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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Drogengeschäfte selbst auf dem Friedhof

03.12.2019

Ganderkesee /Delmenhorst Es ist, wie Richter Thomas Pünjer es nannte, ein ungewöhnliches Verfahren: Ein 23-jähriger Ganderkeseer muss sich seit diesem Montag vor dem Amtsgericht Delmenhorst verantworten. Ihm werden insgesamt 143 Straftaten zur Last gelegt, die meisten davon unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln sowie gewerbsmäßiger Betäubungsmittelverkauf an Minderjährige. Die Erträge aus diesen Vergehen summiert die Staatsanwaltschaft auf 13016 Euro. Dazu kommt der unerlaubte Besitz von Waffen sowie von explosiven Stoffen.

Was die Sache kompliziert macht, ist nicht die Menge der Straftaten, sondern die Tatsache, dass der Ganderkeseer im Zeitraum der Tatbestände, der sich von 2015 bis 2018 erstreckt, 21 Jahre alt wurde und deshalb nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden kann. Weil er derzeit in einem festen Arbeitsverhältnis steht und sich in einem Verein engagiert, steht aber eine Bewährungsstrafe nach Jugendstrafrecht im Raum.

Eigenkonsum finanziert

Zum Handel mit Drogen kam der Ganderkeseer nach Auskunft der Jugendgerichtshilfe, um sich seinen eigenen Cannabiskonsum zu finanzieren, den er mit 16 Jahren begonnen haben soll. Mit 14 Jahren wurde bei ihm ADHS diagnostiziert, von 2013 an hatte die Familie für 1,5 Jahre einen Erziehungsbeistand, weil es vermehrt zu Regelverstößen des Angeklagten gekommen war. Die Realschule verließ er nach der 9. Klasse. Der Besuch eines Internats in St. Peter-Ording wurde nach wenigen Monaten vorzeitig beendet – wegen Drogenkonsums. Ab September 2012 besuchte der Angeklagte die Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen und holte seinen Hauptschulabschluss nach. Anschließend machte er eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete bei verschiedenen Unternehmen in Ganderkesee. Im September 2017 zog er in Absprache mit den Eltern in eine Mietwohnung in Ganderkesee.

In diesen Zeitraum, speziell 2016 und 2017, fallen die meisten ihm zur Last gelegten Straftaten. Laut Staatsanwaltschaft handelte der Mann mit Cannabis, Haschisch, Ecstasy-Pillen und Kokain. Diese Drogen sollen, in zumeist geringen Mengen, an verschiedenen Orten in Ganderkesee verkauft worden sein, wie dem Bahnhof, dem Schulzentrum am Steinacker, am Freibad oder der Friedhofskapelle. Auch in Delmenhorst und Bremen soll es zu Übergaben von Drogen gekommen sein. Dem Angeklagten wird zudem vorgeworfen, Jugendliche unter 18 Jahren als eigene Dealer eingesetzt zu haben. Mehrfach zitierte die Staatsanwaltschaft dabei aus vorliegenden Whatsapp-Chatverläufen.

Drogen ausgelagert

Im Laufe der polizeilichen Ermittlungen wurden mehrere Durchsuchungen in der Wohnung des Angeklagten und im Elternhaus durchgeführt. Dabei wurden Marihuana, ein Schlagring sowie Böller ohne Kennzeichnung gefunden. Der Mann soll deshalb Drogen auch im Haus der Großeltern, bei Freunden und in einem Vereinsheim gelagert haben.

Die Verhandlung am Montag wurde zweimal für Rechtsgespräche unterbrochen. Am Ende machte das Gericht, der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe folgend, ein Angebot: Sollte der Angeklagte geständig sein, würde für den gesamten Tatzeitraum das Jugendstrafrecht angewendet werden – mit einer Jugendstrafe bis zu 32 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. „Diese Regelung ist eine Möglichkeit des Gesetzgebers, wenn es einen fortlaufenden Tatbestand gibt und der Schwerpunkt im Jugendalter liegt“, erklärte Pünjer. Ansonsten sei kein Gesamtstrafverfahren möglich. Für den Jugendbereich sei der Fall bereits jetzt bemerkenswert: „In diesem Umfang habe ich in meinem Schöffenbereich so etwas noch nicht erlebt“, sagte Pünjer.

Falls sich der Angeklagte beim nächsten Verhandlungstermin nicht auf das Angebot einlässt, droht das Verfahren aufwendig zu werden: Über 30 Zeugen, davon 22 direkt Beteiligte, müssten dann vernommen werden.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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