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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Seltenes Engagement ausgezeichnet

07.01.2019

Ganderkesee Das gab es im Landkreis Oldenburg bisher erst einmal: eine Ehrung für 75-jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr. Am Freitagabend konnte die Kreisfeuerwehr bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee diese besondere Anerkennung ein zweites Mal verleihen: Der 1. stellvertretende Kreisbrandmeister Frank Hattendorf zeichnete den 90-jährigen Paul Heise mit dem Abzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen für sein 75-jähriges Engagement aus. 1943, mit 14 Jahren, sei er in die Hitlerjugend-Feuerwehr in Lötzen, heute Giżycko in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, eingetreten – zwangsweise, berichtete Heise. 1957 war er dann nach Ganderkesee gekommen und hatte sich viele Jahre als Orts-, Gemeinde- und Kreissicherheitsbeauftragter engagiert.

An Sicherheit gespart

Selten waren auch zwei weitere Ehrungen: Hattendorf zeichnete die Eheleute Renate und Hermann Sommer aus, die vor 40 Jahren gemeinsam in die Feuerwehr Ganderkesee eingetreten waren, sowie Manfred und Kai Armbrust, Vater und Sohn, die der Feuerwehr seit mittlerweile 25 Jahren treu sind. 40 Jahre dabei ist Hans-Joachim Nawrot, 50 Jahre sogar schon Uwe Meyer.

Auch die Bürgermeisterin nahm am Freitagabend eine seltene Ehrung vor. Alice Gerken ernannte Rolf Meyer zum Ehrenortsbrandmeister. 1972 war Meyer in die Feuerwehr eingetreten. Ab 1997 war er stellvertretender Ortsbrandmeister, von 2003 bis 2015 dann Ortsbrandmeister in Ganderkesee.

Den Besuch der Bürgermeisterin nutzten Mitglieder der Ganderkeseer Wehr auch, um Kritik zu äußern. So beklagten sie fehlende Parkplätze am Feuerwehrhaus an der Urneburger Straße. Mindestens 32 Parkplätze benötigten die Einsatzkräfte, so Ortsbrandmeister Axel Hollmann, es seien jedoch nur 16 vorhanden, die auch noch sehr eng seien. Derzeit parken die Feuerwehrleute bereits in zweiter Reihe, andere nutzen – in Absprache – Parkplätze umliegender Geschäfte. Auch ein Schild, das an der Straße auf die Feuerwehrausfahrt hinweist, fordert die Wehr. Zudem bemängeln die freiwilligen Retter, dass an ihrer Sicherheit gespart werde. So habe die Gemeinde für das neue Löschgruppenfahrzeug LF20 300.000 Euro bereitgestellt. Mit Seitenairbags hätte das Fahrzeug jedoch laut Hollmann rund 301.500 Euro gekostet. Die finanzielle Grenze von 300.000 Euro habe aber nicht überschritten werden dürfen: Somit ist die Wehr ohne Seitenairbags unterwegs.

Axel Hollmann wünscht sich zudem, dass nach Abriss des Wohngebäudes an der Urneburger Straße 2 ein Multifunktionsplatz entsteht und kein Mehrfamilienhaus, denn dann bestehe die Möglichkeit, die Räume der Feuerwehr in Zukunft zu vergrößern.

Der Ortsbrandmeister setzt auf den Feuerwehrbedarfsplan, für den die Gemeinde Haushaltsmittel bereitstellen will. Ein Experte von außen könne die Gemeinde vielleicht leichter überzeugen, an einigen Stellen in die Feuerwehren zu investieren.

Immer mehr Gaffer

Kritik ging aber auch in Richtung Bürger: Hollmann beklagte Schaulustige an Unfallstellen. Die Feuerwehr will überlegen, ob sie in Zukunft ihre Fahrzeuge anders positioniert, um besseren Sichtschutz zu schaffen. Zudem berichtete er, dass die Bürger die freiwilligen Einsatzkräfte unnötig alarmierten, etwa, wenn ein kleiner Zweig auf der Straße liege, den jeder Bürger auch selbst aufheben könne.

Insgesamt rückte die Wehr 136-mal aus, darunter waren drei Großbrände und 18 Fehlalarme. 2017 hatte die Zahl der Einsätze bei 155 gelegen. Verantwortlich dafür war in 2017 die hohe Zahl der Hilfeleistungen bei Sturmschäden, so Hollmann. Während es 2017 65 Einsätze dieser Art gegeben hatte, beseitigte die Feuerwehr 2018 nur 23-mal Sturmschäden. Das erste Fahrzeug der Ganderkeseer Wehr rückte 2018 im Durchschnitt nach viereinhalb Minuten aus. Insgesamt dauerten die Einsätze 3.028 Stunden. Dienststunden leistete die Wehr 22.580, davon entfielen 8.182 auf die Einsatzabteilung.

Die Zahl der Mitglieder ist um sieben Personen auf 219 gewachsen. In der Einsatzabteilung sind 66 Männer und 16 Frauen aktiv. Trotz der guten Mitgliederzahlen sei die Verfügbarkeit am Tag ein Problem, so Hollmann. „Wir müssen inzwischen tagsüber von 6 bis 18 Uhr auch schon bei dem Einsatzstichwort ‚BMA klein‘ eine zweite Ortsfeuerwehr hinzualarmieren, um ausreichend Atemschutzgeräteträger und Maschinisten zu haben.“ Hollmann wünscht sich deshalb, dass die Gemeinde bei Neueinstellungen stärker Feuerwehrleute berücksichtigt.

Sonja Klanke
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2742

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