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nordwest-zeitung

Streit Um Baumschutz In Ganderkesee Sorge um Kahlschlag in Ganderkeseer Wohngebieten

Ganderkesee - In die Kontroverse um die von der Verwaltung beabsichtigte Fällung gesunder Bäume an Straßen aus Kosten- und Verkehrssicherheitsgründen kommt wieder Bewegung. Vor dem an diesem Mittwoch ab 18 Uhr im Rathaus öffentlich tagenden Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt-und Klimaschutz stellen die Grünen den Antrag, von der Fällung abzusehen.

25 Bäume sollen weichen

Zehn Roteichen sollen am Sperberweg weichen, zehn Eichen am Anemonenweg gefällt werden. Weitere „kritische Standorte“ hat die Verwaltung bei insgesamt fünf Bäumen an Platanen- und Akazienstraße ausgemacht. Gepflanzt worden waren die heutigen Großbäume in den 1970er und 80er Jahren. Weil damals nicht bedacht wurde, wie groß sie einmal werden, drohen durch ihr gewaltiges Wurzelwerk mittelfristig Straßenschäden. Und der hohe Versiegelungsgrad an ihren Standorten lässt die Bäume selbst leiden – und vielleicht umstürzen. Eingriffe zu ihrem Erhalt wären möglich – aber sehr teuer.

SPD: Falsches Signal

Gegen die vorsorgliche Entnahme hat sich schon die SPD-Fraktion ausgesprochen: „Die Fällung wäre das absolut falsche Signal in einer Zeit, da sich der Gemeinderat mit Richtlinien befasst, wie man Bürger beim Erhalt schützenswerter Bäume unterstützen kann“, hatte SPD-Fraktionschef Ulf Moritz Ende September erklärt. Die SPD beantragte, anstelle der vorbeugenden Fällung die vom Gutachter empfohlenen Verbesserungen für die Standsicherheit auszuführen. 50 000 Euro an Sperberweg und Anemonenweg für jeweils zehn Bäume, an Platanen- und Akazienstraße zusätzliche 25 000 Euro für weitere fünf Bäume würde das wohl kosten.

Die Grünen legen jetzt noch eine Forderung drauf. Für den Erhält von öffentlichen Bäumen soll das Rathaus pauschal jährlich 50 000 Euro in den Haushalt einstellen.

Anfang Oktober waren in der Sache zudem der Nabu Ganderkesee, der Fuhrenkamp-Schutzverein und die Gemeinschaft Klimaschutz ein Bündnis eingegangen. Am Montag stellte der Fuhrenkamp-Schutzverein die Forderung auf, auch Bäume auf öffentlichem Grund unter Schutz zu stellen, damit eine bestimmte Summe zu ihrer Pflege bereitgestellt würde.

Mit gutem Beispiel voran

Was die Bedenkenträger eint, ist folgender Gedanke: Beim Baum- und somit Klimaschutz soll die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt gesunde Bäume Kostenerwägungen zu opfern.

KOMMENTAR Das Beste für den Klimaschutz

Thorsten Konkel

Einen pragmatischeren Kurs steuert die CDU-Fraktion: Zwar übte auch Fraktionschef Ralf Wessel Kritik an der Absicht der Verwaltung. Im aktuellen Fall müsse man aber gerade wegen des Klimawandels Kosten und Nutzen abwägen. „Die Baumarten passen nicht an die Orte“, sagte Wessel Ende September. Und weil die Sicherheit einiger Bäume bereits leide, könne angesichts immer heftigerer Stürme niemand garantieren, dass sie nicht doch umfielen.

CDU bleibt pragmatisch

Wessels Rat: „Wir sollten uns über klima- und standortgerechte Ersatzanpflanzungen Gedanken machen.“ In der Sache stimmte der CDU-Fraktionschef aber in den Chor der Bedenkenträger ein: Dass die Verwaltung die Axt an die Bäume legen will, komme einer Doppelmoral gleich. Wessel: „Die Gemeinde hat in der Vergangenheit viele Bäume privater Grundstücksbesitzer unter Schutz gestellt. Jetzt will sie Bäume fällen, um Geld für deren Schutz zu sparen.“

Bei den Grünen bleibt der Erhalt des Altbaumbestands Priorität. Ausnahmen davon soll es nur geben, wenn Bäume nicht mehr erhalten werden können oder ihr Schutz zu anderen Schäden führt. Das letzte Wort in der Sache hat der Verwaltungsausschuss.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee
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