Über schlichte, täglich greifbare und meist kostenfreie Glücksmomente spricht der multimediale Erzähler Christof Jauernig bei seiner Veranstaltung „Eintausendmal Lebensglück“ am Montag, 20. März, ab 18.30 Uhr im Rathaussaal in Wildeshausen. Im Gespräch erzählt er, was Glück für ihn persönlich bedeutet und was sein Leben entscheidend verändert hat.
Herr Jauernig, was bedeutet Glück für Sie?
Christof JauernigFür mich persönlich ist es Glück, wenn ich ein Leben führen kann, das so gut wie möglich im Einklang ist mit meinen inneren Wahrheiten, mit dem, wofür ich brenne, mit dem, wofür ich mich gemacht fühle. Wenn ich also so authentisch sein kann und leben kann wie möglich. Vor allem aber glaube ich nicht mehr an das Konzept, Glück als etwas Zukünftiges anzustreben, was so oft zum Preis des heutigen Wohlergehens passiert – zum Beispiel über einen aufreibenden Karriereweg. Was zudem nicht sehr verlässlich ist; wer weiß schon, ob sich das zukünftig eingeplante Glücksgefühl am Ende wirklich einstellen wird. Insofern: Für mich findet Glück immer im gegenwärtigen Moment statt. Und deswegen schaut meine Glücksmomentesammlung, wie der Name sagt, nach dem momentanen Glück.
Christof Jauernig ist 49 Jahre alt und Betriebswirt aus Frankfurt am Main. Er war lange als Analyst im Bankenbereich tätig, zuletzt für eine Unternehmensberatung. Nach einer Krise dort stieg er aus und reiste mit dem Rucksack durch Südostasien.
Als multimedialer Erzähler tourt er seit seiner Heimkehr durch Deutschland. Für sein aktuelles Buch und Bühnenprogramm hat er in 60 Städten mehr als 1000 Menschen zu ihren besonderen Glücksmomenten befragt.
In Wildeshausen ist er am Montag, 20. März, ab 18.30 Uhr im Rathaussaal im Rahmen der Themenwoche „Eine Stadt voller Glück“. Der Eintritt kostet zehn Euro. Anmeldungen sind bei der Volkshochschule Wildeshausen möglich unter Tel. 04431/71622 oder unter
Sie haben in Ihrem Buch mehr als 1000 Glücksmomente verschiedenster Menschen zusammengetragen. Was ist Ihr persönlicher Glücksmoment?
JauernigOh, da gibt es sehr viele und sie passieren tagtäglich. Zum Beispiel hält ein Tag in der Natur garantiert eine Menge von ihnen für mich bereit. Was ich aber immer wieder sehr genieße, ist, in meinen Veranstaltungen mit den Menschen in Resonanz zu gehen. Das finde ich sehr bereichernd.
Glauben Sie, eine Glückswoche, wie die in Wildeshausen, kann den Menschen zu ihrem Glück verhelfen?
JauernigIch halte die Glückswoche für eine hervorragende Idee. Nicht, weil sie automatisch zum Glück verhilft. Sondern vielmehr, weil sie Glück vergegenwärtigen kann, das heißt, in Erinnerung rufen, dass es oft nicht fern ist – wenn man genau hinschaut und sich klar macht, was einem alles Freude bereiten kann. Wenn man das Kostbare, das in so vielem liegt, erkennt und lernt, dies mehr wertzuschätzen. Es geht also darum, den Blick für die Lichtblicke am Lebenswegesrand zu weiten, so klein und flüchtig sie manchmal auch sein mögen.
Vor rund acht Jahren waren Sie selbst in einer tiefen persönlichen Krise. Was für eine Krise war das und wie haben Sie diese überwunden?
Jauernig Ich habe früher als Analyst einer Unternehmensberatung für Banken gearbeitet. Was anfangs noch Spaß machte, hat mit der Zeit immer weniger zu mir gepasst. Mir kam der Sinn abhanden, trotzdem habe ich weitergemacht, bis ich mich ausgebrannt fühlte. Die Wende kam mit dem Entschluss, den Job und alles damit Verbundene hinter mir zu lassen. Ich bin danach erstmal ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Südostasien gereist, ohne Plan für danach. Das Hamsterrad rollte aus und die Lebensfreude kam wieder. Davon habe ich nach meiner Heimkehr erst nur meiner Frankfurter Nachbarschaft in einer kleinen Veranstaltung erzählt. Dieses Erzählen wurde dann unvermittelt zu meinem neuen Beruf.
Was erhoffen Sie sich von Ihrer Glücksveranstaltung in Wildeshausen?
JauernigMir geht es darum, das bundesweit eingesammelte Glücksgefühl von Menschen an die Wildeshauser weiterzugeben. Dabei will ich Glück nicht erklären, sondern spürbar machen. Das versuche ich über eine Kombination aus Leinwandprojektionen, eigener Musik und eher poetischen Texten, in denen auch meine eigene Geschichte und Perspektivveränderung auf das Thema Glück nicht zu kurz kommen. Wenn es gut läuft, kann das Glück der anderen im Publikum die Erinnerung an die eigenen, vielleicht in Vergessenheit geratenen Glücksmomente wecken. Nicht, um unsere gerade nicht einfachen Zeiten schönzufärben, sondern als kleine Kraftquellen, gerade für herausfordernde Zeiten wie diese.
