Ganderkesee - Zwar nutzen einige das Fahrrad aufgrund milderer Winter zunehmend ganzjährig, für viele beginnt aber nach wie vor im Frühjahr die Fahrradsaison. Dann wird das Gefährt vielleicht nach mehrmonatiger Pause aus dem Keller geholt oder war je nach Abstellmöglichkeiten über längere Zeit dem Wetter ausgesetzt. So oder so kann eine regelmäßige Inventur kaum schaden. Ganderkeseer Experten geben dazu Tipps.
Bremsen, Luft, Lichter
Bei längerer Nichtnutzung können die Schläuche Luft verloren haben oder löchrig geworden sein. „Alle vier Wochen“ aufpumpen zu müssen, sei normal, sagt Heiko Evers vom Familienbetrieb „Zweirad Evers“ in Ganderkesee, bei wöchentlichem Druckverlust könne ein Problem vorliegen. Prüfen sollte man auch, ob die Reifen porös oder rissig seien.
Mit Blick auf die Verkehrssicherheit gelte es zu kontrollieren, ob die Beleuchtung funktioniert und ob Reflektoren an den Speichen und am Hinterrad und an den Pedalen vorhanden sind. Mindestens zwei Bremsen müssten unabhängig voneinander greifen – bei sichtbaren Bremsbelägen lässt sich das auch für Laien gut prüfen, bei Trommel- und Scheibenbremsen eher nicht – und die Klingel müsse funktionstüchtig sein. Weiterhin sollte die Kette gefettet sein und gegebenenfalls nachgespannt werden und die Pedale fest sitzen. Grundsätzlich empfehle er einmal jährlich einen Rundumcheck, sagt Evers.
Detlef Pofahl bietet in seiner Fahrradwerkstatt „Rückenwind“, wie Evers an der Grüppenbührener Straße in Ganderkesee gelegen, zwar ebenfalls Inspektionen an, wie er sagt. Er weise Kunden aber auch auf Mängel hin, die ihm bei anderen Reparaturen auffallen. Wer ein älteres Modell fährt, kann bei ihm mit etwas Glück noch Ersatzteile bekommen. Ansonsten muss man umrüsten: Für eine alte Torpedo-Dreigangschaltung etwa gebe es „keine Ersatzteile mehr“, sagt Evers. Felgenprofile aus Chrom seien ebenfalls veraltet, sie würden heute aus Aluminium gefertigt. Solche Maßnahmen seien aber eine „Geldfrage“.
Bußgeld bei Mängeln
Kosten drohen ebenfalls bei Verkehrskontrollen, wenn Mängel festgestellt werden: ab 15 Euro etwa bei fehlender oder kaputter Klingel, heißt es im aktuellen Bußgeldkatalog; auf die Beleuchtung bezogen sind es mindestens 20 Euro. Wenn die „Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt“ ist, fallen sogar 80 Euro an.
Manches auf der Checkliste erübrigt sich, wenn ganzjährig gefahren wird. Dann sollte man jedoch Ausstattung und Kleidung anpassen, mahnt Albert Seegers von der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch. Bei Schnee oder Glatteis wie nach dem Wintereinbruch in der Nacht auf vergangenen Freitag drohten Stürze, auf schnelles Fahren und ruckartige Brems- und Lenkmanöver sollte deshalb verzichtet werden. Pofahl hält für Glatteis-Fahrten Spikereifen vor.
Weil es im Winter länger dunkel ist, sollte man reflektierende Kleidung und einen Helm tragen, rät Seegers. Wer nach einer „Winterpause“ derweil aus der Übung sei, könne ein Fahrsicherheitstraining wahrnehmen, etwa vom Fahrradverband ADFC oder vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Die Verkehrswacht biete Trainings speziell fürs Pedelec-Fahren an.
Lange Lieferzeiten
Die Fahrradbranche erlebte in den Corona-Jahren einen Boom. Händler Heiko Evers verweist aber auf pandemiebedingte Lieferengpässe, da viele Bestandteile in Fernost hergestellt würden. Die Lage habe sich „etwas beruhigt, es ist aber nach wie vor eine Katastrophe“. Teils gebe es bei Nachbestellungen Lieferzeiten von bis zu einem Jahr.
Gefragt seien zurzeit sämtliche Modelle, neben Freizeitfahrten werde auch für die Alltagsnutzung gekauft. Anders als teilweise verlautet, sei der Pedelec-Markt noch nicht gesättigt, sagt Evers, das elektrisch unterstützte Rad „nach wie vor im Trend“.
