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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Lkw-Fahrer Im Nordwesten: So dramatisch ist die Situation auf Autobahn-Raststätten

05.04.2019

Brüssel /Berlin /Im Nordwesten Wäsche trocknen zwischen Lkw, kochen auf dem Gaskocher, schlafen in engen Kabinen: Der Arbeitsalltag vieler Fernfahrer in Europa ist belastend. Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) sind Verbesserungen längst überfällig. Stanislava Rupp-Bulling vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ berät Fernfahrer aus Osteuropa auf Rastplätzen rund um Stuttgart zu ihren Rechten. „Es ist beschämend, was man dort sieht“, sagt sie. „Viele Fahrer hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen.“

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Weil sie sich das Essen in den Raststätten nicht leisten könnten, bereiteten viele sich notdürftig ihre Mahlzeiten auf Gaskochern zu, erzählt Rupp-Bulling. Wochen- oder monatelang sähen manche Fahrer ihre Familien nicht. „Sie leben in ihren Lkw-Kabinen.“ Es fehle an Platz auf den Rasthöfen, weshalb Transporter oft auf Seitenstreifen parkten – gefährlich, nicht nur für die Fahrer.

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Noch dazu machten osteuropäische Speditionen regelmäßig die Fahrer dafür verantwortlich, auf die Ladung aufzupassen. Schlügen Diebe zu, werde das vom kärglichen Lohn abgezogen. „Die meisten Fahrer sagen: Ich bin nicht zufrieden mit meiner Situation, aber ich muss es machen, um meine Familie zu ernähren“, sagt Rupp-Bulling.

Situationen, die auch Jürgen Poelmeyer, Senior-Chef der PHL Logistik GmbH mit Sitz in Wardenburg im Landkreis Oldenburg, bestätigen kann. „Zur Zeit ist es dramatisch“, sagt er mit Blick auf die überfüllten Raststätten. „Es gibt keine Ausweichmöglichkeiten, weil befestigte Freiflächen nicht freigegeben werden“, sagt er und macht einen Vorschlag: „Ich bin für Mega-Parkplätze.“ Tagsüber könnten diese von Pendlern genutzt werden, die mit Bussen umweltfreundlich in die Stadt gelangen würden. Nachts könnten die Lkw diese Parkplätze nutzen – gegen Bezahlung. Schließlich müsse es dort einen Wachdienst und sanitäre Anlagen geben.

Diese Parkplätze stellt Poelmeyer auch der Idee entgegen, Fahrer sollten ihre Ruhezeiten in Hotels verbringen. Die modernen Kabinen seien gut ausgebaut und „zu Hotels müssten die Lkw nur unnütz bewegt werden – und das kostet Geld“. Jeder Lkw-Kilometer koste 1,60 bis 1,70 Euro.

Dabei weiß der Senior-Chef auch, dass ausgeruhte Fahrer wichtig sind. „Wir müssen es schaffen, dass die Leute sich bewegen können, also Sportangebote bereitstellen und kulturelle Angebote schaffen.“ Von den Mega-Parkplätzen aus, so Poelmeyer, sei dies möglich. Als Beispiel nennt er das Einkaufszentrum in Oldenburg-Wechloy.

Auch den Karbotage-Verkehr – Lkw von Spediteuren aus Land X transportieren Waren innerhalb eines Landes Y – verurteilt er. „Leider verdienen osteuropäische Fahrer nicht mal die Hälfte des Geldes, das beispielsweise in Deutschland oder Frankreich gezahlt wird“, sagt Poelmeyer. Dazu würden diese Fahrer oft in Klein-Lastern unterwegs sein. „Pro gefahrenen Kilometer bekommen sie gerade einmal sieben Cent – also geben diese Fahrer nur Gas, um möglichst viele Fahrten zu machen“, sagt er. „Wir brauchen dringend eine Reform, damit diese Fahrzeuge genauso eingestuft werden wie Lkw und mit digitalen Tachometern ausgestattet werden und sich die Fahrer an die Lenkzeitenverordnung halten müssen.“

Zudem sei er für die Lohnanpassung. „Sonst ist das kein freier Wettbewerb.“ Generell müsste es eine größere Wertschätzung und Verständnis für das gesamte Gewerbe geben. „Wir brauchen ein besserer Image, um besser bezahlt zu werden. Es ist ein Kreislauf und den machen wir uns gerade kaputt“, sagt er.

Dokumentation

Raststätte an A 1 teilweise überfüllt

Abends – gerade auch zur Ferienzeit – zeigt sich auf vielen Autobahnen das gleiche Bild: Auf Raststätten drängeln sich die Lkw, teilweise parken sie bis auf den Verzögerungsstreifen. Doch wie sieht die Situation im Nordwesten aus?

Autobahnpolizei Rastede: „Bei uns gibt es keine Probleme“, sagt Nils Metscher, Polizeihauptkommissar von der Autobahnpolizei in Rastede. Das liege aber auch daran, dass es in seinem Bereich auch keine Raststätten, sondern nur Rastplätze ohne sanitäre Anlagen, Tankstellen oder Essmöglichkeiten gebe. „Die Parkplätze sind zwar besucht, aber nicht überfüllt.“ Auf der A 28 gebe es zwischen Oldenburg und Westerstede auf kurzer Strecke drei Parkplätze: „Wenn dann einer voll sein sollte, fährt man einfach weiter.“ Auch seien die A 28 und A 29 eher Nebenstrecken der Verkehrsflüsse.

Autobahnpolizei Leer: Ähnliches gilt für den Bereich der A 28 ab Westerstede und die A 31 zwischen Emden und Reede. „Die Parkplätze sind gut ausgelastet, aber es gab bislang keine Beschwerden“, sagt Thorsten Lünemann, Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Leer/Emden.

Autobahnpolizei Ahlhorn: „Extrem“, bezeichnet Nils de Groot, Polizeihauptkommissar in Ahlhorn, die Situation in seinem Bereich. „Tagsüber reichen die Parkplätze aus“, sagt er. Nachts gebe es dafür einen erheblichen Platzmangel. Das größte Problem: die Tank- und Raststätte Wildeshausen Nord an der A 1 in beiden Richtungen. Zudem sind die Parkplätze Engelmannsbäke und Delmetal – vor und hinter dieser Raststätte – aktuell Baustellen. „Sie werden abgerissen, komplett neu und viel größer gebaut, um mehr Plätze, neue sanitäre Anlagen und auch Lärmschutzmaßnahmen einzurichten“, sagt de Groot. Auch die Rastanlage Wildeshausen solle in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Aktuell parken hier immer noch viele Lkw weit zurück bis auf den Verzögerungsstreifen. „Wir versuchen, dem mit viel Wohlwollen zu begegnen und schreiben nur im äußersten Notfall eine Anzeige“, so de Groot. Man wisse um die Schwierigkeit. Entspannter sei die Lage indes südlich des Dreiecks Ahlhorner Heide. Dort seien auf den Rastanlagen Cappeln-Hagelage, Bakumer Wiesen und Langwege beidseitig der A 1 Großraumparkplätze geschaffen worden.

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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