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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Blaulicht

Serie: „Wir machen die Jungs wieder sauber“

26.08.2016

Bergedorf Was ist zu tun, wenn in einem Industriebetrieb versehentlich ein hochgiftiger Chemikaliencocktail zusammengemixt wurde und Mitarbeiter nach Luft ringen? Oder wenn nach einem Autobahnunfall bei einem Lkw ein unbekannter Stoff ausläuft und dem Fahrer plötzlich die eigenen Schuhsohlen wegschmelzen? Keine Frage: Die Szenarien, auf die sich der Gefahrgutzug des Landkreises Oldenburg vorbereitet, könnten auch aus einem Horror-Film stammen. Stationiert ist der von Bernd Lembke geleitete Zug in Ganderkesee. Für die Dekontamination ist die Feuerwehr Bergedorf zuständig.

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bergedorf begann am 1. Oktober 1942, also mitten im Zweiten Weltkrieg, als Bernhard Schütte zusammen mit 15 Freiwilligen eine erste Löschgruppe bildete. Während der Kriegsjahre musste die Wehr sich bei der Brandbekämpfung mit Eimerketten und einer Handhebelspritze behelfen.

Am 20. Juni 1945, also kurz nach Kriegsende, wurde die Wehr durch Georg von Seggern neu aufgebaut. Ein Anhänger und eine Motorpumpe sowie (ab 1947) auch ein Feuerwehrwagen standen den jetzt 22 Männern zur Verfügung.

Am 23. Juni 1973 feierte die Ortsfeuerwehr die Einweihung eines neues Feuerwehrgerätehauses. 2007/08 wurde das Gebäude durch einen Anbau erweitert.

Ortsbrandmeister in Bergedorf waren Bernhard Schütte (1942 bis 1945), Georg von Seggern (1945 bis 1956), Georg Schütte (1956 bis 1971), Heinrich von Seggern (1971 bis 1981), Wolfgang Geerken (1981 bis 2005), Klaus Fiedler (2005 bis 2011). Im März 2011 übernahm Jens Schröder das Amt, sein Stellvertreter ist Heino Stöver.

Heute hat die Freiwillige Feuerwehr Bergedorf 61 aktive und 26 passive Mitglieder, davon neun Frauen (die ersten weiblichen Mitglieder waren 2001 aufgenommen worden). Für ihre Einsätze stehen der Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 und ein Tanklöschfahrzeug 16/24 zur Verfügung. 2010 übernahm die Ortsfeuerwehr die (zuvor in Ahlhorn angesiedelte) Sparte Dekon im Gefahrguteinsatz des Landkreises Oldenburg.

Die Einsätze der Spezialisten in ihren grünen, grauen oder orangefarbenen Schutzanzügen sind – zum Glück – selten. „Im Schnitt ein- oder zweimal im Jahr“ würden sie alarmiert, schätzt Bergedorfs Ortsbrandmeister Jens Schröder. „Typisch“ sei vielleicht der Verkehrsunfall mit Gefahrgut: „Ein Lkw schlägt Leck, ein Stoff tritt aus, der Fahrer versucht das Problem selber zu lösen – und ist am Ende voll mit dem Stoff, den er transportieren soll.“

Am häufigsten gehe es da um Petrochemikalien, „wohl zu 80 Prozent“. Die „30“ zum Beispiel stehe auf der orangefarbenen Warntafel am Gefahrgut-Lkw für Heizöl und Diesel, die „33“ für Benzin. Seltener seien ätzende oder gasförmige Substanzen. Gerade Letztere seien für die Einsatzkräfte „ein echtes Problem“. Aber: „Es ist alles auf seine Art gefährlich.“

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Wenn in einer solchen Situation die Helfer von der Feuerwehr eintreffen, dann gilt erstmal „GAMS“. Die Formel steht für die Reihenfolge beim Helfen: Gefahren erkennen, Absperren („meisten 50 Meter, bei größeren Gefahren 300“), Menschenrettung, Spezialkräfte nachfordern“.

Spezialkräfte, das sind zum Beispiel die „CSA-Träger“, also Feuerwehrleute in ihren grünen Chemie-Schutzanzügen. Die seien unter anderem mit schwerem Atemschutz und Messgeräten ausgerüstet, erklärt Ganderkesees Ortsbrandmeister Axel Hollmann. Zwölf Aktive in seiner Ortsfeuerwehr sind „CSA-Träger“.

Während die grünen CSA-Träger direkt am Unfallort die Lage erkunden und Vorkehrungen zur Gefahrenabwehr treffen, kümmern sich andere Spezialkräfte um die Dekontamination – nämlich die aus Bergedorf um Gruppenführer Holger Buurmann und Heiner Meyer. „Wir machen die Jungs wieder sauber“, flachst Ortsbrandmeister Schröder.

Was das heißt: Die Bergedorfer bauen einen Dekon-Platz auf. Vier Stationen hat dieser Platz: angefangen von einer Vorwäsche in einer dreimal zwei Meter großen Wanne über eine Dusche mit kaltem Wasser und eine Nachkontrolle bis hin zum Entkleiden.

Logisch, dass sich auch die Bergedorfer selbst schützen müssen. Auch sie tragen schweren Atemschutz und Schutzkleidung. 16 Mitglieder der Ortsfeuerwehr könnten die Aufgaben im Schutzanzug übernehmen, sagt der Ortsbrandmeister. Fast alle hätten neben der Atemschutzausbildung eine Weiterbildung über gefährliche Stoffe absolviert.

Ganz obenan steht bei der aufwendigen Prozedur, „dass wir die eigenen Kräfte schützen“, betont Schröder. Sie zu gefährden, „das wäre das Schlimmste“. Die Dekontamination sei „schon eine verantwortungsvolle Aufgabe“, ist sich der Ortsbrandmeister sicher. Und: „Wir sind da sehr gut aufgestellt.“

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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