Wildeshausen - Die älteste Version des „Wildeshausen Liedes“, alljährlich gesungen von Offizieren und Gildemitgliedern zum Gildefest, dürfte aus dem Jahr 1892 stammen. Das fand Dr. Eberhard Nehlsen heraus. Im Rahmen der Vortragsreihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins (BGV) stellte er am Mittwochabend seine Forschungsergebnisse vor.
Nehlsen ist Musikwissenschaftler und stammt aus dem Weserbergland, was er mit dem Ansingen des „Weserbergland Liedes“ zu erkennen gab. In Zusammenarbeit mit der Landesbibliothek Oldenburg hatte er 2022 eine Ausstellung zu altem Liedgut organisiert. Auf das „Wildeshausen Lied“ war Nehlsen auf einem Flohmarkt gestoßen, wo er alte Liedtexte suchte. Es existiert in verschiedenen Versionen.
Lieder verändern sich
Der Vortrag war überschrieben mit „Kneipen, Schützen, Bürgerfleiß – Heinrich Benecke und das Wildeshauser Lied“. Wie sich Lieder im Laufe der Zeit verändern können, machte der Redner am Beispiel „Nordseewellen“ klar. Eigentlich stammt der Ohrwurm aus der Region Zingst in Mecklenburg-Vorpommern und beschreibt die „Ostseewellen“. Meistens nur bei offiziellen Anlässen wird hier in der Region das Lied „Heil Dir, o Oldenburg“ gesungen. Die Melodie schrieb Cäcilie von Oldenburg, 1844 kam ein Text hinzu.
Hilfe von Alfred Panschar
Bei der Suche nach älteren Texten zum „Wildeshausen Lied“ hielt sich Nehlsen zunächst an die Heftchen „Führer durch Wildeshausen“ von Fritz Strahlmann. Auch Fest-Zeitungen erbrachten nicht den richtigen Hinweis. Dann kam er mit der Hilfe des Wildeshauser Heimatforschers Alfred Panschar durch Zeitungsartikel im Archiv der Landesbibliothek weiter. In der Zeit von 1903 bis 1913 wurde er fündig und fand auch Namensnennungen.
Dann ein Hinweis aus dem Jahr 1894: Aus dem Nachlass von Bernhard Benecke, Groß-Neffe von Heinrich Benecke, hatte Panschar ein Foto von einem handgeschriebenen Text zum „Wildeshausen Lied“ in seinem Archiv. Geschrieben von eben jenem Heinrich Benecke, der in Bremen wohnte und arbeitete. Lange habe das Entziffern des Textes auf dem handgeschriebenen Stück Papier gedauert. „Es zeigte sich aber, dass es nicht das Lied war, das wir kennen. Es drehte sich mehr um die Geschichte Wildeshausens. Es war nicht die Urschrift, die ich suchte“, sagte Nehlsen.
Weitere Hinweise
Wieder war es Panschar, der dem Musikwissenschaftler den richtigen Tipp gab. Es war erneut ein Zeitungsausschnitt, diesmal vom 1. Juni 1892. „Die Schreibweise verschiedener Begriffe wie Thale statt Tal beweist, dass es aus dem 19. Jahrhundert stammt. Für mich war das Hinweis genug. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es sich um den Urtext handelt“, so Nehlsen.
Im weiteren Verlauf ging Nehlsen auf andere Hinweise ein. So werden bis heute auch die Gastronomen in dem Lied besungen. „Die gibt es heute in der Form gar nicht mehr“, sagte der Referent. In allen Anzeigen tauchen die Namen Kologe und Stegemann auf. Und noch heute wird in der dritten Strophe gesungen: „Bei Kologen Willi in dem Saal, bei Panschar und in Benecke’s Hall und auch in Stegemann’s Lokale, erschallt manch’ Lied und freies Wort.“
Nach dem Vortrag hatten einige Zuhörer noch Fragen zu ihrem Wildeshausen-Lied.
