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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Autobahnpolizei Im Nordwesten: Tickenden Zeitbomben auf der Spur

28.01.2015

Landkreis /Ahlhorn 65 000 Fahrzeuge passieren täglich die Autobahn 1 zwischen Holdorf und Brinkum, mehr als 19 500 Schwerlastwagen sind dabei. Rund 80 Beamte der Autobahnpolizei sorgen hier, auf der A 28 und auf der A 29, dafür, dass der Verkehr möglichst sicher läuft. Sie gehen auf die Jagd nach Rasern und Kriminellen und sorgen für schnelle Hilfe, wenn es doch mal gekracht hat.

Los geht es bei einer Lkw-Großkontrolle auf der Raststätte Wildeshausen. Immer wieder sind tickende Zeitbomben unterwegs: Überladene Fahrzeuge, defekte Bremsen, übermüdete Fahrer – es gibt viele Verstöße, die die Ahlhorner Beamten heute mit Kollegen aus der regionalen Kontrollgruppe der Polizeidirektion Oldenburg aufdecken wollen.

Mehrere Teams

Wadim Sartison (29) besetzt heute gemeinsam mit Cliff Sprenger (35) einen Streifenwagen. Wie mehrere andere Teams pendeln die beiden zwischen den beiden Wildeshauser Anschlussstellen der A1 hin und her, immer mit einem wachen Auge für Lastzüge, die aussehen, als würde eine Kontrolle sich lohnen.

Cliff Sprenger hat besonders Tier- und Lebensmitteltransporte und Abfalltransporter im Auge, er hat einen Blick dafür, wenn es hier Mängel gibt.

„Diese Erfahrung fehlt mir noch“, sagt Sartison, der am Steuer des Streifenwagens sitzt, „ich bringe dafür vielleicht einige neue Erkenntnisse aus der Uni mit, und vielleicht achte ich auch ein wenig mehr auf die Eigensicherung als die Kollegen, die mehr Routine haben“, fährt er fort. In diesem Moment nähert sich von hinten ein Lastwagen mit zwei rostigen Containern voller Abfälle. Den will Cliff Sprenger sich ansehen. Sartison lässt den verdächtigen Laster zunächst vorbei und setzt sich nach wenigen hundert Metern vor ihn. Noch leuchtet das Signal nicht, welches dem Fahrer bedeutet, dem Streifenwagen auf den Parkplatz zu folgen. „Aber wenn ein Streifenwagen sich vor ihn setzt und nur noch 80 oder 90 fährt, weiß der Fahrer, was gleich kommt“, sagt Kommissar Sprenger. Er wird den Fahrer gleich auf dem Rastplatz nach verschiedenen Papieren fragen, Genehmigungen und Lenkzeiten überprüfen.

Für den 29-jährigen Polizeikommissar Wadim Sartison ist die Autobahnpolizei in Ahlhorn die erste Dienststelle nach seinem dreijährigen Studium. Wie andere junge Polizeibeamte, die im Oktober neu in verschiedene Dienststellen der Autobahnpolizei gekommen sind, kann er bei dieser Kontrolle sein theoretisches Wissen aus einem einwöchigen Lehrgang in der Realität testen.

Experte unterstützt

„Es gibt verschiedene Typen von Fahrern“, sagt der junge Kommissar. „Der eine testet dich und gibt dir den dicken Ordner mit all seinen Unterlagen. Der andere gibt dir genau das, was du brauchst – deshalb musst du genau wissen, nach welchen Papieren du fragen musst.“ Während Sprenger diese Papiere überprüft, schaut sich Sartison den Lastzug an. Unterstützung bekommt er von Hans-Jürgen Peters-von Varel. Der 54-jährige Polizeihauptkommissar ist der Experte der Ahlhorner Dienststelle, wenn es um technische Details bei Lkw-Kontrollen geht. Mit der Taschenlampe in der Hand kriecht er immer wieder tief unter das Fahrzeug, prüft Bremsen, Fahrzeugrahmen, Reifen und Aufbauten. Sprenger kontrolliert derweil, wie voll die Container beladen sind – bei altem Hausmüll ist das wahrlich kein Vergnügen.

Dieser Laster ist zwar alt und unansehnlich, darf aber ohne Beanstandung weiter fahren – viele andere an diesem Tag nicht. Da ist zum Beispiel der Sattelzug eines Schausteller-Unternehmens, der Teile eines Fahrgeschäfts transportiert. Der Fahrer kann zwar eine Genehmigung für seinen Schwertransport vorlegen, doch die gilt für eine Zugmaschine mit drei Achsen – seine hat nur zwei. Eine Überprüfung bestätigt: Mit insgesamt nur fünf statt sechs Achsen ist eine Achse zu stark belastet, die Genehmigung für den Transport gilt damit nicht mehr. Der Auflieger muss in Wildeshausen stehen bleiben, bis die richtige Zugmaschine ihn abholen kann.

Wadim Sartison, der als Jugendlicher aus Russland eingewandert ist, musste zunächst Sprachdefizite aufholen und kam deshalb erst spät zur Polizei. Heute ist seine Herkunft ein Vorteil. Ein russischer Lkw-Fahrer muss erklären, warum zwischen seiner Zugmaschine und dem Auflieger der Stecker für das elektronische Bremssystem fehlt. Mit Sartison kann er sich in seiner Sprache unterhalten.

Die Erklärung, dass ihn eine Fehlfunktion des Systems gestört hat, und er den Stecker deshalb abmontiert hat, löst bei den Beamten Kopfschütteln aus. „Ohne den Stecker bremst der Anhänger immer mit voller Kraft“, sagt Hans-Jürgen Peters-von Varel, und Sartison übersetzt für den überraschten Fahrer. So lange schwere Rollen mit Blech geladen sind, ist das kein Problem, dann braucht der Anhänger immer die volle Bremskraft. „Wenn er abgeladen hat, wird jede Bremsung mit diesem Anhänger gefährlich“, sagt der Profi. Der Russe wird mit seinem Gespann zum TÜV nach Wildeshausen geschickt, dort soll der genaue Fehler gefunden werden. Sartison und Sprenger begleiten ihn.

59 Prozent mit Mängeln

59 Prozent der angehaltenen Fahrzeuge an diesem Tag haben einen Mangel. „Das bedeutet nicht, dass 59 Prozent des Schwerlastverkehrs mit Mängeln auf den Straßen unterwegs sind“, sagt Andreas Rehling, Leiter des Ahlhorner Autobahnpolizeikommissariats. „Unsere Leute haben schon ein Auge dafür, welches Fahrzeug sie sich genauer ansehen sollten.“ Und dieses Auge wird mit jedem Dienstjahr geschult – von manchen Beamten erzählt man sich, dass ihre Erfolgsquote bei 100 Prozent liegt.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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