Sage-Haast - Das Thema Flucht und Vertreibung bewegt derzeit wieder einmal viele Menschen – auch in der Gemeinde Großenkneten. Als sich Günther Morzeck und sein Nachbar Peter Geerken aus Sage-Haast darüber unterhielten, erzählte der heute über 80-jährige Morzeck von seiner eigenen Flucht als Kind und dem Aufenthalt im Lager Oksböl in Dänemark. Geerken war derart bewegt, dass er seinen Nachbarn motivierte, mit ihm nach Dänemark zu fahren, wo es ein internationales Museum der Flucht gibt. So machten sich die beiden auf den Weg.
Millionen Flüchtlinge
In den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkrieges wurden Millionen Deutsche durch die vorgerückte sowjetische Armee aus ihrer Heimat vertrieben. Mehr als 250.000 kamen in das besetzte Dänemark, von denen 35.000 Flüchtlinge im Lager Oksböl untergebracht wurden. Unter ihnen war die zehnköpfige Familie Morzeck, die aus Stuthenen (Kreis Heiligenbeil, heute Mamonowo im russischen Verwaltungsgebiet Kaliningrad) vertrieben wurde und mit einem Schiff voller geflüchteter Deutscher an die dänische Küste kam. Von dort ging es nach Oksböl, wo die Familie zunächst in dem überfüllten Lager ihr Quartier in einem Pferdestall bekam. Diese Stätte war während der NS-Zeit ein Wehrmachtslager und wurde Anfang 1945 zu einem Flüchtlingslager für diejenigen, die aus Ost- und Westpreußen fliehen mussten.
Am Grab des Großvaters
Günther Morzeck blieb, trotz seines damals kindlichen Alters, noch einiges in Erinnerung. Ebenso berichtete ihm später seine Mutter Hedwig, was sie erlebt hatten. So starb im Lager Günther Morzecks Großvater Ernst Marklein, der auf dem eigens angelegten Lagerfriedhof beigesetzt wurde und auf dem 1796 Flüchtlinge ihr Grab fanden. „Bei unserem Besuch jetzt stand ich zum ersten Mal vor dem Grabstein meines Großvaters“, erzählte Morzeck und erinnerte sich: „Das riesige Barackenlager war mit meterhohem Stacheldraht von der Außenwelt abgeschnitten. Es war wie ein isoliertes Dorf und verfügte über eigene Schulen und ein Theater.“
Wo die Odyssee endete
Drei Jahre lebte Familie Morzeck im Lager in Oksböl und wurde dann auseinandergerissen. Im Zuge des Aufteilungsverfahrens kam ein Teil der Familie ins Allgäu, ein anderer nach Schleswig-Holstein. Für den kleinen Günther und seine Mutter und seine Großmutter endete die Odyssee am 6. Dezember 1948 in Huntlosen, wusste Morzeck zu berichten. Ein Zimmer unter dem Dach des Hauses von Georg Wieting war nun ihr neues Zuhause. Seine Mutter fand eine Anstellung beim niederdeutschen Heimatdichter August Hinrichs und umsorgte ihn von 1949 bis zu seinem Tod 1956.
Günther Morzeck, der seit Jahrzehnten in Sage-Haast lebt, ist dankbar, dass sein Nachbar Peter Geerken mit ihm die Reise nach Dänemark unternommen hat.
