BOOKHOLZBERG - BOOKHOLZBERG - Hilde Steege erinnert sich noch genau: „Wir haben das Volk gespielt. Ich war ein kleines Mädchen und musste dreimal wöchentlich auftreten. Mein Kostüm war ein langes Kleid aus Leinen“.

Wie zahlreiche andere Geschichtsinteressierte informierte sich die rüstige Dame am Sonnabend auf dem Gelände des Berufsförderungswerkes in Bookholzberg im Rahmen eines Studientages über die von den Nationalsozialisten erbaute „Niederdeutsche Kultstätte Stedingsehre“. Hilde Steege war die einzige Zeitzeugin unter den Besuchern, die sich nach einem Vortrag über die geschichtlichen Hintergründe von „Stedingsehre“ von Dr. Gerhard Kaldewei, Direktor des Stadtmuseums Delmenhorst, auf den Weg durch das Spieldorf machten.

Unter der kundigen Anleitung der Gästeführerinnen Inge Meyer und Anne-Grete Grummer besichtigten die Teilnehmer das Gästehaus, warfen einen Blick in die einzelnen Bauernhäuser und betrachteten die leeren Tribünen, die mittlerweile von Schafen abgeweidet werden. Noch immer ist eine besondere Atmosphäre zu spüren, die nicht zuletzt von der imposanten Kulisse der reetgedeckten Bauernhäuser herrührt. Verwundert zeigten sich die Besucher über die penible Ausgestaltung der so genannten „Kulissen“. Der Grund hierfür ist, dass es schon früh Pläne gab, Stedingsehre in eine „NS-Gauschulungsburg“ umzuwandeln. Tatsächlich wurden seit 1938 Ortsgruppen- und Kreisamtsleiter sowie Gaustabsmitglieder in Lehrgängen geschult.

„Was aber tun mit Stedingsehre?“, lautete der Grundtenor der abschließenden Podiumsdiskussion aller Studientagsteilnehmer. Gemeinsam mit Gerhard Kaldewei, dem Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, Michael Brandt, VHS-Leiter Rolf Schütze und bfw-Leiter Norbert Raasch überlegten die Besucher Zukunftsperspektiven für „Stedingsehre“. Besonders positiv aufgenommen wurde der Vorschlag, ein Dokumentationszentrum mit einem pädagogischen Programm einzurichten, das sich mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzt.