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Sicherheit: Ganderkeseer bewaffnen sich

20.12.2016

Ganderkesee /Landkreis Gut zwei Monate ist es her, dass ein Mann versuchte, eine Bankfiliale in Ganderkesee zu überfallen, dabei forderte er mit zwei vorgehaltenen Schreckschusspistolen Geld von den Angestellten. Und Anfang Dezember rückte die Polizei zu einem Einsatz aus, bei dem eine der täuschend echt aussehenden Waffen Anlass zur Sorge war: Ein 14- jähriger hantierte damit in einem Zug bei Hoykenkamp.

Immer mehr Menschen sind im Besitz solcher Waffen, oder zumindest des „kleinen Waffenscheins“, der unter anderem zum Besitz von Schreckschusspistolen berechtigt. In Niedersachsen hat sich die Zahl der Anträge für einen kleinen Waffenschein im laufenden Jahr sogar verachtfacht: Gab es 2015 noch 2000 Anträge, waren es 2016 bereits 16 000.

Mit dem Kleinen Waffenschein zu erwerben: Schreckschusspistole (oben), Pfefferspray (links) oder Signalwaffen wie der Schrill-Alarm (unten) BILD: Peter Kretzner/k24waffen.de

Der kleine Waffenschein

Der Erwerb von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen, die mit dem Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) versehen sind, ist für alle Personen ab 18 Jahren frei.

Das Führen der Waffe in der Öffentlichkeit setzt allerdings den kleinen Waffenschein voraus. Wer ohne Schein die Waffe bei sich trägt, begeht eine Straftat.

Voraussetzungen für den Erwerb des Kleinen Waffenscheins sind die Volljährigkeit des Antragstellers, keine Vorstrafen und keine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Auch die persönliche Zuverlässigkeit und die fachgerechte Aufbewahrung der Waffen werden von der Gemeinde- oder Kreisverwaltung überprüft.

Das Schießen in der Öffentlichkeit ist trotz des Waffenscheins verboten und nur in Notwehr erlaubt. Auf dem eigenen Grundstück oder mit Einverständnis des Hausbesitzers ist das Schießen aber erlaubt.

Auch in der Gemeinde Ganderkesee sind die Zahlen stark angestiegen. „Zum Stand 5. Dezember haben wir 85 kleine Waffenscheine ausgestellt, im ganzen Jahr 2015 waren es nur 15“, so Gemeindesprecher Hauke Gruhn. Im Jahr 2014 waren es noch weniger, damals wurden neun Scheine ausgestellt. Landkreisweit sind in diesem Jahr sogar schon 375 kleine Waffenscheine beantragt worden, fast sechsmal so viele wie im Vorjahr.

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Die Nachfrage nach Schreckschusswaffen habe sich nun im Vergleich zum Jahresbeginn 2016 aber wieder normalisiert, „nach der Silvesternacht in Köln war es ganz viel“ berichtet Peter Kretzner. Der Hoykenkamper betreibt einen Onlineshop, in dem er Waffen an- und verkauft. Zu Silvester sei die Nachfrage nun ohnehin wieder stärker, allerdings nicht aufgrund von Sicherheitsbedenken. „Mit den Schreckschusspistolen kann man zum Beispiel auch Leuchtkugeln abschießen, das ist zum Jahreswechsel ganz beliebt“, so der Händler.

Und Kretzner hat noch etwas beobachtet: „Die meisten haben die Waffen zuhause liegen und führen sie gar nicht mit sich rum, die sind ja auch sperrig. Aber sie bieten halt eine zusätzliche Sicherheit“, sagt er.

Zu welchem Zweck die Antragsteller die Waffe mit sich tragen wollen und was überhaupt angeschafft wird, ist den Behörden, die den kleinen Waffenschein ausstellen, indes nicht bekannt. Sie suchen bei Antrag im Bundeszentralregister, bei Polizei und Meldebehörden nach Vorstrafen oder offenen Verfahren. Liegt nichts vor, gibt es den kleinen Waffenschein und eine DIN-A4-Seite mit Belehrungen. „Weitere Beratung gibt es nur auf Anfrage“, sagt Sonhild Lindemann vom Ordnungsamt des Landkreises.

Die Polizei ist jedenfalls alles andere als begeistert von der großen Nachfrage nach Schreckschusswaffen. Sie seien von scharfen Waffen schwer zu unterscheiden, gibt Melissa Oltmanns, Sprecherin der Polizeiinspektion in Delmenhorst, zu bedenken. „Ein Polizist wird im Zweifel so handeln, als ob er mit einer scharfen Waffe konfrontiert wird!“ Und um Angriffe abzuwehren, seien die kleinen Waffen wie zum Beispiel Pfefferspray selten geeignet: „Der Angreifer nutzt ja den Überraschungseffekt aus“, so Oltmanns. Bis das Opfer das Pfefferspray aus der Tasche gekramt habe, sei es meistens zu spät.

Patrick Buck stv. Redaktionsleiter / Redaktion Oldenburg
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