Ganderkesee - „Die Krise kommt nach der Krise“ – damit rechnet Heidi Diegruber. Die Geschäftsführerin des „Life Studios“ in Ganderkesee hat für die Schließung der Fitnessstudios im zweiten Corona-Lockdown wenig Verständnis.
Mit der ersten Schließung im Frühjahr konnten sie umgehen, sagt sie. Als sie wieder öffnen durften, haben sie zahlreiche Maßnahmen umgesetzt: Pro Stunde durften nach Terminvereinbarung nur 15 Mitglieder trainieren, die Geräte wurden weiter auseinander gestellt, Kurse nach draußen verlegt, alle Kontaktflächen wurden regelmäßig desinfiziert. Auch einen mobilen Luftfilter hat Heidi Diegruber angeschafft.
Dankbar fürs tolle Team
Die erneute Schließung war ein Schock für sie. Nicht zuletzt, weil viele der Mitglieder, „jeder Dritte bestimmt“, aus gesundheitlichen Gründen im Life Studio trainieren. Es sind Personen, „die diesen regelmäßigen Sport brauchen“, betont sie. Jetzt hätte ein Großteil von ihnen Probleme, weil sie zu Hause nichts machen können und auch nicht so online-affin seien.
Denn Online-Kurse bietet das Life Studio an: Die neun live Zoom-Kurse in der Woche werden gut angenommen, sagt Diegruber. Die soziale Komponente spiele dabei auch eine wichtige Rolle. Zum Glück habe sie Trainer, „die da richtig Bock drauf haben“, sagt die Geschäftsführerin.
Die Novemberhilfen, die vom Bund gezahlt werden, gibt es auch für Fitnessstudios. Eine Abschlagszahlung hat Heidi Diegruber Mitte Dezember erhalten, diese sei „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Mit der Restzahlung könne sie frühestens ab dem 10. Januar rechnen. „Man braucht aber jetzt Hilfe“, betont sie.
Die Überbrückungshilfe habe sie nicht bekommen, so Heidi Diegruber. Dafür müsse man 60 Prozent Umsatzverlust haben, gestiegene Personal- und Hygienekosten durften nicht hineingerechnet werden, sagt Diegruber. Dabei seien die Kosten für Hygiene durch die Corona-Vorgaben in die Tausende gegangen.
Neun Trainer – freiberuflich und auf 450-Euro-Basis – und einen Auszubildenden beschäftigt sie in dem Studio – zurzeit in Kurzarbeit. Für dieses Team ist sie sehr dankbar: „Sie sind alle mit dem Herzen dabei und machen sich auch ständig Gedanken. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft.“
Auch handwerklich haben sie angepackt: Ihre Mitarbeiter haben die Plexiglasscheiben am Empfangstresen und Desinfektionsspender gebaut. Während des zweiten Lockdowns hat ein Mitarbeiter die Wände neu gestrichen.
„Auch die Geräte wurden neu gepolstert“, sagt Diegruber, denn die alten Polster waren vom ständigen Desinfizieren stark angegriffen. „Dann sehen die Mitglieder auch, wenn wir wieder öffnen dürfen, dass wir was verändert haben.“
Sorgen macht sich Heidi Diegruber aber auch wegen der Zeit nach dem Lockdown. Die Mitglieder des Studios müssten erstmal wieder kommen, denn durch die Schließung suggeriere die Regierung, „dass Fitnessstudios gefährliche Bereiche sind“. Zudem gehörten viele Mitglieder einer Risikogruppe an. „Da ist es natürlich verständlich, dass sie erstmal abwarten.“
Der Zeitpunkt des Lockdowns ist ebenfalls schwierig: Der November sei generell stark besucht. „Es ist ein dunkler Monat, die Leute wollen irgendwas tun.“ Im Januar kämen auch viele – um ihre Neujahrsvorsätze umzusetzen.
Problem verschiebt sich
Neuanmeldungen fallen also weg, aber auch bestehende Verträge müssen nicht weitergezahlt werden. Für die Dauer der Schließung kann eine „Ruhzeit“ eingerichtet werden. Viele zahlen weiterhin, aber sie erhalten dafür später Gratismonate – das Problem verschiebt sich also. „Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“, sagt Heidi Diegruber. „Die Planungssicherheit ist gleich null.“ Und: „Man ist wie betäubt, weil man denkt, ,wie geht’s jetzt weiter?‘“
