Bookholzberg/Oldenburg - Das ehemalige Spieldorf der Freilichtbühne Bookholzberg wird erneut zur Theaterkulisse: Die Oldenburger Kulturetage, die im vorigen Jahr mit ihrer Satire „Visionen für einen Unort“ an allen zehn Spieltagen ausverkauft war, kehrt an die einstige Propagandastätte der Nationalsozialisten zurück. Die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Ortes hatte im September 2021 fast 700 Zuschauer erreicht.
Aufgeführt wird das von Kulturetage-Geschäftsführer Bernt Wach konzipierte Theaterstück täglich vom 1. bis 4. September, vom 8. bis 11. September sowie vom 15. bis 18. September auf dem Gelände der Freilichtbühne in Bookholzberg. Parkplätze stehen am Ende der Jasminstraße zur Verfügung.
In Szene gesetzt wird „Visionen“ von 15 Schauspielern und Musikern unter der Regie von Markus Weiß und Ulf Goerges. Thematisiert werden sowohl die Vergangenheit der Propagandastätte in den 1930er Jahren als auch Möglichkeiten ihrer Nachnutzung.
Tickets sind schon jetzt im Vorverkauf für 28,50 Euro (ermäßigt 23,50 Euro) online auf der Seite der Kulturetage erhältlich.
Zwölf Aufführungen wird es zwischen dem 1. und 18. September geben. Die Wiederaufnahme wird allerdings unter dem verkürzten Titel „Visionen“ laufen, wie Bettina Stiller von der Kulturetage mitteilt. „Der Unort musste leider weg. Er war in seiner Ausstrahlung nicht positiv genug und daher waren wir gezwungen, den Unort zu streichen“, so die Sprecherin des Kulturzentrums. Sie verweist auf einen privaten Investor für das Spieldorf.
Investor gefunden
Dass ein Käufer für das Areal auf dem Gelände des Berufsförderungswerks Weser-Ems gefunden ist, bestätigt Lars Pallinger, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft INN-tegrativ. Das Spieldorf befindet sich im Eigentum der Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation, eine von zwei Gesellschafterinnen der INN-tegrativ gGmbH. Konkrete Angaben zur Art der Nachnutzung wollte Pallinger am Mittwoch unter Verweis auf noch offene organisatorische Fragen zum Verkauf nicht machen. Er sei optimistisch, den Investor und seine Pläne im September vorstellen zu können.
Bei der Eröffnung des Informations- und Dokumentationszentrums Stedingsehre (IDZ) Ende Mai hatte Fördervereinschef Dietmar Mietrach an die Verantwortlichen der INN-tregrativ appelliert, für eine Nachnutzung zu sorgen, „die dem geschichtsträchtigen Ort angemessen“ ist. „Dieser Wunsch wird in Erfüllung gehen“, bekräftigte Pallinger am Mittwoch abermals.
Bewährtes und Neues
Bis Veränderungen greifen, kommt noch einmal die Kulturetage zum Zuge. Vieles bleibt laut Bettina Stiller bei der Wiederaufnahme wie im Vorjahr: So werde es Innenszenen in den historischen Gebäuden und Außenszenen auf dem Freigelände an der Tribüne geben. Auch die Pause, die Besucherscouts, das Empfangszelt und die Aufteilung des Publikums in Kleingruppen von 25 Zuschauern, die sich als gute Größe herausgestellt habe, blieben unabhängig von der jetzigen Corona-Lage erhalten.
„Aber es gibt auch Neues“, kündigt die Kulturetage-Sprecherin an. Das IDZ werde vor jeder Vorstellung eine Stunde lang geöffnet sein, sei aber keine eigene Station mehr im Stück. „Dafür gibt es eine neue Kino-Station, ebenfalls als Innenszene in einem anderen Gebäude des Spieldorfes.“ Gezeigt werde dort ein Film, der mit zum Teil noch unveröffentlichtem Material über die geschichtlichen Hintergründe der Freilichtbühne aufkläre. Auch neue Schauspielerinnen und Schauspieler werden die bekannten Rollen besetzen.
Mit Blick auf die anstehenden Veränderungen weist Bettina Stiller darauf hin, dass es sich bei der Wiederaufnahme um den letzten Theaterausflug der Kulturetage nach Bookholzberg handeln könnte.
