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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

„Pieper“ immer in der Tasche

03.02.2018

Wildeshausen Manchmal würden die Kollegen einem noch die Tür aufhalten, „komm heil wieder!“, riefen sie dabei hinterher. Wenn Kathrin Schmidt (31) und Nina Hohendahl (38) gefordert sind, muss es schnell gehen: Die beiden Frauen sind in der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen aktiv. Im Gespräch mit der NWZ geben sie Einblicke in den Feuerwehr-Alltag.

Alles liegen lassen

Dass das Wort „freiwillig“ nicht unter den Tisch fällt, ist den beiden wichtig. „Wir haben alle unsere normalen Jobs“, sagt Hohendahl. Sie arbeitet als Hundetrainerin, Schmidt als Verwaltungsfachwirtin beim Landkreis. Einen „Pieper“, wie die beiden es nennen, haben sie immer bei sich. „Wenn der losgeht, lassen wir alles stehen und liegen“, sagt Hohendahl. „Der Chef ist in dem Moment verpflichtet, uns gehen zu lassen.“ Probleme gebe es dabei nie. „Alle sind sehr verständnisvoll. Ein großer Dank geht an unsere Arbeitgeber und unsere Kollegen. Sie fangen unsere Arbeit auf.“ Beispielsweise seien viele Kameraden bei der Firma Paul Schmidt tätig – diesen und weiteren Firmen sind die Frauen für die Flexibilität dankbar. Der Arbeitgeber bekommt zudem den Verdienstausfall von der Stadt bezahlt, ergänzen sie.

Da meldet sich also der Pieper – und dann? Kommt Hektik auf? Schmidt und Hohendahl wirken bei der Frage entspannt. „Da kommt Routine rein“, sagt Schmidt. Hohendahl lächelt und ergänzt: „Wir sind seit einigen Jahren dabei. Wir sind da relativ entspannt.“ Sie ist seit rund 18, Schmidt seit gut zwölf Jahren dabei.

Bei der Feuerwehr in Rahden (Ostwestfalen) hat Hohendahl angefangen. „Ich war damals die erste Frau in der Feuerwehr. Da steht man schon auf dem Prüfstand und muss ein dickes Fell haben. Man muss einstecken und auch austeilen können.“ Sie mache den gleichen Job wie die Männer, betont sie. Manchmal gebe es für Frauen vom Kraftaufwand her körperliche Einschränkungen, gibt sie zu. „Aber man sollte auf jeden Fall fit sein.“ Das Gefühl, sich gegen ihre männlichen Kameraden behaupten zu müssen, haben die beiden in Wildeshausen nicht. „Da gibt es gar keine Probleme. Wir werden von unseren Kollegen geschätzt.“ Derzeit gibt es sieben aktive Frauen in Wildeshausen. Schmidt ist durch Vater und Bruder zur Feuerwehr gekommen.

Zurück zum Einsatz: Schnell, aber nicht hektisch, begeben sich die beiden Frauen im Ernstfall zur Feuerwehrwache im Krandel. „Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Da habe ich unterwegs manchmal viele rote Ampeln“, sagt Schmidt. In der Wache angekommen, geht es zu den Spinden: Innerhalb von Sekunden ziehen sie sich Hose, Stiefel, Jacke, Handschuhe und Helm an. „Es ist festgelegt, welches Fahrzeug ausrückt. Der Maschinist lenkt, vorne rechts sitzt der Gruppenführer“, erklärt Hohendahl. „Es ist auch vorgeschrieben, wer wo sitzt.“ Der Grund: Für die jeweiligen Posten muss Feuerwehrfrau und -mann entsprechend ausgebildet sein. So teilen sich die Aufgaben unter anderem in Angriffs-, Wasser-, Schlauchtrupp oder Atemschutzgeräteträger. Die jeweilige Ausbildung erhalten sie bei Lehrgängen, die über mehrere Wochen gehen. „Bei der Feuerwehr gibt es sehr viele Aufgaben. Das Spektrum ist sehr umfangreich – und es wird immer mehr“, erklärt Schmidt.

Unerwartete Aufgaben

Am Einsatzort angekommen gilt es, die zugeteilten Aufgaben systematisch abzuarbeiten. Trotzdem kommen immer mal wieder unerwartete Schwierigkeiten dazwischen. So beispielsweise bei einem Pferdestallbrand im Dezember, bei dem die Löschwasserstellen weit entfernt waren – rund 3,5 Kilometer Schläuche mussten damals verlegt werden.

Nach Einsatz reden

Ihr erster größerer Einsatz, erinnert sich Hohendahl, sei der Brand eines Restaurants gewesen. „Da war ich noch sehr aufgeregt.“ Eine Aufregung, die sich mittlerweile gelegt habe. Die realitätsnahen Feuerwehrübungen einmal im Jahr würden dabei helfen. Das Adrenalin schieße den beiden Frauen ins Blut, wenn sie nachts aus dem Bett geklingelt würden.

„Danach einfach wieder ins Bett gehen ist nicht so einfach“, sind sie sich einig. Durch Autounfälle, bei denen Personen eingeklemmt sind, sehen sie Bilder, die im Kopf bleiben. Für solche Fälle gibt es den Gemeinschaftsraum in der Feuerwehrwache: Im Kühlschrank stehen Getränke, ein Fernseher und eine Dartscheibe hängen an der Wand. „Meistens sitzen wir dort nach den Einsätzen noch zusammen und reden“, sagt Schmidt. Grundsätzlich gilt: „Ein Feuerwehrmitglied hat immer Anspruch auf einen Notfallseelsorger.“

Was Mann und Frau für die Freiwillige Feuerwehr mitbringen sollte? „Lust auf Technik, Zeit, und die Bereitschaft, auch mal nachts aufzustehen.“ Und eine Familie, die dafür Verständnis hat – auch dafür sind Nina Hohendahl und Kathrin Schmidt dankbar.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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