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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Nachtschicht Bei Der Rettungswache In Ganderkesee: ...und dann kommt der Gruß von der Leitstelle

09.12.2017

Ganderkesee Die Funkmeldeempfänger springen an, ein Gong hallt durch die Rettungswache Ganderkesee. Ein kurzer Blick auf die Alarmierung gibt einen ersten Eindruck, worum es geht. Mehr Details gibt es auf der Fahrt durch die Leitstelle. Monique Hollje (24, Rettungsassistentin) und Malte Spille (Rettungssanitäter) machen sich auf den Weg in die Fahrzeughalle. Zügig, aber nicht überstürzt, vorbei am Kicker und am Fernseher, die Treppe runter, durch die etwas verwinkelten Gänge der Rettungswache.

90 Sekunden zwischen Alarmierung und Ausfahrt vergehen maximal. Mit geübten Griffen wechseln sie aus ihren gemütlichen Schlappen in die schweren Einsatzstiefel. „Man weiß nie, was einen erwartet. Das macht den Beruf so spannend“, sagt Monique Hollje noch, bevor sie die Autotüren schließt und mit ihrem Kollegen in die Nacht fährt.

Wie viele Einsätze erwarten die Sanitäter in dieser Nacht? Das wissen natürlich weder Hollje und Spille noch Marie Eilers und Jens Marik, die den zweiten Rettungswagen besetzen, zu Beginn ihrer Schichten. Wirklich ruhig ist es aber selten.

Vier Personen

Die Nachtschicht im Rettungsdienst

Dauer der Begleitung: 18.30 bis 23.30 Uhr

Das Personal: Monique Hollje (24, Rettungsassistentin), Malte Spille (31, Rettungssanitäter) auf dem Rettungswagen; Marie Eilers (19, Auszubildende zur Notfallsanitäterin) und Jens Marik (29, Rettungsassistent).

Nachtschicht in Serie: Alle Teile der NWZ-Serie „Nachtschicht“ online unter:

    bit.ly/nwz-nachtschicht

Während Hollje und Spille schon zu Beginn ihrer Schicht ausrücken mussten, geht der Dienst für Marie Eilers ruhiger los. Die 19-jährige Ammerländerin ist Auszubildende zur Notfallsanitäterin bei den Maltesern. „Normalerweise fahre ich in Oldenburg auf dem Rettungswagen“, sagt sie. Aber manchmal auch im Landkreis Oldenburg. Es ist ihr fünfter Einsatz in Ganderkesee und wie jede Schicht, beginnt auch diese mit der Überprüfung und Reinigung des Einsatzfahrzeuges.

Mit vier Personen ist die Ganderkeseer Rettungswache nachts besetzt. „Auf jedem Fahrzeug ein Rettungsassistent oder Notfallsanitäter und ein Rettungssanitäter oder Auszubildender“, erklärt Jens Marik (29, Rettungsassistent). Er besetzt an diesem Abend mit Marie Eilers das „MZF“ (Mehrzweckfahrzeug), das sowohl für Notfalleinsätze als auch für Krankentransporte eingesetzt wird.

Nächtliche Rituale

Egal wie ruhig der Dienst beginnt: „Bloß nicht sagen, dass es gerade ruhig ist“, beschwört Marie Eilers und lacht. Auch Jens Marik muss grinsen. „Jeder hat so seine Rituale in der Nachtschicht“, weiß er. Die beiden sitzen im Aufenthaltsraum der Rettungswache. Kaffee dampft auf dem Tisch vor sich hin. Marik selbst macht sein Bett, von denen in der Rettungswache mehrere zur Verfügung stehen, nie vor Mitternacht. Macht er es vorher, gibt es so viele Einsätze, „dass ich gar nicht zum Schlafen komme“, so Marik. Soweit der Aberglaube, der fester Bestandteil in vielen Rettungswachen ist. „Im Endeffekt weiß man nie, was die Schicht einem bringt, da helfen solche kleinen Rituale“, sagt Marie Eilers.

