Ganderkesee - Haushalts- und Dekorationsartikel, Kleidung, Kosmetik, Schuh- und Lederwaren, Elektrokleingeräte, Schreib- und Spielwaren sowie Heimtextilien und eine kleine Auswahl an Snacks und Getränken zu günstigen Preisen will die Warenhauskette Woolworth künftig in zentraler Lage in Ganderkesee anbieten. Im Frühjahr 2024, so die Pläne des Unternehmens, soll das Gebäude an der Ecke Grüppenbührener Straße/Urneburger Straße, das aktuell noch den Famila-Getränkemarkt beherbergt, übergeben werden. Der Getränkemarkt wird derweil ins gegenüber gelegenen Hauptgebäude des Famila-Marktes integriert – die Umbauarbeiten laufen bereits.
Die geplante Woolworth-Ansiedlung hat den parteilosen Ratsherrn Martin Faqeri kürzlich zu einem offenen Brief an Bürgermeister Ralf Wessel veranlasst. Darin äußerte er seine Sorge, das Discount-Warenhaus könne den unabhängigen Einzelhandel im Ortskern schädigen oder gar in seiner Existenz bedrohen. Auch vor dem Wegfall von Arbeitsplätzen infolge möglicher Geschäftsaufgaben warnte der Heider in diesem Zusammenhang.
Einzelhändler gelassen
Die Gemeindeverwaltung teilt diese Bedenken nicht. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Finanzen und Digitalisierung nahm Christa Linnemann, die Wirtschaftsförderin der Gemeinde, zu Faqeris Brief Stellung. Die Einzelhändler selbst sähen die beschriebenen Gefahren nicht, sagte Linnemann. So habe die Werbegemeinschaft Gantermarkt in einer Stellungnahme mitgeteilt, das Woolworth-Sortiment sei ein anderes als das ihrer Mitglieder. Zudem seien die örtlichen Einzelhändler genau wie der Gemeindeverwaltung froh darüber, dass es nicht zu einem Leerstand in zentraler Lage komme.
Auch widerspricht die Woolworth-Ansiedlung laut Linnemann nicht dem Einzelhandelskonzept der Gemeinde. „Zentrenrelevante Sortimente sollten vorgehalten werden“, zitierte die Wirtschaftsförderin eine enthaltene Empfehlung. Sie verwies darauf, dass die Eröffnung auch von einem genehmigten Bauantrag abhänge.
Kunden haben die Wahl
Den von Faqeri angeführten möglichen Anstieg des Verkehrsaufkommens wollte Linnemann ebenso nicht als Argument gegen die Ansiedlung stehen lassen wie auch den Vorwurf, Discount-Warenhäuser würden Beschäftigte unter „prekären Arbeitsbedingungen“ einsetzen. So könnten die vorhandenen Straßen den entstehenden Verkehr unbedenklich aufnehmen. Und für die Beschäftigungsverhältnisse gelte der Mindestlohn. Außerdem sehe die Lage auf dem Arbeitsmarkt derzeit so aus, „dass sich fast jeder seinen Arbeitsplatz aussuchen kann“, begründete Linnemann weiter. Faqeris Kritik am „Kundenerlebnis“ eines auf Effizienz ausgerichteten Discount-Warenhauses konterte sie mit den Worten: „Die Kunden werden mit den Füßen abstimmen.“
SPD-Ratsfrau Renate Drieling, die selbst ein Bekleidungsgeschäft im Ortskern betreibt, bekannte schließlich, ebenfalls froh darüber zu sein, dass kein Leerstand entstehe. Die Ansiedlung könne eine Bereicherung für den Ort sein, so die Ratsfrau. Ihre Nachfrage, ob es wie seinerzeit beim Famila-Neubau eine Festlegung gebe, wie viele Quadratmeter für die einzelnen Sortimente vorgehalten werden dürfen, wurde von Wirtschaftsförderin Christa Linnemann verneint. Nicht jeder Bauantrag enthalte eine solche Festlegung.
