Bookhorn - Sie sollen nicht mehr sterben, die männlichen Küken, deren Schwestern der Geflügelwirtschaft als Eierlieferantinnen dienen. Bislang sind die „Bruderhähne“ der Legehennen aus wirtschaftlichen Gründen aussortiert, getötet und an andere Tiere verfüttert worden – etwa in Zoos.
Landwirt ganz früh dabei
Noch vor dem gesetzlich geregelten Ausstieg aus der Kükentötung zum 1. Januar 2022 setzt der Hof Schwarting in Bookhorn auf die Aufzucht der „Bruderhähne“. Warum, haben Arnd Schwarting und seine Frau Kathleen Kalinke-Schwarting zusammen mit Dieter Oltmann (Geschäftsführer Niedersächsische Geflügelwirtschaft) und Franz Josef Buske (Projektmanager Ems-Vechte) auf ihrer Stallung erläutert.
„Männliche Nachkommen der Legehennen-Züchtungen setzen weniger Fleisch an und eignen sich nicht als Brathähnchen“, beschrieb Oltmann das Grundproblem. Für Mäster wie die Schwartings, die bislang auf Hähnchen gesetzt haben, bliebe so kaum ein Erlös.
„Das ist jetzt anders“, betonte Buske. Statt eines bisherigen Kilopreises für schlachtreife Hähnchen sprach er von einem „Aufzuchtlohn“ über eine Querfinanzierung durch leicht erhöhte Eierpreise. Das konkretisierte Schwarting: „Wir sind Dienstleister für die Branche, damit für die Eierproduktion keine männlichen Küken mehr sterben müssen.“
Verbraucher werden sich das Mehr an Tierwohl leisten können: „Wir rechnen mit einem bis eineinhalb Cent Aufschlag je Ei “, so Buske. Für die „Bruderhähne“ bedeutet das jedoch ein mindestens um 100 Tage längeres Leben. Verwertet wird ihr Fleisch dann in Wurst oder als Hühnerfrikassee.
Langweilig soll es den Brüdern in den Schwartingschen Stallungen nicht werden. Die je Stall bis zu 42 000 Hähne haben genügend Platz, dazu Picksteine und Luzerne für den Zeitvertreib. Den Stall können sie von Sitzstangenkonstruktionen überblicken.
Sich als Geflügelproduzent für das Ende der Kükentötung zu engagieren, hat für Schwarting auch ökonomische Gründe gehabt: „In der Corona-Pandemie ist über Nacht ein großer Teil des Markts für Hähnchen weggebrochen“, sagte der Landwirt. Dazu Oltmann: „Der Lebensmittel-Einzelhandel ist zu 45 bis 50 Prozent am Markt, den Rest beziehen Großverbraucher wie Industrie, Hotels, Gastronomie oder Wochenmärkte.“ Das Einbrechen dieses Teils führte zu einem erheblichen Preisverfall.
Geschlecht früh erkennen
Die Bruderhahnaufzucht, meinte Oltmann, werde nur eine Übergangslösung sein. Die Alternative könnte eine Umstellung auf Zweinutzungsgeflügelarten sein, Hühner, die sowohl ausreichend Fleisch als auch Eier lieferten.
Auch die automatische Geschlechtsbestimmung im Ei schreite voran. Laut Gesetz muss die ab 1. Januar 2024 schon bis zum 6. Bruttag erfolgen. Es gibt noch eine Lösung, in der EU wird sie sich aber kaum durchsetzen: „Das Geschlecht kann auch über die DNA bestimmt werden, in Israel hat man schon die Genschere eingesetzt.“
