Sandkrug/Tweelbäke - Britta Prockl sitzt in ihrem Garten unter der von Wein überwachsenen Pergola. Vor sich auf dem Tisch eine Karaffe mit Zitronenwasser, verziert mit blühender Minze. Ihr Mann Frank kommt aus dem Haus, um sich zu verabschieden. Ein Kuss. „Bis später“, ruft er. Es geht zum Golf. So weit, so normal. Doch die vergangenen Wochen waren für die Prockls alles andere als Normalität. Frank Prockl fährt jetzt nämlich zum Golfspielen nicht nur ein paar Kilometer bis nach Tweelbäke zum Golfclub Hatten, so wie die vergangenen Jahre – sondern bis Thüle.
Der Status Quo
Familie Prockl hat Hals über Kopf nach sechs Jahren die Gastronomie „Zum Golfblick“ zu Ende Juli aufgegeben. „Beileibe nicht freiwillig“, wie sie sagt. Das Café, die Veranstaltungen, die Selbstständigkeit: „All das war mein Lebenstraum. Ich habe es geliebt. Ich bin darin aufgegangen. Und diese Seifenblase ist jetzt einfach zerplatzt“, sagt Britta Prockl. Nicht nur für die 47-Jährige ändert sich der Alltag um 180 Grad. Die beiden Söhne, 12 und 15 Jahre alt, haben in den vergangenen Jahren mittags ihre Hausaufgaben im „Golfblick“ erledigt, hatten im oberen Stockwerk ein Zimmer, haben ihre Freizeit hier verbracht. „Für meine Kinder wird es ungewohnt, dass ich jetzt so viel zu Hause bin“, versucht sie, locker zu klingen. Auch Britta Prockls Eltern haben sich hier engagiert.
Aber nach Streitigkeiten mit dem Golfclub, die die Prockls aus Sorge vor rechtlichen Konsequenzen nicht näher ausführen möchten, sei man „sich nicht mehr einig geworden“.
Gründe für Wechsel
Es sei jedoch „deutlich mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit“. Schweren Herzens entscheidet sich Britta Prockl also, „ihr Baby“ aus den Händen zu geben. Kündigt – sucht einen Nach-Pächter. Und findet jemanden. Er stammt aus einer Gastronomie-Familie. „Er hatte früher schon gewitzelt, dass er das Café übernehmen würde, sollte ich mal aussteigen“, erinnert sie sich. Sie ruft ihn an. Er sagt sofort zu. Erleichterung. Es gibt einen Termin, gemeinsam mit den Angestellten von Familie Prockl. „Mir war es wichtig, dass die ihren Arbeitsplatz behalten können und dass auch die Veranstaltungen übernommen werden.“ Hochzeiten, Taufen, Geburtstage, Konfirmationsfeiern. „Er hat mir zugesichert, dass wir niemandem absagen müssten, dass er die Termine bedienen wird und das Personal übernimmt. Und dass er das gesamte Inventar abkauft.“ Ehepaar Prockl hatte erst im vergangenen Jahr investiert, einen verglasten Wintergarten anbauen lassen.
So geht es weiter
Zwei Tage vor der Schlüsselübergabe – Freitag, 29. Juli – der Schock. Der Nach-Pächter ruft an. „Er sagte uns, dass er nun doch das Inventar nicht haben will.“ Das Problem: „Wir haben kein Schriftstück über die Versprechen.“ Sie fühlt sich verraten. „Ich lag schon am Boden. Dann hat man noch mal drauf getreten.“
Das gesamte Personal möchte unter diesen Umständen dort nicht bleiben. Innerhalb von zwei Tagen muss in einer Hauruck-Aktion die Einrichtung, Gardinen, Tische, Stühle, Geschirr, Maschinen und schon gekaufte Lebensmittel raus. Familie, Freunde, Bekannte, einige Mitglieder des Golfvereins helfen, laden alles in Kisten und Kartons. Untergebracht wird alles in verschiedenen Garagen und in einer angemieteten Lagerhalle. Inzwischen gibt es dafür eine schöne Lösung, wie Britta Prockl findet. In der Lausitz wird das Mobiliar in ein Rittergut einziehen, das derzeit renoviert wird und bald wieder als Herberge, Restaurant und Veranstaltungsort zur Verfügung steht. „Das ist ein kleiner Trost, ich freue mich darüber“, sagt die 47-Jährige.
Die Gastronomie am Golfclub hat seit 12. August wieder geöffnet. „Ich war noch nicht gucken“, sagt Britta Prockl. Plan B? „Habe ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder eine Gastronomie führen werde.“
