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NWZonline.de Region

Piloten stehen für Tausende Tote

17.11.2017

Ganderkesee Gerd von Seggern hat ein kleines Ritual. Am Volkstrauertag geht er zur Gedenktafel für die beiden englischen Piloten, die im Zweiten Weltkrieg mit ihrem Flugzeug in Ganderkesee abgestürzt sind. Bei der Tafel an der St. Cyprian- und Corneliuskirche stellt er ein Gesteck ab, dazu kommen eine Kerze, eine „Union Jack“-Flagge und eine Mohnblume – in England das Symbol für das Gedenken an die gefallenen Soldaten. Auch eine selbst verfasste Mahnung gegen den Krieg legt der 53-Jährige dazu. Die jungen Männer seien in den Krieg gegangen, ohne richtig gelebt zu haben, sagt er. „Je mehr ich mich damit beschäftige, umso begeisterter bin ich Pazifist.“

22 und 23 Jahre alt

Gedenkfeiern

In Bookhorn werden bereits am Sonnabend, 18. November, gegen 10 Uhr Kränze am Denkmal niedergelegt. Zuvor wird ab 9.30 Uhr das Mahnmal gereinigt.

In Schönemoor beginnt die Gedenkfeier am Sonntag, 19. November, um 9.30 Uhr am Ehrenmal.

In Havekost ist ebenfalls für 9.30 Uhr ein Gedenken am Mahnmal geplant.

In Holzkamp wird um 10.30 Uhr ein Kranz am Mahnmal niedergelegt.

In Ganderkesee gibt es um 11 Uhr im Rathaus eine Gedenkfeier. Die Ansprache hält Dr. Johann Böhmann, der ehemalige Chefarzt der Delmenhorster Kinderklinik. Anschließend werden Kränze am Mahnmal und an der Kirche niedergelegt.

In Bergedorf wird ebenfalls um 11 Uhr am Denkmal der Toten aus den Weltkriegen gedacht.

In Falkenburg wird um 11 Uhr ein Kranz am Mahnmal niedergelegt.

In Hoykenkamp treffen sich Bürger und Vereine um 11.45 Uhr am Denkmal.

In Hohenböken beginnt das Gedenken um 13.30 Uhr am Denkmal.

In Stenum gibt es um 14.30 Uhr eine Andachtsfeier am Denkmal.

In Bookholzberg beginnt die Gedenkfeier um 14.30 Uhr in der Aula der Oberschule.

In Bürstel ist für 15 Uhr eine Kranzniederlegung am Mahnmal geplant.

In Elmeloh beginnt die Gedenkfeier ebenfalls um 15 Uhr am Denkmal.

Die beiden englischen Piloten Douglas Warren Wilson und Philip Francis Templeman waren 23 und 22 Jahre alt, als ihr Flugzeug in der Nacht zum 24. März 1940 von einem deutschen Flakgeschoss abgeschossen wurde und am Fahrener Weg abstürzte. Der Vorfall aus der Anfangszeit des Zweiten Weltkriegs beschäftigt Gerd von Seggern schon seit vielen Jahren. Er hat eine Vielzahl von Fotos gesammelt. Die Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen das Wrack des englischen Flugzeugs am Fahrener Weg. Kinder, Militärangehörige und andere Schaulustige stehen davor und nehmen es in Augenschein. Von Seggern hat mit alten Ganderkeseern gesprochen, die sich noch an den Absturz und Besuche beim Wrack erinnern konnten. „Ganz Ganderkesee war in Aufruhr“, berichtet er.

Vor sechs Jahren wurde das Ereignis noch einmal ganz aktuell. Damals kam Norman Wilson, der Bruder des Piloten Douglas Wilson, nach Ganderkesee. Er war dabei, als die Gedenktafel an der St. Cyprian- und Corneliuskirche enthüllt wurde. Außerdem besuchte der damals 88-Jährige die Absturzstelle.

Weiter in Kontakt

Gerd von Seggern steht nach wie vor im Kontakt mit dem alten Herrn. Erst vor wenigen Wochen hat er eine Email von ihm bekommen. Von Seggern hatte dem Engländer von einem Besuch auf dem englischen Soldatenfriedhof in Becklingen bei Soltau berichtet. Norman Wilson sei geistig noch sehr fit, sagt der Hobbyforscher. 70 Jahre lang habe er herauszufinden versucht, wo sein Bruder ums Leben gekommen ist. „Er ist froh, dass er es für sich abschließen konnte.“ Der Engländer hat seine jahrzehntelange Suche sogar in einer Broschüre dokumentiert. Der Einband zeigt ein Foto seines Bruders. „My 70 Year Dream“ ist das Heft überschrieben.

Noch Fragen offen

Auch Gerd von Seggern träumt davon, die Ergebnisse seiner Nachforschungen eines Tages zu veröffentlichen. Für ihn wirft der Flugzeugabsturz auch nach 77 Jahren noch Fragen auf, die er beantworten möchte. Eine davon ist, wo die beiden Piloten damals bestattet wurden. Von Seggern hat Fotos, die ein Begräbnis auf dem Friedhof an der Ganderkeseer Kirche zeigen. Die Engländer seien mit militärischen Ehren beigesetzt worden, berichtet er. „Das war noch, bevor der Krieg mit England richtig losging“, sagt er. Im Jahr 1947 sollen die Überreste der beiden Piloten dann auf den Soldatenfriedhof bei Soltau umgebettet worden sein. Doch nach Auffassung von Gerd von Seggern ist das vielleicht gar nicht passiert. „Es gibt in Ganderkesee keinen Hinweis, dass die Umbettung stattgefunden hat.“ Möglicherweise habe man den Verwandten in England mitgeteilt, dass die sterblichen Überreste in einem „War Cemetery“ beigesetzt worden seien, um sie zu beruhigen, vermutet er.

Gerd von Seggern will weiter Informationen über den Flugzeugabsturz zusammentragen. Fürs kommende Jahr hat der England-Fan eine Reise nach Großbritannien geplant. Dort will er sich ein Flugzeug des Typs anschauen, der in Ganderkesee abstürzte. Der beiden toten Piloten zu gedenken, findet er aber nicht nur wegen seines privaten Interesses wichtig. Es habe Tausende gefallene Soldaten gegeben, und er trauere auch um die deutschen Gefallenen. „Wir sollten uns alle aufgerufen fühlen, etwas für den Frieden zutun“, meint er.

Antje Rickmeier Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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