Delmenhorst - Seit mehr als sechs Wochen Betretungsverbot, kein Besuch von Angehörigen, Bewohner dürfen das Haus nur in Begleitung verlassen: Die Corona-Krise hat die Einrichtungen der Lebenshilfe in Delmenhorst fest im Griff. Nun wollte Tanja Westermann, Leiterin der Hausgemeinschaft an der Hansastraße, ihren Bewohnern eine Freude machen und organisierte ein Überraschungskonzert. „Weil sie so tapfer sind seit sechs Wochen.“ Also kontaktierte sie kurzerhand Detlev Blanke, der die Idee toll fand und gemeinsam mit Andreas Cordes für die Bewohner spielte – vor dem Haus und mit Abstand.
„Die Bewohner sind recht mobil und verbringen viel Zeit selbstständig“, sagt Rita Hoffmann, Einrichtungsleiterin des Bereichs Wohnen bei der Lebenshilfe. „Das dürfen sie jetzt nicht. Viele fühlen sich eingesperrt.“ Auch die Arbeit in den Werkstätten falle weg, wodurch am Vormittag ein viel größerer Personalbedarf in den Einrichtungen entsteht.
„Wir sind zum Glück gut aufgestellt, haben tolle Teams, die sich gegenseitig unterstützen und eine hohe Bereitschaft zeigen“, freut sich Sebastian Vatterodt, Pädagogischer Leiter. Durch die Schließung der Werkstätten herrsche viel Langeweile, „aber wir haben tolle Mitarbeiter, die sich viel überlegen.“ So würden zum Beispiel Mitarbeiter aus dem tagesstrukturierenden Angebot Pakete gegen Langeweile packen.
Durch den vorübergehenden Wegfall einiger Bereiche wie der Schulassistenz gebe es mehr Leute, die sich kümmern können, beispielsweise einzeln mit den Bewohnern spazieren gehen können. „Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, was aber nicht heißt, dass die Bewohner nicht darunter leiden“, sagt Vatterodt.
Einer von ihnen ist Kader Coruh. Ihn stört besonders, dass er seine Freunde nicht sehen kann. „Und meine Arbeitsstelle vermisse ich auch“, sagt er. Normalerweise arbeitet er montags bis freitags im Albertushof. Kontakt hält er mit seiner Gruppenleiterin übers Telefon. Über die Abwechslung durch das Konzert freute er sich umso mehr.
Für eine weitere Überraschung an dem Tag sorgte Erwin Drefs: Der – jetzt ehemalige – Geschäftsführer der Lebenshilfe verabschiedete sich an seinem letzten Arbeitstag von Bewohnern und Mitarbeitern der Hausgemeinschaft Hansastraße in den Ruhestand – vom Gehweg aus und per Megafon. Corona macht’s nötig.
Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer, sagt Rita Hoffmann: Angehörige dürfen unter Auflagen bald wieder zu Besuch kommen.
