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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg

Schnack am Wochenende: Mit 53 bei Null anfangen

17.11.2018

Falkenburg /Ganderkesee Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Dazwischen liegen aber oft schlaflose Nächte und die quälende Frage: „Wie geht es weiter?“ Diese Situation musste auch Heiko Timmermann (53) in diesem Jahr durchleben. Er hat 37 Jahre bei der Firma Reisch gearbeitet, und Ende März dieses Jahres verkündete der Inhaber seinen überraschenden Entschluss, die Firma zu schließen und in den Ruhestand zu wechseln.

Heiko Timmermann und sein Kollege, Tischlermeister Rolf Heitmann, zeigten Interesse, den Betrieb gemeinsam zu pachten. „Wir sind uns mit dem Inhaber nicht einig geworden“, musste Heiko resigniert feststellen. Auch andere Optionen erfüllten sich nicht. „Ich stand quasi vor dem Nichts, und das mit 53 Jahren“, erläuterte Heiko Timmermann seine Situation. Es begann eine Zeit der totalen Ungewissheit, die Heiko so nicht kannte. Die berufliche Tür bei Reisch hatte sich für Heiko geschlossen.

Er hatte aber Glück, Tischlermeister Wolfgang Orwat öffnete für Heiko eine neue berufliche Tür. Orwat hatte seine Tischlerei in der Güterstraße in Ganderkesee vor zwei Jahren verpachtet und sein Pächter hatte zum 31. August dieses Jahres gekündigt. Heiko Timmermann und Rolf Heitmann wurden sich mit Orwat einig und nun mussten die neuen Inhaber kräftig zupacken. Das Büro musste komplett saniert und neu eingerichtet, Fahrzeuge angeschafft werden. Behördengänge waren zu erledigen und parallel erfüllten beide bis zur Betriebsschließung ihre Pflichten bei Reisch.

Der Name der neuen Firma war schnell gefunden: „H&T Tischlerei Team“. Zum Team gehört neben den beiden neuen Inhabern noch ein weiterer ehemaliger Kollege. Obwohl Heiko Timmermann und Rolf Heitmann quasi bei „Null“ angefangen haben, konnten sie das Vertrauen vieler Kunden gewinnen und inzwischen ist das Team um einen Tischler und eine Teilzeitkraft für das Büro gewachsen.

„Ohne meine Birgit hätte ich es nicht geschafft“, schwärmt Heiko. „Sie hat mich tatkräftig unterstützt und ist sogar mit auf die Baustellen gefahren.“ Für Birgit kein Problem, denn sie ist gelernte Tischlerin und heute selbstständige Raumausstatterin. Beide hatten sich 1986 beim Fasching in Ganderkesee kennengelernt. Sie waren viele Jahre ein Paar ohne Trauschein. „Wenn wir nach zehn Jahren nicht heiraten, dann suche ich mir einen anderen“, dachte Birgit bei sich. Als wenn Heiko es geahnt hätte, fasste er sich genau am 10. Jahrestag ein Herz und hielt um ihre Hand an.

Falkenburg ist seit seinem zweiten Lebensjahr die Heimat von Heiko Timmermann. Schon früh war er aktiv beim Schützenverein, und der Name Heiko Timmermann ist auf der Ehrentafel mit den Kinder- und Jugendschützenkönigen vertreten. „Heute bin ich eher passives Mitglied“, lächelt Heiko. Dafür ist er immer noch ein aktiver Fußballer. Seit seinem neunten Lebensjahr spielt er für den TV Falkenburg. Vor einigen Jahren gründete er die Oldie-Mannschaft und fungiert hier nicht nur als Trainer, sondern ist auch Organisator rund um die Mannschaft. „Fußball ist für mich die beste Gelegenheit, um den Kopf frei zu bekommen“, erzählt Heiko. Er ist nicht nur aktiver Fußballer, sondern auch Fan vom SV Werder. In jungen Jahren fuhr er oft mit seinem Mofa zum Weserstadion, um die Heimspiele des SV Werder zu besuchen. „Leider schaffe ich es jetzt aus zeitlichen Gründen nicht mehr regelmäßig.“ Dafür besucht er die Spiele der weiblichen B-Jugend vom SV Werder Bremen, denn dort spielt Tochter Ina (16), und Experten sehen sie bald in der Frauen-Fußballnationalmannschaft.

Schon als kleiner Junge baute Heiko mit seinen Freunden kleine Hütten und es machte ihm Spaß, sich handwerklich zu betätigen. Sein Schulpraktikum absolvierte er noch bei einer Krankenkasse, aber das sagte ihm überhaupt nicht zu. Ein Bekannter seiner Eltern war Willi Schröder, der als Tischler bei der Firma Reisch arbeitete. Er vermittelte Heiko dort einen Ausbildungsplatz. Kurz vor Ausbildungsbeginn verstarb der Inhaber und gleichzeitig damit sein Ausbilder Franz Reisch sen.. Heiko bangte um seinen Ausbildungsplatz, denn Franz Reisch jr. hatte die Ausbildung zum Tischlermeister noch vor sich. „Ich konnte dort mit einer Ausnahmegenehmigung anfangen und habe in diesem kleinen Betrieb sehr viel gelernt“, blickt Heiko Timmermann zurück.

Kurz vor seiner Gesellenprüfung verstarb dann auch noch sein großer „Lehrmeister“ und engste Bezugsperson, Willi Schröder. Trotz der traurigen Umstände schaffte Heiko seinen Abschluss und auch nach seiner Ausbildung blieb er der Tischlerei Reisch treu. 1994 absolvierte Heiko seine Meisterprüfung und war im Anschluss bei Reisch jahrelang für die Ausbildung zuständig und später maßgeblich an der Konstruktion der zu bauenden Möbel beteiligt.

Mit 53 Jahren hat Heiko den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Ein Grund ist sicherlich auch Sohn Jan (20), der gerade eine Ausbildung zum Tischler absolviert und damit als nächste Generation in den Startlöchern steht. Für Heiko und seine Birgit stehen im Moment die einfachen Wünsche im Vordergrund, zum Beispiel dass sie einmal wieder mehr Zeit füreinander haben.

Heiko Timmermann,Mitinhaber von „H&T Tischlerei Team“

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