Wardenburg - Die Straßennamen in der Gemeinde Wardenburg sind nun schon seit geraumer Zeit auf dem Prüfstand. Nun gab Bauamtsleiter Frank Speckmann von der Verwaltung einen Einblick in den aktuellen Zwischenstand der Überprüfung. Zwei Straßen, beziehungsweise deren Namensgeber, sind demnach „auffällig“, wie Speckmann im Ausschuss für Hoch- und Tiefbau in Wardenburg sagte.
Lammers und Eichler
Konkret gemeint sind Georg Lammers und Heinrich Eichler. Bei Lammers, der unter anderem Medaillen als Sprinter bei Olympischen Spielen gewann, geht es um die Georg-Lammers-Straße in Wardenburg. Laut den bisherigen Recherchen, die Speckmann mitteilte, war Lammers in der oldenburgischen Polizei aktiv. Über den Einsatz bei der Polizei sei Lammers in den Krieg in Polen gezogen. An der Ostfront sei er in einem Polizeibataillon mindestens Kompanieführer gewesen. Die Aufgabe sei gewesen, den rückwärtigen Heeresraum von Partisanen, Widerstandskämpfern und Juden zu bereinigen, so Speckmann. Es gebe Verfahrensakten, die unter anderem zeigten, dass Lammers in den 1950er-Jahren als Zeuge in Hamburg ausgesagt habe. „Momentan ist er für uns der Auffälligste. Ich will aber keine Wertung vornehmen“, so der Bauamtsleiter.
Die Gemeinde Wardenburg hat unter anderem eine Recherche im Bundesarchiv in Berlin beauftragt. Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es hier jedoch nur eingeschränkte Möglichkeiten. Laut Frank Speckmann gibt es hier wohl in den nächsten Wochen Ergebnisse.
Im Landesarchiv Oldenburg hat die Gemeinde die Entnazifizierungsakten über die betreffenden Personen gesichtet und Kopien erstellt.
Werkverträge hat die Gemeinde mit Dr. des. Mareike Witkowski und Herr Dr. Joachim Tautz geschlossen. Sie wurden von Prof. Dr. von Reeken vom Institut für Geschichte der Universität Oldenburg empfohlen. Sie sollen Kurzbiographien über die Personen erstellen.
Die Ergebnisse sollen im Fachausschuss für Hoch- und Tiefbau am 23. Juni in Wardenburg vorgestellt werden.
Ebenfalls in den Fokus gerückt ist der Eichlerweg. „Hier gibt es eine Sondersituation“, erklärte Speckmann gleich zu Beginn. Die Straße verläuft am Rande des Gemeindegebietes Richtung Gemeinde Hatten. Die Namensvergabe sei nicht in Wardenburg durchgeführt worden. „Das war 1933, zu einer Zeit, als dieser Landstrich zur Stadt Oldenburg gehörte“, so der Bauamtsleiter. Der Wegekörper an sich gehöre zur Gemeinde Hatten. Die Häuser, die an dem Weg stehen, gehören allerdings zur Gemeinde Wardenburg. Über den Eichlerweg gab es laut Speckmann bereits in den 1990er-Jahren eine Diskussion. „Seinerzeit waren Ortskundige der Meinung, dass es keinen Bezug zu Funktionären gibt“, erklärte Speckmann.
Experte anderer Meinung
Das sei jedoch laut Expertenmeinung falsch: Heinrich Eichler ist demnach Namensgeber. „Er ist Mitbegründer der NSDAP-Ortsgruppe Oldenburg und Präsident im Landtag Oldenburg gewesen. Er war ein fanatischer Nazi“, so Speckmann. Eichler sei bereits 1932 gestorben. Wie es in dieser Hinsicht weitergeht, ist aufgrund der komplizierten Lage noch unklar. „Wir haben die Gemeinde Hatten darüber informiert. Wir gehen davon aus, dass man in Hatten in eine ähnliche Diskussion kommen muss wie hier in der Gemeinde“, so Speckmann.
Der Verwaltungsmitarbeiter fasste zusammen, dass es „gerade über die Aktivitäten dieser Personen in der Zeit von 1933 bis 1945 unterschiedliche Mengen Material gibt.“ Das ganz einfache Prinzip: Wer in der Nazi-Zeit aktiver war, über den liegt mehr vor. „Es gibt relativ viele aus unserem Personenkreis, bei denen wir sagen müssen, dass wir außer der Feststellung der NSDAP-Mitgliedschaft kein weiteres Material haben.“ Diese Personen seien dann nicht weiter in Erscheinung getreten, nicht durch Äußerungen oder Taten und wurden nicht nach dem Krieg belangt. Robert Dannemann gehört nicht zu den auffälligsten Personen, so Speckmann. Robert Dannemann wurde aufgrund nachgewiesener Nazi-Vergangenheit als Namensgeber einer Schule in Westerstede abgesetzt. Weil in Tungeln ein Weg nach ihm benannt ist, begann die Debatte auch in Wardenburg.
