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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Tschernobyl: „Unsichtbare Bedrohung war unheimlich“

27.04.2011

WARDENBURG Vor 25 Jahren und einem Tag ist es im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zum bislang schwersten Unglück bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie gekommen. Es sollte noch bis zum Abend des 28. Aprils 1986 dauern, bis die sowjetische Nachrichtenagentur TASS das Unglück bestätigte. Wie viele Deutsche traf auch die Wardenburger diese Nachricht völlig überraschend und machte betroffen.

Silke Patzelt (48) erreichte die Nachricht in Tunesien, wo sie damals als 23-jährige ausgebildete Gymnastiklehrerin in einem Ferienclub für kurze Zeit arbeitete. „Ich wollte erst gar nicht wieder nach Hause“, erinnert sie sich. „Vor allem für meine Schwester, die damals kleine Kinder hatte, war das eine schlimme Zeit. Das Gefühl der unsichtbaren Bedrohung war unheimlich.“ Patzelts Vater war bereits vor der Katastrophe als Greenpeace-Anhänger und Umweltschützer ein entschiedener Gegner der Kernkraftwerke gewesen.

Gastronom Gerd Fischbeck (51), der 1985 Küchenchef im Wardenburger Hof geworden war, hat schnell die Folgen des GAUs in der Ukraine gespürt. „Pilze und Wild habe ich sofort von der Karte gestrichen, der Appetit darauf war allen schlagartig vergangen“, sagt er. Wie gefährlich die Kernenergie aber wirklich ist, sei ihm erst jetzt nach Fukushima richtig klar geworden, gibt er zu. „Mit dem Alter nimmt man solche Dinge nicht mehr auf die leichte Schulter.“

Die Landfrauenvorsitzende Waltraut Schmidt (56) weiß noch genau, wie sie sich nachträglich Sorgen machte, weil ihre Kinder kurz nach dem Unglück in Sandkrug im Wald spazieren gegangen waren. „Die Angst, dass die Radioaktivität schneller als gedacht rüberkommt, war einfach da.“ Als Besitzerin eines Gemüsegartens kam die Familie schon ins Grübeln, was man noch essen dürfe. Auf den reifen Rhabarber und das Spielen im Freien mussten die Kinder in Westerburg aber nicht verzichten. „Wir haben uns nicht verrückt machen lassen“, erinnert sich Schmidt.

Walter Kühn (63) lebte vor 1986 mit Frau und vier Kindern ausgerechnet in Kleinensiel, also in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks Unterweser. „Das hat uns damals stark berührt. Bei Regen haben wir unsere Kinder nicht rausgelassen“, sagt er. Weggezogen sind die Kühns aber erst viel später: „Mit dem KKW hatte das nichts zu tun.“

Uta (64) und Heinz Onnen (70) lebten vor 25 Jahren bereits in ihrem Häuschen am Kanal in Südmoslesfehn. „Gerade für junge Familien war die Situation sehr belastend“, hat Uta Onnen gespürt. Aus eigener Anschauung weiß sie aber, dass die Menschen in der Ukraine und Weißrussland noch viel stärker von der Katastrophe betroffen sind und bis heute unter ihren Folgen leiden. Als sich etwa zehn Jahre später die Gelegenheit bot, stiegen die Onnens in die Tschernobyl-Hilfe ein, die weißrussischen Kindern seitdem jedes Jahr einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt in Wardenburg ermöglicht. „Der Begriff ,Restrisiko’ ist viel zu verharmlosend, wenn man die Folgen der Katastrophe für die Menschen betrachtet“, ist Onnen überzeugt.

Ein Vierteljahrhundert nach der Explosion des Reaktorblocks 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl liegen immer noch rund 190 Tonnen radioaktives Material unter dem Betonsarkophag. Die provisorische Schutzhülle, die hochgefährliches Material wie Cäsium, Strontium und Plutonium von der Umwelt abschirmt, zeigt mittlerweile Ermüdungserscheinungen.

Für einen Neubau, der in der Nähe des Reaktors entstehen und auf Schienen über den alten Sarkophag geschoben werden soll, sind 1,6 Milliarden Euro Baukosten veranschlagt. Die EU und weitere Staaten der internationalen Gemeinschaft wollen 550 Millionen Euro beisteuern. Experten fordern, den Brennstoff zu bergen, der sich nach wie vor im Reaktor von Tschernobyl befindet – aber das ist noch aufwendiger und teurer als der Bau einer neuen Ummantelung.

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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