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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Mehr Laien drücken, bis der Arzt kommt

13.07.2019

Landkreis Mit jeder Minute sinkt bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand die Überlebenschance eines Menschen um zehn Prozent – wenn keine Herzdruckmassage stattfindet. Im Landkreis Oldenburg ist die lebensrettende Maßnahme überdurchschnittlich oft erfolgreich. Und die wertvolle Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes wird immer häufiger von medizinischen Laien überbrückt: In 54,5 Prozent aller Fälle hatte 2018 zunächst ein Laie Maßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung ergriffen. Damit rangiert der Landkreis im bundesweiten Vergleich auf Platz fünf.

Das geht aus der jüngsten Analyse des Deutschen Reanimationsregisters hervor, dem die beiden vom Landkreis beauftragten Rettungsdienste – der Malteser Hilfsdienste und die Johanniter Unfallhilfe – monatlich ihre Daten übermitteln. Seit 2015 tut das der Landkreis auf freiwilliger Basis – wie rund 170 andere Kreise und Städte.

Über Bundesdurchschnitt

Bundesweit wurde im vorigen Jahr bei 43,5 Prozent der Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Reanimationsmaßnahmen begonnen. Auch im Landkreis Oldenburg hatte der Wert 2016 noch bei 46 Prozent gelegen.

Dafür, dass jetzt bei mehr als der Hälfte aller reanimationspflichtigen Patienten Laien Erste Hilfe geleistet haben, ist aus Sicht von Dr. Peter Günther, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Oldenburg, auch die Verbreitung der Core­Helper-App verantwortlich. Im Dezember 2017 hatte sich der Kreis dem Projekt „Erleben“ angeschlossen, das zum Ziel hat, im Reanimationsfall über die App mögliche Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe des Patienten befinden, schnell zum Einsatzort zu lotsen. Auch, dass die Disponenten der Leitstelle Laien per Telefon bei der Reanimation anleiteten, zeige sich im Ergebnis des Berichts, ist Günther überzeugt.

Ein Drittel überlebt

Das beherzte Eingreifen einer zunehmenden Zahl von Ersthelfern trägt dazu bei, dass die Analyse des Reanimationsregisters auch der rettungsdienstlichen Qualität im Landkreis Oldenburg insgesamt ein gutes Zeugnis ausstellt: 30 Prozent aller Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand haben 2018 das Krankenhaus lebend erreicht. „Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren stabilisiert“, erklärt der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes. Bundesweit liege er deutlich niedriger. Gleichwohl sei der Erfolg einer Reanimation stark von der gesundheitlichen Gesamtsituation eines Patienten abhängig, betont Günther.

Es geht auch noch besser: In Skandinavien liegt die Überlebensrate bei rund 60 Prozent. Dort steht die Herz-Lungen-Wiederbelebung auf dem Lehrplan an Schulen. „Den Menschen dort geht die Reanimation in Fleisch und Blut über“, sagt Dr. Peter Günther. Der Mediziner wünscht sich, dass dem Thema in Deutschland eine ähnlich hohe Bedeutung beigemessen würde.

In jedem Fall drücken

Laien-Defibrillatoren kommen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand übrigens nur in wenigen Fällen zum Einsatz. „Defibrillierbar ist nur ein so genanntes Kammerflimmern“, erklärt Günther. Ob das vorliegt, diagnostiziere das Gerät automatisch. Aber egal, ob Kammerflimmern oder Nulllinie – eine Maßnahme ist immer die richtige: „Gedrückt werden muss in jedem Fall!“, so der Notfallmediziner. Auf das Beatmen sollten Laien nach geltendem Standard unterdessen verzichten.

„Es ist toll, dass immer mehr Bürger sich trauen, Verantwortung zu übernehmen und bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand Erste Hilfe zu leisten“, lobt Günther. Denn der einzige Fehler, den Ersthelfer machen könnten, sei der, nicht zu helfen.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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