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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Luftfahrt: Wenn der Mensch selbst das größte Risiko ist

14.01.2020

Sandtange Weshalb ist die Luftfahrt heute so sicher? Kurz nach dem Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeuges über dem Iran, bei dem alle 176 Insassen starben, hörte sich der Titel eines Vortrags auf dem Hatter Flugplatz in Sandtange zwangsläufig deplatziert an. Doch es war richtig und gut, dass Bernd Tietzel (67), Flugkapitän im Ruhestand, an dem von langer Hand geplanten Termin festhielt. Dem Sandkruger gelang es, seinen etwa 50 Zuhörern die außergewöhnlichen Dimensionen der Sicherheit in der boomenden Transportbranche zu verdeutlichen.

Wie stark die Fluggastzahlen steigen, zeigen zwei Zahlen: 2017 wurden über 4 Milliarden Menschen mit Flugzeugen befördert. 2019 waren es bereits 4,54 Milliarden in 29 800 kommerziellen Maschinen. Tendenz weiter steigend. Gleichzeitig entwickelt sich die Sicherheit immer mehr in Richtung kleinster Zahlen. „Totalverluste“ von Flugzeugen gab es laut Tietzel im Jahr 2017 nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 93 Millionen bei weltweit insgesamt 43,2 Millionen Flügen (Quelle: Statista; Anbieter für Markt- und Konsumentendaten).

In anderen Bereichen sieht das Risiko ungleich größer aus. Beispiel: Raumfahrt mit dem Space Shuttle. „Ein tolles Teil, aber ich würde es nie betreten“, so der Flugkapitän. Setze man die Zahl der Missionen (135) mit denen der Unglücke in Relation und übertrage die Quote auf die Fliegerei, so liege das Risiko eines Flugzeugabsturzes bei 132 Maschinen – pro Tag wohlgemerkt.

Auch Autofahren ist trotz positiver Entwicklungen noch weit von der Sicherheit in der Luftfahrt entfernt. 2017 starben „nur noch“ 3180 Menschen in Deutschlands Straßenverkehr. 1970 waren es noch mehr als 19 000 (zwei Verkehrstote/Stunde) gewesen. Sicherheit für Leib und Leben hat sich die Luftfahrt erarbeiten müssen. Bernd Tietzel verdeutlichte das anhand historischer Zahlen: Zu Zeiten Otto Lilienthals starb statistisch alle 30 Flugminuten ein Mensch, bei den Anfängen des Motorflugs etwa alle 50 Stunden. 1940 waren es dann noch etwa alle 500, 1970 alle 50 000 Stunden.

Vortrag am 21. Januar im Tennisclub

Bernd Tietzel verbrachte gut 30 Jahre seines Berufslebens als Flugingenieur, Copilot und Flugkapitän in den Flugzeugkanzeln der Deutschen Lufthansa, 15 000 Stunden zwischen Himmel und Erde auf den Mustern B727, B747, DC10 und Airbus A340/330.

Sein Vortrag über die Flugsicherheit wird wegen der großen Nachfrage am Dienstag, 21. Januar, ab 20 Uhr im SWO-Tennisclub, Ladestr. 16, in Sandkrug wiederholt. Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden zugunsten der Jugendkasse des Vereins gebeten.

Erreicht wurde dies nicht nur durch den technischen Fortschritt. Denn 75 Prozent aller Unglücke resultieren aus menschlichem Versagen. „Letztendlich geht es um das Verhalten von Menschen beim Bedienen komplexer Systeme“, sagt Tietzel. Zu den Faktoren, die das Risiko minimieren, zählen eine abgeflachte Hierarchie im Cockpit, eine standardisierte Kommunikation, die Forderung nach einvernehmlichen Entscheidungsfindungen im Team und – ganz wichtig – die Verpflichtung des Rangniederen, bei dem geringsten Zweifel zu intervenieren. „Selbst wenn er falsch liegen sollte, hat er keine Sanktionen zu befürchten“, betont der Flugkapitän im Ruhestand.

Branchen wie die Medizin haben in Teilbereichen das Sicherheitskonzept der Fliegerei übernommen – Stichwort Berichtssystem. Die Fehlerraten sind dabei laut einer internationalen Studie (BMJ Research 2008) um 30 Prozent gesunken. Allerdings mangelt es an der letzten Konsequenz: Warum gebe es eigentlich keine Aufzeichnungen von Operationen, fragt sich Tietzel.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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