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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Schicksal führt zu Selbsthilfe

22.06.2019

Um mich mit Stefanie Gebers zu treffen, musste ich die Gemeinde Ganderkesee verlassen. Achim ist die neue Heimat der ehemaligen Ganderkeseerin. Hier lebt die 37-Jährige mit ihrem Ehemann Oliver und Tochter Hannah (7) im Ortsteil Baden. Vor sechs Jahren wurde die junge Familie von einem Schicksalsschlag getroffen, der die Freizeitaktivitäten des Paares in eine ganz neue Richtung lenkte.

Aber der Reihe nach. Als Stefanie Becker, so ihr Mädchenname, sechs Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Zusammen mit ihrer Mutter zog sie von Delmenhorst nach Ganderkesee. Sportliche Aktivitäten waren ihre große Leidenschaft. Im Trampolinturnen war sie in ihrer Altersgruppe Vereinsmeisterin beim TSV Ganderkesee. Ein wichtiger Teil in ihrem Leben war der Fasching. In jungen Jahren tanzte sie bei den Weiß-Blauen Funken und später in der Grünen und der Rot-Blauen Garde. Mit den „Garde’n Angels“ hatte sich gerade eine neue Tanzgruppe für den Büttenabend formiert, als im Oktober 2003 einige Herren bei ihr zu Besuch waren – das sogenannte „Heldengreifkommando“. Stefanie war als eine der vier Ehrendamen auserkoren worden.

„Das Prinzenpaar Heike Breuer (jetzt Thiemann) und Hans-Hermann Heinken sowie wir Ehrendamen hatten super viel Spaß zusammen“, schwärmt Stefanie noch heute, auch wenn sie beim ersten Auftritt ihrer „Garde’n Angels“ nur zuschauen konnte. In den folgenden Jahren war Stefanie Becker dann wieder aktiv dabei – aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen. So trainierte sie einige Jahre zusammen mit einer Kollegin die Rot-Blaue Prinzengarde und gründete die Kindergruppe „Peanuts“.

Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ist Stefanies Leidenschaft. In jungen Jahren engagierte sie sich ehrenamtlich im Ganderkeseer Jugendzentrum „Trend“. Schon als Kind hielt sie mit ihrer Meinung nie hinterm Berg. Das kam nicht immer gut an. „Die Lehrer waren nicht so meine Freunde“, erinnert sich Stefanie. Mit dem erweiterten Realschulabschluss in der Tasche hatte sie schon einen Ausbildungsplatz als Groß-und Einzelhandelskauffrau sicher. Doch drei Wochen vor Beginn zog das Unternehmen die Zusage zurück. Eine dann hastig angetretene Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin brach Stefanie nach einem Jahr ab ab: „Das war mir zu langweilig.“

Sie hatte Glück: Beim Umweltschutz-Nord war ein Ausbildungsplatz frei. Dort arbeitete bereits ihre Mutter und Stefanie kannte den Betrieb, weil sie als junges Mädchen mit leichten Tätigkeiten ihr Taschengeld aufgebessert hatte. Sie wurde liebevoll „unsere Kopiermaus“ genannt. Nach der Ausbildung zur Bürokauffrau wäre sie gern dort geblieben, aber U-Nord ging in die Insolvenz.

Stefanie arbeitete dann einige Jahre in einem anderen Unternehmen, bis sie für ihren „Herzbuben“ den Wohnort wechselte. Dass sie ihren Oliver überhaupt kennenlernte, hat sie ihrer besten Freundin Stefanie Dobranz zu verdanken. Deren Freund kam aus Achim und so lernte sie bei einer Veranstaltung Oliver Gebers kennen. Beim zufälligen Wiedersehen auf dem Bremer Freimarkt kamen sie sich näher. 2010 heirateten die beiden und bauten dann ein Eigenheim – buchstäblich mit den eigenen Händen.

Am Tag vor Silvester 2011 war Einzug und Stefanie war schon hochschwanger mit Hannah. Das hielt sie aber nicht davon ab, die Rot-Blaue Garde als Trainerin bei den Büttenabenden zu betreuen. Einen Tag nach dem zweiten Büttenabend 2012 wurde Hannah geboren. Gut ein Jahr später konnten Stefanie und Oliver ihrer Familie mitteilen, dass Hannah ein Geschwisterchen bekommen würde. Doch dann kam der 19. September 2013 – der Tag, den beide nie vergessen werden. Stefanie verlor ihren „Ben“ in der 17. Schwangerschaftswoche. „Im Krankenhaus habe ich mich allein gelassen gefühlt“, erzählt Stefanie.

Das junge Ehepaar musste mit der Trauer umgehen, was nicht immer einfach war. Eine Bekannte hatte den gleichen Schicksalsschlag erlitten. „Ich habe viel mit ihr gesprochen und so organisierten wir 2014 eine Selbsthilfegruppe mit dem Namen „Sterneneltern Achim“. Seit März 2018 ist es ein eingetragener Verein, er hat 36 Mitglieder. Stefanie Gebers ist die 1. Vorsitzende und Ehemann Oliver der Kassenwart. „Die von uns betreuten Eltern, die das gleiche Schicksal erlitten haben wie wir, kommen zum Teil von weit her. Viele davon hatten sich nicht einmal getraut, ihrem Umfeld von der Fehlgeburt zu erzählen“.

Einen ganz großen Teil ihrer Freizeit widmet Stefanie jetzt ihrer Organisation, den „Sterneneltern“, und das alles ehrenamtlich. Für ihr Engagement wurde sie 2017 mit dem Achimer Ehrenpreis ausgezeichnet.Ein Satz von Stefanie hat mich sehr berührt: „Unsere Hannah haben wir fest an der Hand, unseren Ben fest in unserem Herzen“.

Dirk Wieting spricht mit Stefanie
Gebers

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