Wardenburg/Hatten/Landkreis Oldenburg - Kopfschüttelnd und ziemlich perplex beobachtet Christoph Alterbaum an der Holler Landstraße seinen Mitarbeiter Günter Kreye dabei, wie er einen Strich nach dem nächsten auf seinen Kontrollzettel malt. Jeder Strich bedeutet ein Nest. Alterbaum ist der Leiter der Straßenmeisterei Oldenburg und lässt sich heute zeigen, wie eine Spezialfirma versucht, dem Eichenprozessionsspinner Herr zu werden – und zwar durch einen Industriesauger mit besonderem Filter. Günter Kreye und Nico Rüdebusch sichern die Straßen im Landkreis währenddessen ab – durch den sich das Team nun einige Wochen lang durcharbeitet, um befallene Bäume zu befreien.
Spezieller Sauger
Stefan Paul steht in Vollschutz-Montur samt FFP2-Maske und Ganzkörperanzug mit Handschuhen auf einem Hubsteiger, er manövriert sich mit dem Joystick durch die Baumkronen und saugt dann mit einem langen Rohr die einzelnen Nester ein. „Wenn ich einmal oben bin, sehe ich meist noch einige mehr“, erzählt er und präsentiert dann eines der abgesaugten Objekte. Der Eichenprozessionsspinner ist momentan verpuppt, befindet sich einem seidenartigen Gebilde. „Die Tiere sind nachtaktiv und bewegen sich dann auf den Bäumen, wenn sie geschlüpft sind. Tagsüber ziehen sie sich in die Nester zurück“, weiß der Experte.
Starker Juckreiz
Seine Handschuhe hat er mit Klebeband an dem Schutzanzug befestigt, damit mögliche abgestoßene Brennhaare des Eichenprozessionspinners dort nicht in die Ärmel rutschen können. „Das ist auch wichtig, sollte bei der Entfernung der Wind drehen“, berichtet Paul. Eingeatmet habe er die Haare der Raupe noch nie – aber Hautirritationen kennt er zur Genüge. „Da hilft nur heiß duschen und das Jucken ignorieren. Dann geht es ziemlich schnell vorbei“, kann er aus Erfahrung sprechen.
Drei bis vier, teilweise bis zu neun Nester entfernt Stefan Paul an diesem Tag aus den einzelnen Bäumen. Abgesucht werden müsse laut Alterbaum sein gesamter Meistereibezirk. „Das sind mal eben 330 Kilometer Straße, an denen überwiegend rechts und links Bäume stehen.“ Anfangs waren es Zufallsfunde. „Es werden jetzt aber immer mehr und es sind auch nicht nur Eichen betroffen. Wir haben auch Nester in mehreren Bergahorn-Bäumen entdeckt.“
Mehr als 30 000 Euro
Und schon nach dem ersten Tagen war klar: Die Nesterzahl ist um ein Vielfaches höher als befürchtet. Baumkontrolleur Kreye hatte im Vorfeld Listen erstellt und eine grobe Anzahl der zu entfernenden Nester ermittelt. Er winkt ab. „Es werden wahrscheinlich am Ende zehnmal so viele sein.“
Alterbaum kann das bestätigen. „Insgesamt wurden an nur sechs Tagen mehr als 700 Nester abgesaugt. Die Kosten der Absaugung und Entsorgung belaufen sich allein hierfür auf etwa 30 000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für die Verkehrsabsicherung.“ All das sei ein riesiger Arbeitsaufwand, der zusätzlich zu den eigentlichen Aufgaben einiges an Personal binde. Vor Jahren, so sagt Alterbaum, gab es das Tier in den hiesigen Breitengraden noch nicht, seit einiger Zeit werde es immer präsenter.
Arbeiten gestoppt
Wie geht es weiter? „Wir sind noch nicht überall gewesen, da wir von einem derartigen Befall nicht ausgegangen waren und mit Blick auf die anfallenden Kosten mussten wir bei mir im Bezirk erstmal die Arbeiten stoppen“, so Alterbaum.
Abgesaugt wurden die Nester bereits in der Gemeinde Hude an der L 866, an der K 348 im Bereich Wüsting, an der K 223 Hinterm Reiherholz, in der Gemeinde Hatten in Dingstede an der L 888, an der L 828 von Oldenburg nach Wildenloh, an der B 401 von Oldenburg nach Klein Scharrel, in der Gemeinde Großenkneten an der K 241 von Charlottendorf bis Bissel sowie an der L 870 im Bereich Hengstlage.
Derzeit gehe es im Bezirk der Straßenmeisterei Delmenhorst weiter. Hier warten nochmal etwa 360 Kilometer Straße mit ähnlich dichtem Baumbestand. Wie stark dort der Befall sein wird? „Abwarten.“
