Fast sein ganzes Leben gehört seine Liebe den Greifvögeln und der Falknerei. Liebe, die Manfred Haas (71) in seinem Elternhaus nie erfahren hat. Zusammen mit seinen vier Geschwistern ist er in Dinslaken in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen.

Obwohl viele Menschen in der Nachkriegszeit wieder ganz von vorne anfangen mussten, ging es seinen Eltern materiell gut. Trotzdem lebten Manfred und seine Geschwister immer in Angst vor der strengen Hand des Vaters. Mit sechs Jahren lief er von zu Hause weg und kam nach sechs Kilometern an eine Gaststätte, deren Inhaber taubstumm war. Neben der Gaststätte hatte dieser Mann eine Falknerei.

Der kleine Manfred war von den Greifvögeln fasziniert. Trotz des Verbotes seiner Eltern ging er immer wieder zu ihnen. Dass er am Abend dafür Prügel einstecken musste, nahm Manfred in Kauf. Der taubstumme Falkner schenkte ihm, als er acht Jahre alt war, einen Turmfalken – „Fips“. Manfred versteckte ihn auf dem großen Grundstück seiner Eltern. Als sein Vater den Turmfalken entdeckte, tötete er Fips. Trotzdem zog es den jungen Manfred immer wieder zum taubstummen Falkner.

„Von ihm habe ich viel gelernt. Unter anderem auch, den Tieren immer freundlich zu begegnen und sie genau zu beobachten“, erzählt Manfred Haas mir.

Gerne wäre er zum Gymnasium gegangen, um dann Förster zu werden. Auch das verbot ihm der Vater. Nach dem Hauptschulabschluss begann er mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Bergmann. Dies war die Gelegenheit, von seinem Elternhaus los zu kommen – und so quartierte Manfred sich in ein Heim für Bergmänner ein.

Von diesem Tag an hatte er mit seiner Kindheit abgeschlossen und seine Eltern nie wieder gesehen. Die Faszination zu den Greifvögeln war ungebrochen, bald hatte er seine eigenen Tiere.

Da Manfred Geld verdienen musste, verpflichtete er sich nach seiner Ausbildung für vier Jahre bei der Bundeswehr und ging zu den Fallschirmjägern nach Wildeshausen. Während dieser Zeit lernte er in Harpstedt seine spätere Ehefrau Ingrid kennen.

Nach der Zeit bei der Bundeswehr ging es zurück in den Bergbau nach Dinslaken, Manfred heiratete seine Ingrid. Da seine Ehefrau mit der Zeit Heimweh bekam, ging es zurück nach Delmenhorst. Zunächst arbeitete Manfred Haas als Bierkutscher. Da ihm dieser Job nicht gefiel, widmete sich nun ganz der Falknerei. Durch diese Leidenschaft zerbrach seine Ehe.

Um als Falkner Geld zu verdienen, ging er 1970 für acht Jahre nach Persien. Hier zog er Greifvögel auf und verkaufte sie anschließend in Deutschland. Sein Zuhause war ein kleines Zelt in einer einsamen Gegend.

Um an Jungvögel zu kommen, musste Manfred oft über 300 bis 400 Meter hoch klettern. Bei einem dieser Manöver verletzte er sich schwer. „Ich habe meinen Arm selbst abgebunden, habe meine Sachen zusammengepackt und bin drei Tage gelaufen, bis ich beim nächsten Flughafen war, damit ich in Deutschland behandelt werden konnte.“

1978 kehrte er endgültig nach Deutschland zurück. Zunächst in Delmenhorst und dann im Serengeti-Park in Hodenhagen hatte er Jobs, die er neben seiner Falknerei ausübte.

Durch eine Anzeige wurde er 1994 auf ein Anwesen in Grüppenbühren aufmerksam. Seither betreibt Manfred Haas seine Jagdfalken-Schule in der Gemeinde Ganderkesee. Hier bildet er nicht nur Greifvögel für die Jagd aus, sondern auch angehende Falkner.

Seine zurzeit 48 Greifvögel hat er fast alle selbst gezüchtet. In Deutschland und ganz Europa wird er mit seinen Falken, Steinadlern oder Habichten angefordert, um diese zur Jagd einzusetzen. In Anerkennung seiner Verdienste um die praktische Falknerei wurde ihm der Titel des Falkenmeisters verliehen.

„Würden Sie alles wieder so machen?“, war meine letzte Frage? „Ja, ganz genauso! Die Falknerei war und ist mein Leben.“ Allerdings verrät Manfred Haas mir auch, dass er in zwei oder drei Jahren kürzer treten möchte und dann vielleicht „nur“ noch beratend tätig sein wird.

Manfred Haas, Betreiber einer Jagdfalkenschule in Grüppenbühren