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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Schneise der Verwüstung

08.07.2017

Hanstedt /Einen Der Spuk dauerte nur wenige Minuten, doch der Schaden geht wohl in die Millionen: Am Freitagabend hat eine schwere Fallböe, ein sogenannter Downburst, südlich von Wildeshausen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Zwischen der Wildeshauser Bauerschaft Hanstedt und den Goldenstedter Bauerschaften Altona, Ellenstedt und Einen kippten reihenweise Bäume um. Häuser und Scheunen wurden zum Teil völlig zerstört.

Bäume auf Haus gekracht

In Hanstedt wurde eine Hofstelle schwer getroffen. Diverse Bäume waren umgestürzt und beschädigten das Wohnhaus. Die Feuerwehren aus Wildeshausen, Düngstrup, Dötlingen sowie Neerstedt waren im Einsatz. Zeitweise wurden sie von zwei Schwerlastkränen unterstützt, um die dicken Bäume vom Gebäude zu holen. Die Feuerwehren machten aber nicht an der Kreisgrenze halt, sondern halfen in der Gemeinde Goldenstedt, Straßen freizuräumen, Dächer freizusägen und abgebrochene Baumkronen zu entfernen.

Zwischenzeitlich wurde vermutet, dass sich ein Auto mit einer jungen Frau unter diesen Bäumen befand, berichtete die Feuerwehr Wildeshausen. Diese Befürchtung stellte sich glücklicherweise als falsch heraus.

Ab Samstag war das riesige Loch im Dach des Hanstedter Bauernhauses mit einer weißen Folie abgedeckt, damit es nicht reinregnen kann. Einige Frauen standen vor dem Haus und sprachen miteinander, hielten sich aber mit öffentlichen Äußerungen zum Unwetter am Vorabend zurück.

In der benachbarten Bauerschaft Altona ist der Schaden bei Martin und Petra Thöle ähnlich groß. Eine 180 Jahre alte Eiche war aufs Dach ihres Wohnhauses gekracht, zwei weitere Eichen auf eine Scheune. Das Ehepaar erlebte den Tornado hautnah mit. „Es war kurz vor sieben. Wir wollten gerade mit dem Fahrrad los. Als ich merkte, dass ich zu wenig Luft auf dem Reifen hatte, sind wir noch einmal in die Scheune zurückgekehrt. Plötzlich regnete und hagelte es und heftiger Wind wirbelte um unser Grundstück. Deshalb sind wir in der Scheune geblieben“, erzählte Martin Thöle am Samstag, als er mit Nachbarn beobachtete, wie ein Schwerlastkran zwei Eichen von eben jener Scheune hob, in der sich das Ehepaar während des Downbursts befunden hatte.

Petra und Martin Thöle blieben unverletzt. Auch andernorts gab es keine Verletzten. Für den 57-Jährigen steht fest. „Jetzt werden auch die anderen großen Bäume am Haus gefällt.“ Er zeigte eine mächtige Eiche vor seinem Schlafzimmer. „Wenn die umfällt und wir im Bett liegen, sind wir tot.“

In der benachbarten Bauerschaft Einen muss das Epizentrum des Downbursts gewesen sein. Mehrere Anwohner formulierten es am Samstag so. „Es sieht aus wie im Krieg.“ An der Einer Straße wurden mehrere Gebäude stark beschädigt. Eine Scheune, in der Maschinen und anderes Gerät standen, lag in Trümmern. Die Kreisstraße zwischen Goldenstedt und Colnrade blieb am Samstag wegen der Aufräumarbeiten gesperrt. Die Feuerwehren aus Wildeshausen und Goldenstedt waren erneut im Einsatz.

Haus unbewohnbar

Mit am schlimmsten traf es Landwirt Bernd Reinke. Ein Dutzend Eichen rund ums Haus waren umgekippt, mehrere davon auf sein Haus gestürzt. Es ist unbewohnbar. „Zum Glück war niemand im Haus“, sagte der 32-jährige. Als das Unwetter wütete, fuhr er mit seinem Mähdreher auf dem Acker und erntete Gerste. „Am Montag kommt der Gutachter. Dann muss entschieden werden, ob das Haus abgerissen wird“, sagte Reinke, während er mit Freunden und Bekannten auf den zersägten Eichenstämmen saß und eine Pause von den Aufräumarbeiten machte. In jedem Fall will er jetzt auch die restlichen zwölf Eichen nahe des Hauses fällen. Sicher ist sicher.

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