Großenkneten - Jan Oltmann kennt sich nicht nur in der Landwirtschaft aus, sondern auch mit dem Wetter. Der 75-Jährige ist der Wetterfrosch von Großenkneten. Seit fast 17 Jahren betreut er die Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf seinem Hof. Als Landwirt hat er das Wetter schon immer genau im Blick gehabt. „Übers Wetter wird immer geschimpft“, sagt Oltmann. „Mal ist es zu trocken, mal zu nass, richtig ist es nie.“ In diesem Winter habe es viel geregnet, aber immer gleichmäßig. Laut DWD waren es im Januar 119 Millimeter Niederschlag, also 119 Liter pro Quadratmeter.
Hinweis in der Zeitung
Seit 2006 betreut Jan Oltmann die Wetterstation des DWD in Großenkneten. Damals stand in der Nordwest-Zeitung, dass der Deutsche Wetterdienst einen ehrenamtlichen Beobachter für eine nebenamtliche Wetterstation sucht. „Meine Tochter meinte, dass ich das wohl machen könnte, weil ich als Landwirt doch viel zu Hause sei und doch bald in Rente ginge.“ Der DWD baute Oltmann zwischen zwei Ackerflächen eine Wetterstation. „Miete und Stromkosten bekomme ich ersetzt, die Wartung übernimmt der Deutsche Wetterdienst“, sagt Oltmann. Seit 1971 betreibt der DWD eine Wetterstation in der Gemeinde Großenkneten.
Dreimal am Tag ablesen
In den ersten Jahren hatte Jan Oltmann noch einiges zu tun. „Anfangs musste jeden Morgen um sieben den Regenmesser entleeren und dreimal am Tag die Temperatur ablesen sowie die Windrichtung, Windstärke und Sichtweite schätzen.“ Orientierungspunkte waren für ihn zum Beispiel der Fernsehturm Steinkimmen in 20 Kilometer Entfernung und die Schornsteine von Exxon Mobil in zwei Kilometer Entfernung. Nebel und Regenmenge waren weitere Parameter, ebenfalls der Zustand des Erdbodens: trocken, feucht oder gefroren. „Ich habe alles in ein kleines Büchlein eingetragen und die Daten einen Tag später in einen Terminal eingegeben.“
2015 wurde die Wetterstation in Großenkneten umgestellt. „Seither läuft fast alles voll automatisch“, sagt Oltmann. Gemessen wird die Windstärke und Windrichtung, die Lufttemperatur in fünf Zentimeter und zwei Meter Höhe, die Sonnenscheindauer, die relative Luftfeuchte oder auch die Erdbodentemperatur in fünf, 20, 50 und 100 Zentimeter Tiefe.
Jan Oltmann muss zwischen 1. September und 30. April nur noch täglich über eine Handyapp eingeben, ob es geschneit hat oder nicht. „Schnee lässt sich nicht automatisch messen“, erklärt er. Parameter seien die Schneehöhe, die Neuschneehöhe und der Schneebedeckungsgrad. Zu Oltmanns Aufgaben gehört auch, regelmäßig die Lamellen der sogenannten „Wetterhütte“ zu reinigen. Darin sind ein Thermograph, ein Hygrograph, ein Hüttenpsychrometer, ein Maximumthermometer und ein Minimumthermometer untergebracht. Alle paar Wochen reinigt er ebenfalls den Sonnenscheinsensor in fünf Meter Höhe. Auch muss er das Erdbodenmessfeld von Unkraut freihalten.
Pegel gesunken
Der 75-Jährige hat über die Jahrzehnte festgestellt: „Die Winter sind milder geworden, die Wetterextreme mehr. Heute gibt es längere Regen-, Sonnen- und Trockenperioden als früher.“ Insgesamt sei der Grundwasserpegel in den vergangenen Jahrzehnten in Großenkneten gesunken, so Oltmann. Grund sei der Betrieb des OOWV-Wasserwerkes seit 1970. Messungen hätten ergeben, dass der Grundwasserpegel 1970 zwölf Meter betragen habe, jetzt liege er bei 16 Meter.
Früher als Landwirt hat Jan Oltmann selten Urlaub gemacht, heute als Rentner ist er mit seiner Frau öfter mal auf Tour. Doch wer macht dann den Wetterfrosch in Großenkneten? „Dann springt meine Tochter ein. Das war der Deal, als ich mich damals für die Wetterstation beworben habe.“
