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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Retter und Helfer brauchen gute Nerven

23.11.2017

Ganderkesee /Landkreis Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, schließlich sind Rettungskräfte hart im Nehmen – und sie haben oft schlichtweg keine Zeit, sich um diejenigen zu kümmern, die ihren Einsatz nicht wertschätzen. In landesweit 155 Fällen haben Rettungsdienstmitarbeiter und Feuerwehrleute im vorigen Jahr Strafanzeigen erstattet, nachdem sie im Einsatz beleidigt oder gar körperlich angegriffen wurden. Fünf Jahre zuvor hatte die Zahl der angezeigten Übergriffe noch 94 betragen.

Wie sieht es im Landkreis Oldenburg und speziell in der Gemeinde Ganderkesee aus? Die NWZ hat sich bei Rettungskräften und Helfern umgehört, ob sie den Negativ-Trend ebenfalls wahrnehmen.

„Im Landkreis leben wir auf einer Insel der Glückseligen“, meint Frank Flake, Leiter des Malteser-Rettungsdienstes für die Stadt und den Landkreis Oldenburg. Die Malteser sind für den Rettungsdienst in der Stadt Wildeshausen, der Samtgemeinde Harpstedt sowie den Gemeinden Hatten und Wardenburg verantwortlich, seit Jahresbeginn auch in der Gemeinde Ganderkesee.

„Städtisches Phänomen“

Pöbeleien und Gewalt gegen Helfer seien ein eher städtisches Phänomen, so Flakes Einschätzung. In ländlichen Regionen hingegen werde die Arbeit der Rettungsdienstmitarbeiter überwiegend wertgeschätzt. „Den Leuten ist bewusst, dass sie uns irgendwann brauchen können.“

Wenn gepöbelt werde, sei zumeist Alkohol im Spiel, sagt Flake. Festgestellt haben er und seine Kollegen jedoch, dass insbesondere bei jüngeren Menschen die Hemmschwelle gegenüber Rettungskräften sinke. Unangenehme Vorkommnisse fallen laut Flake fast ausschließlich in den verbalen Bereich. Dass Strafanzeige gegen Pöbler erstattet wurde, sei bislang nicht vorgekommen. Auch Gaffer seien im Landkreis glücklicherweise die Ausnahme.

Häufiger mal mit Handykameras am Einsatzort konfrontiert sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. „Gaffer und gezückte Handys erleben wir beinahe täglich“, berichtet Christian Zoschke, Pressesprecher der Feuerwehren in der Gemeinde Ganderkesee. Er spreche die betreffenden Personen in der Regel direkt an, sofern es das Einsatzgeschehen erlaube, und appelliere an den gesunden Menschenverstand, sagt Zoschke. „Vielen ist ihr Verhalten dann peinlich.“

Alkohol enthemmt

Pöbeleien sind die Feuerwehrleute genau wie die Rettungsdienstmitarbeiter zumeist dort ausgesetzt, wo viel Alkohol fließt – etwa bei der Brandsicherheitswache vor dem Faschings-Festzelt, so Zoschke. Ansonsten stelle er zunehmend fest, dass Autofahrer genervt reagieren, beispielsweise wenn – etwa aufgrund eines Sturmeinsatzes – Straßen gesperrt seien. „Das Unverständnis für unsere Arbeit in diesem Punkt nimmt zu“, schildert Zoschke seinen persönlichen Eindruck.

Auch Beschimpfungen hat der Feuerwehrsprecher schon erlebt. Bei einem Einsatz mit dem Fernmeldezug des Landkreises auf einer vollgesperrten Autobahn sei es vorgekommen, dass ein Vater mit seinen Kindern durch den Stau bis zur Unfallstelle gelaufen ist. Als die Einsatzkräfte die Familie wegschickten, habe es Beleidigungen gehagelt.

Klare Ansagen

Bei Bränden und Unfällen sind die Feuerwehrleute nicht nur befugt, Platzverweise auszusprechen, sondern sogar in der Pflicht, Gefahrenbereiche zu räumen, wie Dirk Ellwart von der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch erklärt.

So aufreibend manch eine Begegnung mit Bürgern für Retter und Helfer auch ist – so groß ist in anderen Fällen auch die Anerkennung: „Wir erfahren in Einsätzen auch große Unterstützung“, sagt Feuerwehrsprecher Zoschke. So würden die Einsatzkräfte während länger andauernder Löscharbeiten nicht selten von Anliegern mit Kaffee und Brötchen versorgt.

Karoline Schulz
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2745

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