber keine Möglichkeit für die Gemeinde, die Stadt Delmenhorst politisch zu unterstützen.

Deichhorst bevorzugt

Bedauert wird von Klüner wie Brakmann, dass der Delmenhorster Rat sich für den Neubau des Krankenhauses in der Stadtmitte entschieden hat. Der Standort Deichhorst, wo der Krankenhaus-Betrieb bis zum Bezug des neuen Gebäudes läuft, sei aus Ganderkeseer Sicht besser geeignet. Das sieht auch Carsten Taut so. „Aber diese Entscheidung ist nun mal gefallen!“

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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