Bookholzberg - War die offizielle Eröffnungsfeier des Informations- und Dokumentationszentrums (IDZ) im Spieldorf der ehemaligen Freilichtbühne Bookholzberg am 21. Mai noch Initiatoren, Förderern und weiteren Wegbereitern vorbehalten, so hat jetzt auch die Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich den neuen Mittelpunkt des Geschichtsorts Stedingsehre anzusehen. Wie Dietmar Mietrach, Vorsitzender des Fördervereins, berichtet, ist dieser Wunsch aus der Bevölkerung an den Verein herangetragen worden.
Am Samstag, 20. August, steht das aufwändig sanierte, denkmalgeschützte Gebäude von 15 bis 18 Uhr im Rahmen eines Tages der offenen Tür allen Interessierten offen. Der Zugang erfolgt über die Jasminstraße, wo auch Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Außerschulischer Lernort
Das Fachwerkhaus, das zum Gesamtensemble des Kulissendorfs der Freilichtbühne gehört, soll vom Propagandaort der Nationalsozialisten zum zeitkritischen Informationszentrum werden. Ziel sei, die kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Ortes zu ermöglichen, erklärt Mietrach. „Es soll ein lokaler Geschichts- und außerschulischer Lernort geschaffen werden, an dem der jüngeren Generation, speziell den Schulen der Nordwestregion, die politische Verführbarkeit von
Menschen vermittelt werden kann.“
Mehrere Workshops mit weiterführenden Schulen aus dem Landkreis Oldenburg, der südlichen Wesermarsch und der Stadt Delmenhorst haben bereits stattgefunden. Das Projekt wird laut Mietrach von den Schulen aktiv unterstützt. Das Angebot des IDZ wendet sich aber nicht nur an Schüler und Lehrkräfte, sondern auch an Erwachsenenbildung, Studierende, Historiker und die interessierte Öffentlichkeit.
Einst Propagandastätte
Die Freilichtbühne ist 1934 und 1935 für die Aufführung des Theaterstücks „De Stedinge“, ein plattdeutsches Volksschauspiel des Heimatdichters August Hinrichs über die Schlacht bei Altenesch, errichtet worden. Die Nationalsozialisten nutzten die von ihnen als „Kultstätte Stedingsehre“ bezeichnete Bühne und die Aufführungen dort zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls der Bevölkerung im Sinne ihrer Weltanschauung.
Bei mehr als 20 Aufführungen wurden schließlich – indirekt – nationalsozialistische Haltungen vermittelt. Nachdem der Ort 1937 offiziell in „Gedenkstätte Stedingsehre“ umbenannt wurde, veröffentlichte der Reichsstatthalter und Gauleiter Carl Röver seine Pläne zur NS-Erziehungsstätte „Gauschulungsburg Bookholzberg“.
Mit Rövers Tod kam die Fertigstellung 1942 zum Erliegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Spieldorf eine Landesversehrtenschule für ehemalige Wehrmachtssoldaten eröffnet – eine Vorgänger-Einrichtung des heutigen INN-tegrativ Berufsförderungswerks Weser-Ems.
Investorsuche
Eigentümerin des Areals ist aktuell noch die Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation, die aber offenbar mit Erfolg nach einem Investor für das ehemalige Spieldorf gesucht hat. Die Pläne zur Nachnutzung – abgesehen vom Grundstück des IDZ – sollen im September veröffentlicht werden. Zuvor wird die Oldenburger Kulturetage auf dem Gelände noch einmal an zwölf Terminen ihr Stück „Visionen“ aufführen.
