Ahlhorn - Nicht erst seit der aktuellen Energiekrise macht sich Dr. Ralf Jungblut Gedanken, wie er mehr regenerative Energie für den Eigenverbrauch erzeugen kann. Denn die Firma Beton- und Energietechnik Gräper in Ahlhorn verbraucht pro Jahr rund 1,22 Gigawatt Strom und 617.000 Kilowattstunden Gas. „Wir haben 2019 jedes Dach, das sich eignet, mit Photovoltaik-Modulen belegt“, berichtet Geschäftsführer Jungblut. Herausgekommen ist eine PV-Anlage in Ost-West-Ausrichtung mit 750 Kilowatt-Peak (kWp).
„60 Prozent des Stroms nutzen wir selbst, 40 Prozent gehen in die Direktvermarktung“, so Jungblut. „Die PV-Anlage deckt 40 Prozent unseres Stromverbrauchs ab.“ Verbraucher seien zum Beispiel Antriebe wie Kompressoren und Maschinen, Krane, Beleuchtung und der Strom in der Verwaltung. Würde die Produktion in Ahlhorn täglich anderthalb Stunden später hochgefahren, könne noch mehr PV-Strom selbst genutzt werden. Um Strom zu sparen, habe Gräper schon vor Jahren auf LED-Beleuchtung mit Bewegungsmeldern umgestellt.
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Die Investition in die Stromproduktion ist nach Darstellung von Jungblut sowohl von kaufmännischen Aspekten als auch vom Umweltschutz getrieben. „Unsere Kunden fragen nach unserem CO
Zahl der E-Autos steigt
Den selbst erzeugten Sonnenstrom nutzt Gräper auch für seine Firmenfahrzeuge. Auf dem Gelände sind 25 Wallboxen montiert. 2019 standen noch 35 Verbrenner-Pkw für Außendienstmitarbeiter und leitende Angestellte auf dem Hof. Heute sind es 26 Verbrenner, zehn Hybridfahrzeuge und elf vollelektrische Autos. Mit jedem auslaufenden Leasing-Vertrag werde ein Verbrenner durch ein Elektroauto ersetzt, so Jungblut. „Ich war 2019 der erste Mitarbeiter im Unternehmen mit einem vollelektrischen Auto“, erzählt der Geschäftsführer, der 50.000 Kilometer im Jahr fährt. „Ich wollte Vorbild sein und zeigen, dass diese Kilometerleistung auch mit einem Elektroauto zu schaffen ist.“
Weitere Wallboxen
Die Außendienstmitarbeiter bekommen von der Firma auch eine Wallbox zu Hause montiert. Mit einer sogenannten Roamingkarte können sie somit in der Firma, daheim und unterwegs an Autobahnrastplätzen und anderen Stationen die Akkus der Autos aufladen.
Auch auf dem Firmenparkplatz sollen Wallboxen montiert werden. „Die Nachfrage bei unseren Beschäftigten, ob sie ihr Auto während der Arbeit im Betrieb laden können, steigt“, berichtet Jungblut. Die Technik dafür sei vorhanden. Der nächste Schritt sei die Verknüpfung mit einem Abrechnungssystem, damit es kein Problem mit dem Finanzamt gibt.
Wasserstoff statt Gas
Ralf Jungblut hat auch den Gasverbrauch im Blick. Er will Gas durch Wasserstoff ersetzen. In der Vergangenheit sei das nicht wirtschaftlich gewesen. Inzwischen gebe es in Deutschland verschiedene Projekte. Die Firma Gräper würde gern auf dem stillgelegten Baggersee hinter dem Firmengelände in Ahlhorn eine schwimmende PV-Anlage bauen und mit dem Strom Wasserstoff produzieren. „Wir sind im Gespräch mit dem Landkreis Oldenburg, um Fragen der Genehmigung zu klären“, so Jungblut.
Die Gräper-Gruppe ist ein mittelständisches Unternehmen mit einer mehr als 115-jährigen Geschichte. Gearbeitet wird täglich an acht Standorten in Deutschland, den Niederlanden und der Slowakei. Das Spektrum umfasst die Produktion und den Vertrieb von Kalksandsteinprodukten, die Planung und die Herstellung von anschlussfertigen Stationslösungen für die Versorgungswirtschaft sowie ein umfangreiches Service- und Dienstleistungsportfolio über den gesamten Lebenszyklus elektrischer Energieanlagen. Über 4000 Stationsgebäude und 90 Millionen Kalksandsteine verlassen jährlich die Werke. Die Gräper-Gruppe beschäftigt mehr als 750 Mitarbeitende.
