Bookholzberg - Wenn es um Jugendliche geht, ist häufig von Lerndefiziten und psychischen Problemen als Folge der Corona-Einschränkungen die Rede. Doch nicht alle Jugendlichen haben gleichermaßen unter Homeschooling und dem Mangel an Kontakten gelitten: Es sei immer schwierig, zu pauschalisieren und von „den Jugendlichen“ zu sprechen, sagt Ann-Kathrin Reuter vom Jugendzentrum „Kaffeepott“ in Bookholzberg. „Es geht nicht allen schlecht, einige sind gut klar gekommen, andere nicht.“
Bei den jungen Besuchern und Besucherinnen des „Kaffeepott“ war die Begeisterung groß, als die Jugendhäuser der Gemeinde Ganderkesee vor einigen Wochen wieder öffnen durften: „Oh schön, wir können mal wieder irgendwohin“, hat Ann-Kathrin Reuter häufig gehört. Viele Jugendliche hätten ihre Freunde vermisst und würden die Unterhaltung mit dem Team des „Kaffeepott“ suchen, sagt die Teamleiterin, die das Jugendzentrum gemeinsam mit Hannes Drygala leitet. Corona ist in den Gesprächen allerdings kein Thema: „Sie kommen hierher, um eine Auszeit davon zu haben.“
Nach Einschätzung von Ann-Kathrin Reuter haben die sozialen Kontakte vielen heranwachsenden Mädchen und Jungen besonders gefehlt. Sie seien in diesem Alter besonders wichtig, erläutert die 31-Jährige. Vieles müsse in der nächsten Zeit noch aufgearbeitet werden.
Deshalb ist es aus ihrer Sicht sinnvoll, dass es jetzt nicht nur um verpassten Schulstoff geht: Jugendliche sollten nicht nur aus der Perspektive als Schülerinnen und Schüler wahrgenommen werden. Wichtig sei, dass sie ihr Leben nachholen könnten: „Dass sie Unbeschwertheit erleben und die Lockerungen genießen dürfen.“ Es könne nicht nur darum gehen, Schulstoff aufzuholen.
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Jugendzentren haben ein offenes Ohr und achten darauf, ob die Jugendlichen Gesprächsbedarf haben. „Wir versuchen zu hören, was jeder gerade mitbringt.“ Dabei werde geschaut, was den Einzelnen guttun könnte – etwa ein spontanes Kickerturnier oder ein Gespräch bei der Arbeit in der Werkstatt. Auch auf die Corona-Hygieneregeln wird geachtet. Zwar gibt es keine Obergrenze bei den Besucherzahlen, doch die Mitarbeitenden haben im Blick, dass es nicht zu voll wird.
