Ahlhorn - Der Widerstand gegen das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Fliegerhorst-Gelände in Ahlhorn reißt nicht ab. Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen teilte am Dienstag mit, dass sie im Wohnpark eine solche Notunterkunft plane. Sie verhandele derzeit mit dem Eigentümer über einen auf zwei Jahre befristeten Mietvertrag.
Hoher Migrationsanteil
Er empfinde es als Unverschämtheit, den Ort mit seinem ohnehin hohen Migrationsanteil noch weiter zu belasten, sagt Rolf Löschen, Vorsitzender des Bürgervereins Ahlhorn, auf Nachfrage. Ihn hätten bereits zahlreiche Nachrichten erreicht. Viele Bürgerinnen und Bürger seien „vollkommen empört“. Dann müsse man sich nicht wundern, wenn rechte Parolen auftauchen.
Dabei drehe sich der Ärger nicht um diejenigen, die vor Ort arbeiten und integriert sind, so Löschen. Der Bürgerverein hatte im November 2023 einen „Brandbrief“ an Ministerpräsident Stephan Weil und Innenministerin Daniela Behrens geschrieben, nachdem bekannt geworden war, dass das Land mit dem Eigentümer des Wohnparks verhandele.
Die Landesaufnahmebehörde verhandelt mit dem Eigentümer des Wohnparks Ahlhorn über einen Mietvertrag. Es soll ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge eingerichtet werden.
Torsten von ReekenNeben dem Verein hatten sich auch Gemeinde und Politik gegen das Vorhaben positioniert und eine Resolution an das Innenministerium übergeben. Kernpunkt der Kritik ist die Tatsache, dass der Ort Ahlhorn mit 70 Prozent bereits einen hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund hat – beispielsweise wegen der ausländischen Erntehelfer und Schlachthofmitarbeiter. Durch ein Erstaufnahmelager, in dem bis zu 530 Flüchtlinge untergebracht werden sollen, würde der Ort überfordert.
Hilfe nicht verweigern
Daher verurteilt nun auch die SPD der Gemeinde Großenkneten „aufs Schärfste die Entscheidung der Landesregierung und des Grundstückseigentümers“. Die Kritik beziehe sich nicht auf die dort unterkommenden Menschen. Nicht nachvollziehbar sei jedoch, dass das Land in Kenntnis der Verhältnisse vor Ort diese Entscheidung getroffen hat. Es sei „ein klares Signal, dass die Landesregierung und die Landesaufnahmebehörde weder die Situation vor Ort noch die Bedenken und Bedürfnisse der ansässigen Bevölkerung ernst nehmen“, findet die SPD.
Ihre Kritik richtet sich auch gegen den Grundstückseigentümer. Dieser sei „wiederholt sehr aktiv auf die Landesregierung und die Landesaufnahmebehörde zugegangen“. Der Eigentümer, Landwirt Ulrich Osterloh aus dem benachbarten Halter (Gemeinde Visbek), verweist auf Nachfrage unserer Redaktion auf eine Absprache mit dem Land, sich derzeit nicht weitergehend zu äußern.
Die SPD betont, dass hilfebedürftigen Menschen keinesfalls die benötigte Unterstützung verwehrt werden soll – die „Unterstützungsbereitschaft sollte jedoch nicht zu einer Überlastung von betroffenen Orten führen“.
„Nicht in Ahlhorn“
„Wir haben uns nie dagegen gewehrt, dass es in der Gemeinde passiert – aber bitte nicht in Ahlhorn“, schlägt CDU-Fraktionsvorsitzender Ralf Martens in dieselbe Kerbe. Es gebe viele motivierte Leute, die sich in Ahlhorn ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe einsetzen, es würden Millionen investiert, um den Ort „auf Spur zu bringen“ – das sieht er durch das geplante Erstaufnahmelager als gefährdet an. „Wir als CDU-Fraktion versuchen alles, was in unserer Macht steht, das in Ahlhorn zu verhindern.“
