• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Damit die Lebensenergie besser fließt

05.10.2017

Wildeshausen /Dötlingen Morgendliche Qigong-Übungen im Pinienwald, Akupunktur am Patienten und Live-Aufnahmen im chinesischen Fernsehen: Diese Fülle an Erfahrungen prägte die China-Reise der Wildeshauser Privatärztin Dr. Kathrin Huntemann. Die Begeisterung ist der Medizinerin immer noch anzumerken, wenn sie von ihrem dreiwöchigen Aufenthalt im August/September in einer Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Beidaihe, 300 Kilometer südlich von Peking, berichtet.

Seit März 2013 führt die Ärztin ihre eigene Praxis in der Burgstraße 13 in Wildeshausen. Mehr als 500 Patienten aus der Region zwischen Oldenburg und Bremen betreut die Dötlingerin inzwischen. Parallel zu ihrer Arbeit absolvierte die ausgebildete Schulmedizinerin, die sich seit 2011 auch Ärztin für Chinesische Medizin nennen darf, das zweijährige „Kontaktstudium Qigong“ an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg.

Qigong-Übungen gelten – neben Akupunktur, Arzneikräutertherapie, Diätetik und Tuina-Massage – als eine der fünf Säulen der chinesischen Medizin. Die Atem-, Bewegungs- und Meditationsübungen dienen dazu, eine innere Balance herzustellen, was mit dem Gleichgewicht von Yin und Yang beschrieben wird.

Faszination Fernost

„Mich fasziniert besonders das ,Innen nährende Qigong’, das Nei Yang Gong, das ich nun schon seit zwei Jahren bei Prof. Liu Ya Fei in Berlin studiere“, berichtet Huntemann. In den verlängerten Wochenendkursen wuchs ihr Wunsch, die Ur-Stätte des fernöstlichen Wissens aufzusuchen. Also schloss sich Huntemann einer zwölfköpfigen Gruppe von Ärzten an, die zusammen mit 15 Qigong-Lehrern aus ganz Deutschland am Hebei Medical Qigong Hospital hospitierten.

Qigong im Pinienwald

In diesem Krankenhaus, das aus einer Poliklinik und einer Rehabilitationsklinik besteht und mit 863 Betten ein großes Haus ist, werden Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten mittels individueller Qigong-Übungen, Akupunktur, Arzneikräutertherapie sowie Leitbahnmassage und Schröpfen behandelt. Auf dem weitläufigen Gelände befindet sich auch das gesamtchinesische Ausbildungszentrum für Qigong. Aus dem Ausland kommen regelmäßig Gruppen nach Beidaihe.

Huntemanns Tag begann morgens um 6.30 Uhr mit Qigongübungen auf dem Freigelände „am Baum“, wie sie lachend erzählt. Bevor es nach dem warmen Frühstück weiter ging mit Übungen, praktizierten – völlig anders als in Deutschland – alle Klinikmitarbeiter eine Stunde gemeinsam Qigong unter freiem Himmel. Nachmittags schlossen sich Behandlungen am Patienten an. „Besonders spannend waren für alle die Dreharbeiten des Chinesischen Fernsehens, die gerade in diese Zeit fielen“, erzählt Huntemann. Immer entspannt und bei sich zu bleiben, während man zum Beispiel gerade Übungen wie „Der Lotus wiegt sich im Wind“ mit einer Kamera direkt vor dem Gesicht absolviere, sei gar nicht so leicht gewesen.

Ein mitgereister deutscher Übersetzer half bei der gerade anfangs oft holprigen Verständigung. „In den ersten Tagen agierten wir noch sehr schüchtern, aber nachher war die fachliche Diskussion mit den chinesischen Ärzten durchaus auf Augenhöhe“, freut sich die Wildeshauserin. Und noch etwas wurde ihr im fernen China bestätigt: „Mit der TCM können wir vieles erreichen. Sie ist bei Schmerzzuständen oder funktionellen Störungen etabliert und kann bei chronischen Erkrankungen verschiedene Beschwerden lindern.“ Es sei bewegend gewesen zu sehen, wie das subjektive Wohlbefinden auch schwer Erkrankter sich durch regelmäßiges Qigong-Üben bessere.

In Praxis integrieren

Die neuen Erfahrungen – wie zum Beispiel die Kombination von Akupunktur mit Akupressur – wird die Wildeshauserin jetzt in ihre Praxisarbeit integrieren. Auch ihre Qigong-Gruppen, die sie in Dötlingen unterrichtet, dürfen sich auf einige Innovationen freuen.

Es gibt übrigens noch etwas, das in China ganz anders ist als in Deutschland: Jede Klinik hat eine gleichberechtigte TCM-Abteilung. „Davon können wir hier nur träumen, aber wenn ich mir meine Zusammenarbeit mit einigen Haus- und Fachärzten aus der Region anschaue, sind wir auf einem guten Weg“, konstatiert Huntemann, die die TCM ganz bewusst als Ergänzung zur Schulmedizin begreift: „Mitarbeiten und auf sich selbst besinnen muss sich der Patient bei jedem Arzt, der ihn behandelt.“

Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!