Bookholzberg/Gambia - Die Corona-Pandemie verschont auch die Menschen in Afrika nicht. Wie ein Widerspruch scheint es darum, dass es gerade jetzt in der Gesundheitsstation im gambischen Buniadu, die der Verein Riverboat Doctors unterhält, recht ruhig zugeht. „Die Patientenzahlen schwanken zwischen 50 und 60 Prozent der Summe im Vergleich zu 2019“, benennt Christian Göken, Vorsitzender des Vereins aus Bookholzberg, den Rückgang in dem Health Center das mithilfe der Partnerorganisation „Project Aid The Gambia“ betrieben wird.
Angst vor Corona
Gründe dafür sind laut Göken leider weder eine Verbesserung des Gesundheitszustands der Bevölkerung, noch mache die Pandemie einen Bogen um Westafrika. „Das liegt wohl eher an einer Kombination aus Angst vor Corona und der seit März in Gambia eingeführten Medikamentengebühr“, mutmaßt er.
Wie schlimm das Coronavirus in der Region tatsächlich wütet, sei weiterhin nicht bekannt. Göken: „Es gibt in Buniadu keine registrierten Corona-Fälle, das heißt aber nichts. Nur in der Hauptstadt kann nämlich auf das Virus getestet werden, der Weg dorthin ist sehr beschwerlich.“ So werde erst gar nicht getestet, wenn jemand Symptome zeige.
Messbar schwer wirkt sich die Pandemie auf die Wirtschaft aus – unter anderem durch steigende Arbeitslosigkeit. „Die Region lebt vom Tourismus, die Gäste bleiben aus, zuletzt waren es nur noch 20 Prozent des früheren Aufkommens, darum gab es viele Entlassungen“, erläutert Göken.
Weil das private Health Center Medikamente nicht mehr kostenlos ausgebe, steuerten nun viele Patienten die öffentlichen Gesundheitsstationen in ihrer Region an – am Ende ein Nachteil für sie: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Leute darauf eingestellt haben, dass es in unseren Projekten durch den Festpreis für Medikamente für sie günstiger ist und diese Medikamente auch vorrätig sind.“ In staatlichen Einrichtungen bekämen sie zwar eine Art Rezept, müssten ihre Arzneien aber in einem Shop selbst einkaufen. „Die Preise dort sind um ein Vielfaches höher“.
Hilfstransporte teurer
Auch der Transport von Hilfsgütern leide unter pandemiebedingten Verwerfungen. Ein im Sommer auf den Weg geschickter Container habe fast doppelt so lange gebraucht. Weitere Hemmnisse seien enorm gestiegene Frachtraten, knappe und teure Baumaterialien vor Ort sowie eine sinkende Spendenbereitschaft in Deutschland – etwa wegen Kurzarbeit infolge der Pandemie.
Christian Göken bleibt trotzdem optimistisch: „Wir hoffen, noch in diesem Jahr einen weiteren Container auf den Weg bringen zu können.“ Benötigt werde neben medizinischem Gerät auch Schulmaterial.
Dabei kann der Verein von der Digitalisierung in Ganderkesee profitieren. „Hier nicht mehr benötigte Tafeln und Möbel können die Schulen vor Ort gut gebrauchen“.
