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Bahndeponie in Bookholzberg Anwohnerin erreicht Stopp von Mäharbeiten

Bookholzberg - Hartnäckigkeit zahlt sich manchmal aus: Auf der ehemaligen Bahndeponie in Bookholzberg wurden am Mittwoch die Mäharbeiten gestoppt, nachdem sich Anwohnerin Tatjana Seling beschwert hatte. Bereits vor einem Jahr hatte sie kritisiert, dass die Pflegearbeiten in der Brut- und Setzzeit ausgeführt werden (die Ð berichtete).

Kritik an Zeitpunkt

Am Dienstag schaltete Tatjana Seling die Polizei, den Nabu Ganderkesee und auch den zuständigen Mitarbeiter der Deutschen Bahn ein, als sie beobachtete, dass Mitarbeiter einer Fachfirma auf der Deponie mit dem Mähen begonnen hatten. Schon im vergangenen Jahr hatte sich die Anwohnerin dafür eingesetzt, dass mit den Arbeiten bis nach der Brut- und Setzzeit am 15. Juli gewartet wird. Tatjana Seling aus Rethorn berichtet von Vögeln, die sie auf dem Areal beobachtet hat: „Das Gelände ist ein Traum für Tiere“, sagte sie. Am schönsten wäre es aus ihrer Sicht, wenn die Fläche komplett der Natur überlassen werden könnte.

Deponie wurde rund 40 Jahre genutzt

Die Bahndeponie in Bookholzberg ist rund 33 Hektar groß. Zehn Jahre dauerte die Sanierung der Altlast, die 2017 abgeschlossen wurde. Rund 22 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn in die Rekultivierung der Deponie investiert.

Von 1946 bis 1988 wurde die Deponie zum Ablagern von zum Teil giftbelastetem Bauschutt und Schotter genutzt, auch andere Abfälle gelangten auf die Fläche. 1990 erfolgte schließlich die Stilllegung. Ende der 90er Jahre wurde die Abdichtung angeordnet, um ein Ausspülen von Giftstoffen ins Grundwasser zu verhindern.

Die Bahn ist 30 Jahre lang für die Nachsorge verantwortlich. Zweimal jährlich erfolgen Messungen der Grundwasserqualität rund um das Areal.

„Wir stoppen das“, bestätigte Helge Richter, Deponieverantwortlicher im Altlasten- und Entsorgungsmanagement der Deutschen Bahn AG in Leipzig. Die Mäharbeiten sollen nun auf den Sommer verschoben werden. Schon im letzten Jahr sei das nach einem Hinweis geplant gewesen. Da eine Bahn-Tochter den Auftrag für das Mähen habe, sei diese Information aber offenbar verloren gegangen, erläuterte Richter. Der Referent der Deutschen Bahn will nun prüfen, ob es ausreicht, das Gelände nur einmal im Jahr zu mähen: „Eventuell muss dann im Herbst gar nicht mehr gemäht werden.“

Arbeiten im Sommer

Das Grün auf dem riesigen Areal einfach wachsen zu lassen, ist allerdings nicht möglich. Im Nachsorge-Plan für die ehemalige Deponie ist laut Richter vorgesehen, dass die Fläche im Frühjahr und Herbst gemäht werden muss. „Es darf dort keine Verbuschung und Waldbildung geben.“ Lediglich auf den eigens angelegten Wallhecken dürfe sich Strauchbewuchs entwickeln. Mit der regelmäßigen Grünpflege soll verhindert werden, dass tiefwurzelnde Pflanzen die Abdichtung der Deponie zerstören. Der Mitarbeiter der Bahn will nun das Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg als zuständige Behörde über die Verschiebung der Mäharbeiten informieren.

Nabu eingeschaltet

Auch der Nabu-Vorsitzende Hans Fingerhut hat mit dem Referenten gesprochen. „Die Brut- und Setzzeit sollte beachtet werden“, sagte er. Dass sich auf dem Areal in Bookholzberg tatsächlich Rebhühner angesiedelt haben, wie ihm mitgeteilt wurde, glaubt Fingerhut allerdings nicht. „Rebhühner sind sehr scheu. Dass sie dort brüten, wage ich zu bezweifeln.“ Stattdessen handele es sich um Fasane.

Aufschluss über den Bestand an Vögeln und Niederwild auf der bewachsenen Bahndeponie könnte laut Fingerhut eine Kartierung bieten. Der Nabu würde es begrüßen, wenn Mitglieder Zugang zu dem eingezäunten Gelände erhalten würden, sagte der Vorsitzende. „Wir würden der Bahn gerne hilfreich zur Seite stehen und dort eine Kartierung machen.“ Allerdings könne es lange dauern, bis sich die Natur ein solches Gelände zurückhole.

Antje Rickmeier
Antje Rickmeier Redaktion Ganderkesee
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