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Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn Hannes möchte mehr als clean werden

Hannes (rechts) möchte in der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn seine Drogensucht bekämpfen.

Hannes (rechts) möchte in der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn seine Drogensucht bekämpfen.

epd

Ahlhorn - Das Ziel von Hannes: „Ich will ein drogenfreies Leben führen und selbstbewusster werden“, sagt der 21-Jährige und fügt leise hinzu: „Und offener gegenüber anderen.“

Seit sechs Wochen lebt der Dresdner in der diakonischen Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für jugendliche Suchtkranke in Ahlhorn. Mit 14 Jahren hat er mit seinem besten Kumpel seinen ersten Joint geraucht. Damals genügte ein Gramm Cannabis in der Woche. Am Ende waren es bis zu drei Gramm – am Tag. „Und am Wochenende mehr.“ Hinzu kamen psychoaktive Pilze, Schmerzmittel und andere Medikamente. „Mein Leben drehte sich nur noch um Beschaffung, Konsumieren, Schlafen, Arbeiten und wieder Beschaffung“, sagt Hannes.

Depressiv und lustlos

Lange Zeit konnte er seine Sucht verbergen. Selbst die anspruchsvolle Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker konnte er erfolgreich abschließen. Fertig gemacht haben ihn die Depressionen. „Ich hatte nur noch schlechte Gedanken. Die Sucht hat mich lustlos und sehr distanziert gegenüber anderen gemacht, besonders gegenüber meiner Familie.“ Mehrfach habe er vergeblich versucht, aufzuhören. Sich Hilfe zu holen, das sei nicht infrage gekommen. „Dafür habe ich mich zu sehr geschämt.“

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Wie Hannes ist es den meisten Jugendlichen ergangen, die nun in der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik ein neues Leben beginnen wollen. „Fast alle haben Cannabis konsumiert“, sagt Chefärztin Angela Wenzel. Und: „Fast alle haben zusätzliche Drogen genommen.“ Die Klinik ohne Gitter und Zäune verfügt über 48 Behandlungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. In der Klinik werden die jungen Leute erst einmal wieder an einen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt, den die meisten Patienten längst verloren haben, berichtet Wenzel. Darum sei beispielsweise das gemeinsame Frühstück verpflichtend.

Dazu kommen Arbeitstherapie und Schule, Therapiegespräche, aber auch viel Sport und Freizeitangebote. Die Klinik verfügt sogar über ein Tonstudio samt Instrumenten für eine Band. „Unser Ziel ist es, dass diese jungen Menschen wieder an der Gesellschaft teilhaben können“, unterstreicht die Medizinerin. Cannabis ist die häufigste in Deutschland konsumierte illegale Droge. „Sein Konsum kann massive Auswirkungen auf das Gehirn haben“, erläutert die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Oft seien die Schäden nicht reversibel. Es drohten eine Minderung der Intelligenz, Konzentrationsstörungen und ein hohes Risiko für weitere psychische Krankheiten. Dazu zählten Angststörungen, Psychosen, ADHS und Schizophrenie.

Fatale Folgen

„Es macht einen großen Unterschied, ob man den ersten Joint mit 15 Jahren oder mit 25 raucht.“ Je jünger die Konsumenten, desto größer die möglichen Probleme: Denn zu viel werde während der Pubertät im Körper umgebaut. Darum sieht Wenzel die vorgesehene Legalisierung von Cannabis auch kritisch: „Es ist wie mit einem Glas Sekt in der Schwangerschaft. Es kann extreme Folgeschäden auslösen oder eben auch nicht.“ Die Gefahr sieht sie darin, dass eine Legalisierung einer offiziellen Anerkennung und Bagatellisierung gleichkomme. „Die gesellschaftliche Aufklärung über THC wird konterkariert, wenn gesagt wird, Cannabis gehört wie Alkohol zum Leben.“

Der Sucht- und Drogenbeauftrage der Bundesregierung, Burkhard Blienert, sieht das nicht ganz so kritisch. Die Legalisierung werde kommen, sagt er auf Nachfrage: Aber nicht, „um etwa das Kiffen für alle zu ermöglichen, sondern um aktiven Gesundheitsschutz für Erwachsene und einen entstigmatisierten Umgang mit Cannabis zu ermöglichen“. Dies müsse mit einer besseren flächendeckenden Prävention und einem starken Jugendschutz einhergehen.

Doch die Ärztin Angela Wenzel bleibt skeptisch. Die meisten Erwachsene könnten einschätzen, welches Risiko sie mit dem Konsum von Rauschmittel eingehen, sagt sie. „Jugendliche können dies nicht.“

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