Grüßende Leitstelle

Marie Eilers und Jens Marik schmieden im Wachraum die ersten Essenspläne, unterhalten sich. Doch dann kommt er auch für sie, der „Gruß von der Großleitstelle“, wie die Sanitäter die Alarmierung nennen. Es ist 20.30 Uhr, zwei der zwölf Stunden Nachtschicht sind vergangen, als das MZF zum ersten Mal ausrücken muss. Am Steuer Marie Eilers, denn auch Alarmfahrten müssen geübt werden. Während das Martinshorn in der Ferne verhallt, schließen sich die Tore der Rettungswache, Stille breitet sich aus – Hollje und Spille sind noch mit ihrem ersten Einsatz beschäftigt. Eigentlich wäre es spannend, jetzt mit dabei zu sein. Aber der Träger des Rettungsdienstes, der Landkreis Oldenburg, will dies aus Datenschutzgründen nicht. Auch verständlich.

„Haben die anderen sich schon Gedanken übers Essen gemacht?“, fragen Malte Spille und Monique Hollje ihren Kollegen Christian Badberg, kaum sind sie wieder in der Wache. Badberg ist mit dem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) aus Bookholzberg gerade in Ganderkesee, um den Notarzt für die Nachtschicht abzuholen. „Noch nicht abschließend“, so die Antwort. Lockere Gespräche sind zu hören, während das im Einsatz verbrauchte Material nachgefüllt und der Papierkram erledigt wird. Malte Spille, der nicht nur in der Gemeinde Ganderkesee arbeitet, sondern auch in Heide wohnt, holt Pistazien. „Man muss ja was essen, oder?“

Vielfältige Einsätze

Die Berufswahl des Heiders liegt in der Familie, schon seine Großväter waren im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr tätig. Spille gehört fest zum Team der Ganderkeseer Rettungswache, Monique Hollje fährt derweil eigentlich in Oldenburg-Stadt. „Es kommt aber häufiger vor, dass man mal irgendwo anders eingesetzt wird“, sagt sie. Wie auch ihr Kollege Spille bevorzugt sie Nachtschichten. „Es ist insgesamt ruhiger. Und hier auf dem Land sowieso noch mehr als in der Stadt.“ Etwas bedauerlich finden beide, dass die Bevölkerung kein klares Bild von der Arbeit im Rettungsdienst hat. „Da denken alle immer nur an Verkehrsunfälle oder Herzinfarkte“, so Spille. Aber, gerade auch nachts, kommen beispielsweise Einsätze eher psychologischer Natur vor: Alte Menschen, die einsam sind und deswegen vielleicht gesundheitliche Symptome entwickeln. „Da sind wir dann auch manchmal Wegweiser und zeigen Möglichkeiten auf“, erzählt Monique Hollje. An wen kann man sich wenden, wo gibt es Hilfe und Unterstützung – schnell gegebene Informationen, die dabei helfen, gerade die nächtliche Angst und Einsamkeit zu vertreiben.

Aber natürlich gibt es sie auch, die Verkehrsunfälle – gerade auf der Autobahn –, die Suizide, die schweren Einsätze mit Kindern. „Da geht jeder anders mit um“, sagt Malte Spille und nimmt sich eine Pistazie. Da helfen aber auch die Kollegen. „Die Gemeinschaft hier auf der Wache ist wirklich wunderbar. Wenn wir hier abends zusammen sind, dann ist es wie ein Abend mit der Familie“, weiß Spille.

Wenn sie denn zusammen im Aufenthaltsraum sitzen können. Die nächste Alarmierung unterbricht die Gespräche. Es ist 21.20 Uhr, die Essenspläne sind genau das geblieben: Pläne.

Der Hunger bleibt

Marie Eilers und Jens Marik kommen zurück. „Ich hab jetzt aber wirklich Hunger“, sagt Marie Eilers, während sie zusammen mit ihrem Kollegen das Einsatzprotokoll in den PC überträgt. Der letzte Tastaturanschlag und der letzte Mausklick sind getan, Jens Marik lehnt sich im Stuhl zurück und spricht mit „seiner“ Auszubildenden. Und dann hallt wieder der Gong durch die Rettungswache, die Funkmelder springen an. Der Wechsel von den Schlappen in die Einsatzstiefel entfällt dieses Mal, keiner von beiden hatte sich umgezogen. Die Blaulichter zucken erneut vor der Rettungswache durch die Nacht. Die Tore schließen sich, es ist 21.43 Uhr. Bis 23.20 Uhr soll es dauern, bis wieder Leben in der Rettungswache einkehrt. Gegessen oder Betten gemacht hat noch niemand.

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Hier finden Sie unsere Video-Serie: Erste Hilfe

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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