Bookholzberg - Eigentlich sind Tablet und Handy tabu, wenn die Moorfüxe beisammen sind. Das haben die acht bis 14 Jahre alten Mitglieder des Bookholzberger Pfadfinderstamms selbst einmal so beschlossen. Doch in der Corona-Krise ist eben manches anders. Beim derzeit stattfindenden Himmelfahrtslager, an dem jährlich 600 bis 700 Pfadfinder aus ganz Niedersachsen teilnehmen, sind neue Medien nicht wegzudenken: Gemeinschaft findet jetzt im virtuellen Raum statt.
Statt im Himmelfahrtslager in Hameln zeltet jeder Moorfux im eigenen Garten, auf dem Dachboden oder auf dem Balkon – maximal zusammen mit Eltern und Geschwistern. Reale Kontakte beschränken sich, coronaregelkonform, auf Besuche einer Familie bei einer anderen. Auf alle gewohnten Rituale verzichten müssen die Pfadfinder dennoch nicht: Täglich um 10 Uhr, wenn im Lager das Treffen im Großzelt anstünde, läuft auf einem eigens eingerichteten Youtube-Kanal eine Andacht der Landesjugendleitung. Auch einen Austausch zwischen den niedersächsischen Pfadfindern gibt es – nur nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern im Chat.
22 der 25 Moorfüxe beteiligen sich am besonderen Himmelfahrtslager – darunter die komplette Familie von Steffen Schwamb, einem der Leiter des Bookholzberger Pfadfinderstamms. Statt in ihrem Wohnhaus am Wachtelweg leben Steffen, Melina, Philipp und Amelie Schwamb für vier Tage im Garten. Kaffee gekocht wird überm Lagerfeuer, geschlafen im Zelt. Einzig den Luxus der Badezimmernutzung leisten sich die vier.
Tägliche „Challenge“
Auch gegenüber im Garten von Familie Wille steht ein Zelt mit einer Kette aus drei Moorfüxe-Wimpeln daran. Diese hatte jeder Lagerteilnehmer – in Anlehnung an den offiziellen Stammeswimpel, von dem es aber nur ein einziges Exemplar gibt – für seinen Außenposten selbst gestalten und als Foto digital an die Landesjugendleitung in Hannover senden müssen. Diese Aufgabe stellte gleich am Donnerstag die „Challenge des Tages“ dar. Nur wer am Ende drei dieser täglichen Herausforderungen absolviert und mindestens zwei Nächte im Schlafsack geschlafen hat, erhält die begehrte Schulterschlaufe des Himmelfahrtslagers.
Pfadfinder in Corona-Zeiten zu sein, erfordert Kreativität – aber genau das, nämlich lösungsorientiertes Denken zu erlernen, mache die Pfadfinderarbeit aus, erklärt Ralf Eigenbrodt, ebenfalls Leiter der Moorfüxe. „Wir finden einen Weg“, beschreibt er das Selbstverständnis der Bewegung. Und dazu gehöre in dieser Zeit, auch bereit zu sein, das digitale Element zu integrieren.
Lange keine Treffen mehr
Das letzte reguläre Treffen der Moorfüxe an ihrem Versammlungsort im Moor war im Februar. Ende Januar hatten sie noch zwei Übernachtungen in der Jagdhütte im Hasbruch. Alle weiteren Aktivitäten fielen dann der Pandemie zum Opfer. „Wir hoffen, dass es nach der nächsten Lockerung wieder losgehen kann“, sagt Steffen Schwamb. Ralf Eigenbrodt ergänzt: „Sich nicht austauschen zu können, fehlt den Kindern. Sie müssen einander begegnen.“
Ihre für Juni geplante Kanutour haben die Moorfüxe so gut wie abgeschrieben, doch sie hoffen, ihr Lager im Spätsommer am Falkensteinsee abhalten zu dürfen. Dann wird der Bookholzberger Stamm Gastgeber des Treffens mit befreundeten Pfadfindern aus Hude, Wennigsen und Braunschweig sein.
Bis es soweit ist, stehen für die Acht- bis 14-Jährigen Im Himmelfahrtslager noch allerlei Challenges an – natürlich digitaler Art: Als Nächstes sollen sie einen Film über das besondere Himmelfahrtslager konzipieren und produzieren.
