Ahlhorn - „Dieses Haus ist unvergleichbar. Es ist unvorstellbar, dass diese Einrichtung geschlossen wird“, betonte Rechtsanwalt Berend Böhme bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Grund hierfür war der Insolvenzantrag für die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik, den das Diakonische Werk im Oldenburger Land am Dienstag gestellt hatte. Böhme, der am Mittwoch als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde, informierte über den aktuellen Sachstand und die Zukunft der Klinik, die auf medizinische Rehabilitation von jungen Menschen mit Suchterkrankungen spezialisiert ist.
Konzept erarbeiten
So wolle man den Geschäftsbetrieb unverändert fortführen und ein Konzept erarbeiten, um eine mittel- und langfristige Perspektive zum Erhalt der Klinik schaffen zu können. Dabei sei das Ziel, Einnahmen zu erzielen, um eine entsprechende Finanzierung zu ermöglichen. Die derzeitigen Einnahmen seien zu gering, machte Böhme deutlich. Er habe deshalb vor, die Finanziers und Leistungsträger der Klinik zu einem runden Tisch einzuladen, in einen Dialog zu treten und die Kalkulation offenzulegen, um über eine Fortführung der Klinik zu beraten. Das Insolvenzverfahren sei ein „unausweichlicher Schritt“ gewesen, der „sehr schmerzhaft“ und den Verantwortlichen „nicht leicht gefallen“ sei. Nun gelte es, gemeinsam in die Zukunft zu blicken und nach vorn zu gehen, und dabei sowohl die Mitarbeitenden als auch Patienten mit auf den Weg zu nehmen. Der Insolvenzverwalter sagte, dass er guter Hoffnung sei, eine Zukunftsperspektive für die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik zu entwickeln und zu einem guten Konsens mit den Leistungsträgern zu kommen, um eine ausreichende Finanzierung zu sichern.
Kaum Einsparungen
Böhme könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie genau es zu der Unterfinanzierung der Klinik gekommen ist. Intern seien kaum noch Kosteneinsparungen möglich, sagte er weiter: Der Personalschlüssel sei schon sehr eng und auch bei Raumkosten, Verpflegung oder Medikamenten könne man nicht mehr sparen. Hinzukämen Preissteigerungen in vielen Bereichen. Die Zukunft der Klinik müsse also über Steigerungen auf der Einnahmenseite gesteuert werden. Pfarrer Dr. Friedrich Ley, theologischer Vorstand der Diakonie im Oldenburger Land, ergänzte, dass nicht nur die „schwarze Null“ wichtig sei, sondern leichte Gewinne nötig seien, um Reinvestitionen möglich zu machen und „im Sinne der Sache zu wirtschaften“.
Sowohl die Mitarbeitenden als auch die Patienten im Alter von 14 bis 25 Jahren habe man über das Insolvenzverfahren und die weiteren Schritte informiert. „Ich habe viele wertvolle Rückmeldungen erhalten“, so Böhme und erklärte, dass die jungen Menschen, die viel Sorge mit sich tragen würden, sehr reflektiert auf die Nachrichten reagiert hätten.
„Heiter bis wolkig“
Chefärztin Dr. Angela Wenzel, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, berichtete von der aktuellen Stimmung in der Klinik, die wie bei jeder Krise „heiter bis wolkig“ sei. Sie habe ein sehr kämpferisches Team mit einem sehr großen Zusammenhalt: „Wir sitzen alle in einem Boot.“ Zwar würden auch Tränen fließen und es gebe viele Fragen, doch eine Aktion der Mitarbeitenden habe ihr starkes Engagement gezeigt: So hätten diese umgehend nach Bekanntwerden der Insolvenz viele Plakate mit den Worten „Wir schaffen das“ gebastelt.
Das Team der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik zeigt seinen Zusammenhalt mit Plakaten. Bild: Dietrich-Bonhoeffer-Klinik
Ley hob die Bedeutung der Ahlhorner Spezialklinik hervor, die es in dieser Form selten in Deutschland gebe. „Es wäre sehr bitter, diese Klinik in einer Zeit schließen zu müssen, in der wir Wartelisten führen müssen und mit der geplanten Cannabis-Legalisierung Therapie- und Präventionsangebote noch wichtiger werden.“ „Wir können diese Einrichtung nicht sterben lassen. Das können wir uns als Gesellschaft nicht erlauben“, fügte Böhme hinzu. Das vorhandene Netzwerk und die Art der medizinischen Betreuung sei einmalig und sollte unbedingt am Standort Ahlhorn erhalten bleiben. Dessen Wegfall sei indiskutabel.
