Sage - Der aufheulende Jaul-Ton um 17.55 Uhr gehörte zum Szenario der Einsatzübung auf dem Gelände der Erdgasaufbereitungsanlage Großenkneten in Sage. Zum Glück, denn die Folgen eines tatsächlichen Unfalls mag sich wohl kaum jemand ausmalen. Neben der werkseigenen Feuerwehr wurde ein Großaufgebot an Rettungskräften und der Freiwilligen Feuerwehren Ahlhorn, Großenkneten, Huntlosen und Sage sowie der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) Ahlhorn der Johanniter gemäß dem „Notfallplan GK“ angefordert.
Zu Beginn der Großübung, die am Dienstagabend rund zweieinhalb Stunden die Hilfskräfte und Beobachter beschäftigte, wurde auch ein Test der telefonischen Anwohnerwarnung durchgeführt. Im Fall der Fälle erfolgt normalerweise die Alarmierung per Anruf und durch einen anhaltenden durchdringenden Dauerton. „Auf den werden wir heute aber verzichten“, hieß es bei der Einweisung durch Betriebsleiter Thomas Enneking. Der Grund: Es solle nicht unnötig für Unruhe unter den Bürgern gesorgt werden.
Das Schadensszenario
Das angenommene Schadensszenario auf dem Betriebsgelände hatte es in sich. Angenommen wurde ein Austritt von Prozessflüssigkeit mit Ausgasung von Schwefelwasserstoff (H2S). Wegen der Austrittsmenge konnte eine Gefährdung des Umfelds der Anlage nicht ausgeschlossen werden. Als Folge wurden mehrere verletzte Personen auf dem Gelände angenommen, die Kontakt mit dem ausgetretenen Stoff hatten. Bevor diese durch den Rettungsdienst behandelt und in Sicherheit gebracht werden konnten, musste eine Reinigung (Dekontamination) durch die externen Kräfte in einem aufgebauten Zelt vorgenommen werden. So weit die Ausführungen von Ingenieurin Fabia Peter, die den Ablauf zu Beginn schilderte.
Zum Übungsziel gehörte neben der telefonischen Warnung der Anwohner und der Alarmierung der externen Einsatzkräfte über die Großleitstelle Oldenburg die Absperrung durch die Feuerwehren der Gemeinde Großenkneten entsprechend dem „Notfallplan GK“. Daneben lag das Hauptaugenmerk auf der Erstversorgung der verletzten Personen und der Dekontamination mit Übergabe an die Rettungsdienste. Dazu warteten vor dem Haupttor mehrere Rettungsfahrzeuge. Den kontrollierten Einlass überwachte auch Gemeindebrandmeister Thorsten Schnitger. Dazu wurde der Einsatzleitwagen aus Ahlhorn am Haupttor genutzt. Auf dem Exxon-Gelände waren vorwiegend die werkseigenen Kräfte im Einsatz.
Mit Atemschutzmaske
Auch wenn die Einsatzübung unspektakulär ablief, trat bei näherer Betrachtung die Brisanz eines solchen Szenarios zutage. Zwar kommen Störungen auf den Exxon-Mobil-Anlagen so gut wie nie vor. Sollte es aber zum Austritt von Schwefelwasserstoff-Gasen kommen, ist der Kontakt durchaus lebensgefährdend. Dies vor Augen zu führen, sei auch der Sinn dieser Art von Übungen, erläuterte Betriebsleiter Enneking. Und deshalb erhielt auch jeder Außenstehende eine einstündige Einweisung zum Gebrauch von Atemschutzmasken, die jeder neben dem Helm auf dem Gelände bei sich führen musste. Letztendlich schwebte dieses Wissen „Was ist, wenn…“ über der routinierten und bestens vorbereiteten Einsatzübung in den Köpfen aller Beteiligten mit.
