Bookholzberg/Gambia - Sobald er die Impfungen gegen das Coronavirus erhalten hat, will Christian Göken wieder los: Fast genau ein Jahr ist es her, dass der Bookholzberger zuletzt in „seiner“ Gesundheitsstation im gambischen Dorf Buniadu war, um nach dem Rechten zu schauen. Dann breitete sich die Pandemie immer weiter aus.
Göken ist Vorsitzender des Vereins Riverboat Doctors International (RDI), der nicht nur seit 2007 das „Health Center“ betreibt, sondern 2017 auch die Leitung des benachbarten Kindergartens mit Vorschule übernahm. Etwa 30 000 bis 35 000 Euro im Jahr muss der Verein, der vor Ort mit der ebenfalls deutschen Projekthilfe Gambia zusammenarbeitet, in jedem Jahr aufbringen, um beide Einrichtungen zu unterhalten. Normalerweise geschieht das vor allem über Benefiz-Aktionen – doch die sind seit einem Jahr nicht mehr möglich.
Keine Freiwilligendienste
Gestoppt ist auch die Entsendung von Freiwilligen, die für eine Zeit vor Ort mithelfen. „Das wäre jetzt einfach zu riskant. In Gambia wäre im Notfall nicht die gleiche medizinische Versorgung möglich wie hier“, erklärt Göken.
Ende 2020 sei es finanziell eng geworden, so der Vereinsvorsitzende. Zwar hätten alle der rund 80 Mitglieder dem Verein in der Corona-Zeit die Treue gehalten, doch mehrere regelmäßige Spender seien abgesprungen – etwa deshalb, weil sie sich selbst in Kurzarbeit befanden. Dank Spenden der Mitglieder konnte die zum Jahresende drohende Schließung der Station abgewendet werden.
Unterdessen ist das Aufkommen an Sachspenden für den nächsten Hilfstransport nach Gambia groß: „Unser Lager, das uns das Berufsförderungswerk im ehemaligen Spieldorf zur Verfügung stellt, ist brechend voll“, berichtet Göken. Unter anderem hätten die neuen Eigentümer des Jugendhofs Steinkimmen Büro- und Schulmöbel gespendet. Auch Kücheneinrichtung, die in Afrika im Labor zum Einsatz kommen könnte, steht in Steinkimmen noch bereit. Doch dafür fehle derzeit der Lagerplatz, so Göken.
Hilfstransport unmöglich
Eine Container-Beladung, für die mehrere Helfer zusammenkommen müssten, ist derzeit noch nicht möglich. Und auch in Gambia bestimmt das Abstandsgebot das Tagesgeschäft. Zwar seien die Corona-Fallzahlen dort nicht sehr hoch, berichtet Göken. Doch das liege vor allem daran, dass nur in der Hauptstadt überhaupt auf das Virus getestet werde.
Über eine bestimmte Art von Spenden für den nächsten Überseecontainer mit Hilfsgütern freut sich der RDI-Vorsitzende dennoch: „Wir benötigen vor allem medizinisches Zubehör wie Rollstühle und EKG- oder Beatmungsgeräte.“
