Brüning - Gute zwei Wochen ist die Aussaat auf dem Maisfeld von Ronald Bredendiek her. Seitdem gab es ordentlich Sonnenschein, auch Regen – ob da schon etwas sprießt? Tatsächlich ist der Acker grün, allerdings nicht vor Mais: Eine bunte Mischung aus Unkräutern, Zwischenfrüchten und der einen oder anderen Kartoffel aus dem Vorjahr macht sich hier gerade breit.
„Wir müssen jetzt feststellen, welche Pflanzenarten auf dem Feld wachsen“, erklärt Ole Klann. Der Pflanzenbauberater aus Oldenburg hilft Landwirten in der ganzen Region beim Schutz ihrer Feldfrüchte. Schwere Geschütze müssen dabei nicht zwingend aufgefahren werden, aber: „Das Unkraut muss weg.“ Nicht zwingend alles sofort, aber es stelle eine Konkurrenz dar, die dem Mais Licht, Wasser und Nährstoffe im Boden streitig macht. Davon abgesehen sei Mais aber wenig pflegebedürftig – Pflanzenschutzmittel müssten nur ein bis zwei Mal im Jahr angewendet werden.
Das dominanteste Gewächs auf dem Acker ist derzeit Ölrettich. „Der ist im milden Winter nicht verfroren“, so Landwirt Ronald Bredendiek. Ihren Zweck – Bewahrung von Feuchtigkeit, Lockerung des Bodens und Schutz vor Erosion – hat die Zwischenfrucht nun erfüllt und muss weichen, damit die wenige Zentimeter großen Maissprösslinge ungestört wachsen können.
Ole Klann zählt aber noch andere Kräuter auf dem Acker: Schwarzer Nachtschatten, Kamille, Disteln, Weißer Gänsefuß oder Knöterich. Weiterhin findet er Kartoffeln und auch Getreide aus vorherigen Jahren. „Diese Pflanzen dürfen jetzt nicht zu groß werden“, weiß er. Zur Bekämpfung des Unkrauts stehen chemische oder mechanische Lösungen zur Wahl.
Welches Mittel am besten geeignet ist, hängt von vielen örtlichen Faktoren ab, die der Fachmann abwägen muss: Temperatur, Niederschlag, Besonderheiten des Bodens, die Fruchtfolge des Ackers, die Zusammensetzung von Pflanzenschutzmitteln und vieles mehr. Klann: „Die Situation auf dem Acker ist jedes Jahr anders.“ Ein immer gleiches Standard-Schutzprogramm gebe es nicht.
Bei Herbiziden, also chemischen Mitteln zur Bekämpfung von Unkraut, sei grundsätzlich Vorsicht geboten. „Wir müssen die Pflanzenschutzpalette stets an den Acker anpassen“, so der Berater. Für den Mais sei jede Herbizid-Anwendung auch ein kleiner Schock. Um Resistenzen vorzubeugen, wechsele die Zusammensetzung jährlich.
Bei der Ausbringung müssen Abstände zu Gewässern, Wind und vieles mehr berücksichtigt werden. „Die Leute wundern sich, wenn Landwirte abends oder nachts auf dem Feld spritzen, aber das hat nichts mit Verheimlichung zu tun, sondern damit, dass es dann oft windstill ist“, erklärt Bredendiek.
Alternativ zur Chemie gibt es auch mechanische Geräte zur Beseitigung von Unkraut. Klann: „Je nachdem was auf dem Acker wächst, kann der Einsatz einer Hacke vorteilhaft sein. Vor allem bei kleinen Kräutern.“ Ein Nachteil dabei ist jedoch die Gefahr für Tiere wie Bodenbrüter. „Kiebitze zum Beispiel suchen für ihre Nester gezielt freie Flächen. Eine Hacke zerstört diese, für die Eier sind Pflanzenschutzmittel dagegen nicht schädlich“, führt Bredendiek aus.
Das wohl bekannteste Pflanzenschutzmittel kommt auf diesem Maisfeld übrigens nicht zum Einsatz: „Wir haben hier kein Glyphosat benutzt“, so der Landwirt. „Hätten wir das gemacht, wäre die Fläche frei gewesen.“ Der Kauf von Herbiziden werde auch streng kontrolliert. „Selbst wenn die Leute einen persönlich kennen, schauen die sehr genau nach“, sagt er. Ein Sachkundenachweis ist Pflicht für den Erwerb und die Ausbringung der Substrate, die im Laden so nicht zu kaufen sind.
Ebenfalls wichtig bei der Frage nach dem richtigen Pflanzenschutz ist die Dichte der sprießenden Maispflanzen. Eine Kontrolle auf dem Acker ergibt, dass die automatische Aussaat per Zonenkarte grundsätzlich funktioniert hat. „An dieser Stelle sollten neun Pflanzen pro Quadratmeter stehen, hier sind es jetzt zehn. Das ist aber völlig in Ordnung“, sagt Klann. Kleine Abweichungen seien in der Praxis völlig normal.
Für das Feld kommt jetzt, weil viele Unkräuter bereits zu groß für eine Hacke sind, eine chemische Lösung zum Einsatz. Das Mittel wird sehr stark verdünnt: Pro Hektar kommen 2,5 Liter Pflanzenschutzmittel auf je 300 Liter Wasser. „Es gibt auch Präparate, bei denen nur 15 Gramm pro Hektar nötig sind“, erklärt Bredendiek. Wie gut der Pflanzenschutz gewirkt hat, wird sich dann beim nächsten Besuch auf dem Maisfeld zeigen.
