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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Sicherheit: Polizei kommt Gurtmuffeln auf die Spur

19.03.2019

Wildeshausen Der Streifenwagen, auf dem Parkplatz vor dem Wildeshauser Friedhof postiert, fällt nur den wenigsten Verkehrsteilnehmern auf. Es regnet Katzen und Hunde an diesem Morgen. Die beiden Polizeikommissarinnen Mirja Budde und Sara Menholz beobachten konzentriert die Fahrzeuge auf der Visbeker Straße. Im Radio trällert Nico Santos „Safe“. Verkehrssünder? Noch Fehlanzeige.

Plötzlich gibt Mirja Budde Gas, zieht mit dem Streifenwagen in den Verkehr. „Der war nicht angeschnallt“, ruft sie. Die Kollegin auf dem Beifahrersitz nickt. Die beiden Polizistinnen folgen einem grauen Van. Über Sprechfunk informieren sie die Kollegen. Die Fahrt führt über die Goldenstedter Straße, durch Wohngebiete, vorbei am Gymnasium in der Humboldtstraße. In der Schillerstraße hält der Fahrer des Vans endlich an. Die Polizistinnen setzen den Streifenwagen daneben und steigen aus.

Der Fahrer des Vans, ein Mann Anfang 50, gibt sich ahnungslos. Er habe den Streifenwagen zunächst nicht im Rückspiegel bemerkt. Dann erfährt er den eigentlichen Grund der Kontrolle: Sein 17-jähriger Sohn auf dem Beifahrersitz ist nicht angeschnallt. Der Autofahrer flüchtet sich erst gar nicht in Ausreden. Er räumt das Vergehen ein und zahlt per EC-Karte das Verwarngeld in Höhe von 30 Euro. „Er war sofort einsichtig“, berichtet Menholz anschließend, „das haben wir nicht immer.“ In jedem Fall war der Mann recht wütend auf den 17-jährigen Sohn, der selbst fürs Anschnallen verantwortlich ist. Ihm drohe vermutlich eine Taschengeldkürzung, so die Polizistinnen.

Erfassung per Handy

Kaum haben sie den Parkplatz an der Schillerstraße verlassen, kommt ihnen ein blau-grauer BMW entgegen. Auf dem Rücksitz eine nicht angeschnallte Schülerin. Mirja Budde wendet den Einsatzwagen. Auf dem Parkplatz an der Pestruper Straße sprechen die Beamtinnen den Fahrer an. Er bestreitet das Vergehen: „Meine Tochter ist immer angeschnallt!“ Das Verwarngeld will er nicht bezahlen; überhaupt mag er keine Kontrollen von deutschen Behördenvertretern. Die Polizei im Landkreis ist Vorreiterin bei der Erfassung von Verkehrsverstößen per Smartphone. Über den „elektronischen Datenermittlungsbeleg“ (EDEB) gehen die Daten an die Kreisverkehrsbehörde. Sie schickt dem Fahrer nun einen Anhörungsbogen.

Mirja Budde und Sara Menholz sind im Rahmen des europaweiten Polizei-Netzwerks TIS­POL („Traffic Information System Police“) unterwegs. Eine Woche lang beteiligt sich die Polizeidirektion Oldenburg an den Schwerpunktkontrollen zum Thema „Rückhaltesysteme“. Vor allem vor Schulen und Kindergärten sind die Beamten unterwegs. „Das Nichtanlegen von Sicherheitsgurten ist auch heute noch eine der häufigsten Ursachen, warum Verkehrsunfälle einen tödlichen Ausgang haben“, sagt Polizeisprecher Albert Seegers. „Neben den Fahrzeugführern selbst sind es gerade die Kinder, die bei einem Autounfall ein deutlich höheres Risiko haben, schwere bis tödliche Verletzungen zu erleiden.“ Neben der Ahndung der Ordnungswidrigkeiten stehe der präventive Charakter im Vordergrund.

Die Bilanz: Im Landkreis Oldenburg kontrollierten die Beamten zwischen dem 11. und 17. März 402 Fahrzeuge. 52 erwachsene Personen und elf Kinder hatten den Sicherheitsgurt nicht angelegt. Die Beamten der Autobahnpolizei Ahlhorn prüften 263 Fahrzeuge und ahndeten 41 Verstöße. Dabei waren 37 Erwachsene und vier Kinder ungesichert. Im gesamten Bereich der Polizeiinspektion wurden 198 Verstöße festgestellt; in 24 Fällen waren Kinder nicht ausreichend gesichert.

Mutter bedankt sich

Der präventive Charakter der Aktion wird vor allem bei einer Überprüfung deutlich: Auf einem Parkplatz vor der Wallschule stoppen Budde und Menholz eine Mutter mit ihrer neunjährigen Tochter. Das Mädchen, den rosa Ranzen auf dem Rücken, sitzt auf der Rückbank weder im Kindersitz, noch ist sie angeschnallt. Es drohen 60 Euro Verwarngeld und ein Punkt in Flensburg. Aber die Mutter bedankt sich bei den Beamtinnen. Sie werde nun mehr Obacht geben. Im Gesicht der Neunjährigen ist der Respekt vor den Polizistinnen zu sehen. Ruhig erklärt Budde, wie gefährlich es ohne Gurt sein kann. Das Mädchen verspricht, künftig nur noch angeschnallt mitzufahren.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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