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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

GEDENKTAG: Novemberpogrome auch in Ganderkesee

08.11.2008

GANDERKESEE Als am 3. November 1938 der siebzehnjährige Jude Herschel Grynszpan in Paris auf den Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath schoss, lebte in Ganderkesee nur eine jüdische Familie, die Alexanders. „Onkel Fritz“, wie der alteingesessene Viehhändler gerufen wurde, und seine Frau Sarah bewohnten ein altes Bauernhaus nahe der Kirche. Schon seit über hundert Jahren war hier der Familiensitz der Alexanders. Von den weltpolitischen Vorgängen wussten Sarah und Fritz vermutlich wenig.

Das NS-Regime erkannte das Pariser Attentat bald als Gelegenheit, die „Arisierung” – also die Zwangsenteignung jüdischen Besitzes – auf gewaltsame Weise zu beschleunigen. So wurden vor allem kurz nachdem vom Rath am 9. November seinen Schussverletzungen erlegen war, Synagogen niedergebrannt, Juden verhaftet und ermordet. Wegen des zersplitterten Glases der jüdischen Geschäfte wird die Nacht vom 9. auf den 10. November, die sich dieses Jahr zum 70. Mal jährt, auch als Reichskristallnacht bezeichnet.

Als am Morgen des 10. November jüdische Männer aus Delmenhorst und Umgebung verhaftet wurden, kamen die Polizisten auch nach Ganderkesee. Fritz Alexander wurde zusammen mit den anderen Verhafteten nach Delmenhorst ins Gefängnis gebracht, wo sie der dortige Kreisleiter mit bezeichnenden Worten empfing: „Wisst ihr, warum ihr hier steht? Weil eure Rassengenossen den Botschafter von Rath ermordet haben. Das was noch kommt, habt ihr nun auszubaden.“ Was nun kam, war die systematische Verfolgung und Ermordung von über 5,5 Millionen Juden, der Holocaust.

Während die NS-Kräfte Fritz’ in Bremen lebenden Sohn Heino wie viele andere schon im November 1939 ins KZ-Sachsenhausen deportierten, wurde der Ganderkeseer Händler selbst – aufgrund seines Alters – noch einmal freigelassen.

In seinem Heimatort wurde wenig über die Vorkommnisse gesprochen, die den Beginn des Völkermords markierten – „die meisten Leute haben geschwiegen“, erinnert sich Pastor Ernst Bultmann, der im November 1938 als 15-Jähriger auf einem Bauernhof in Strudthafe arbeitete. Ob aus Unwissenheit, aus Betroffenheit oder Zustimmung, kann Bultmann nicht sagen – „Es gab unter den Ganderkeseern Parteifreunde und auch NS-Gegner.“ Sich kritisch zu äußern sei jedoch immer gefährlich gewesen, schnell sei man als Staatsfeind im Gefängnis gelandet, erklärt der 85-Jährige. Sein Vater selbst musste als NS-kritischer Pastor einige Zeit in Gewahrsam verbringen.

Das Ehepaar Alexander aus Ganderkesee wurde 1940 in ein sogenanntes jüdisches Altenheim bei Hamburg deportiert und später im KZ-Theresienstadt umgebracht. Sarah starb 1942, Fritz ein Jahr später. Heute erinnert an die jüdische Familie ein Stein an der Ecke Ringstraße/Lange Straße, den man rabattenumrankt leicht übersieht, wenn man nicht weiß, wo er sich befindet. Dabei sollten doch heute dort, wo damals geschwiegen wurde, Erinnerung und Gedenken umso deutlicher zu erkennen sein.

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