Bergedorf - Wird es im dritten Anlauf gelingen, das Stück über den „Brudermord“ auf die Bühne zu bringen, der sich 1192 auf dem Hof Logemann in Bergedorf zugetragen haben soll? Initiator Gerd Logemann gibt sich optimistisch: „Ach, was haben wir schon alles erlebt!“ Eigentlich hatte der 72-Jährige sein Freilichttheater bereits im Sommer 2020 eröffnen wollen. Doch dann kam Corona.
Wie planen die Theater-Macher für 2022 ?
„Wir fahren wieder hoch“, antwortet Logemann auf die Frage, wie es im dritten Jahr der Pandemie weitergeht. So sei für den 2. März die erste Leseprobe mit allen Akteuren vorgesehen – „jedenfalls nach jetzigem Stand“. Eigens für die Proben soll auf dem Hof Logemann ein Zelt aufgebaut werden. Auch der weitere Zeitplan steht: Die Premiere von „Brudermord“ ist für den 14. Juli angesetzt.
Die Kulissen für das Open-Air, die im Ganderkeseer Werkstattprojekt der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) gefertigt wurden, stehen fix und fertig in einer Scheune – „zum Glück“, sagt Logemann mit Blick auf die explodierenden Holzpreise. „Wir sind mit 3000 Euro Materialkosten hingekommen. Heute müssten wir 10.000 Euro bezahlen.“ Für den Entwurf des Bühnenbildes hatte Regisseur Markus Weise einen ausgewiesenen Profi gewinnen können: Georgios Kolios, Bühnenbildner des Oldenburgischen Staatstheaters.
Bis zur ersten Probe gibt es für Logemann und seine Mitstreiter aus dem eigens für das Projekt gegründeten Verein „Dorf und Kultur“ noch einiges zu tun. Etwa ein Drittel des 35-köpfigen Schauspieler-Ensembles steht nach zwei Jahren Unterbrechung nicht mehr zur Verfügung. Einige hätten inzwischen ein Studium an einem anderen Ort begonnen oder seien aus beruflichen Gründen abgesprungen.
Wie viele Darsteller werden noch gesucht ?
Einige Rollen konnten laut Logemann bereits nachbesetzt werden. Sechs Darsteller würden aktuell noch fehlen – darunter eine der Hauptfiguren, Graf Christian von Oldenburg. Während dessen Darsteller vergleichsweise viel Text zu lernen habe, gebe es aber auch noch Frauen- und Männerrollen mit wenig Text. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Logemann unter Telefon 04222/8293.
Plattdeutsch müssen die Schauspieler übrigens nicht beherrschen. „Wir spielen Hoch mit plattdeutschen Einsätzen“, erklärt Logemann. Denn: Die Motoren des Theaterprojekts hoffen, im Sommer auch Gäste des Campingplatzes am Falkensteinsee nach Bergedorf locken zu können – „und die kommen ja vielfach von außerhalb und verstehen kein Platt“, erklärt Logemann. Auch aus der Zuschauerschaft des Freilichttheaters Dangast, das für 2022 bereits alles abgeblasen habe, erhofft er sich Zuspruch.
Wie ist es finanziell um das Projekt bestellt ?
Logemann ist froh, dass alle Sponsoren und Förderer ihre Zusagen aufrechterhalten. 50.000 Euro kämen durch die EWE-Stiftung, die Volksbanken, die Kulturstiftung des Landkreises, die Gemeinde Ganderkesee, die Oldenburgische Landschaft und den Windpark-Betreiber WPD zusammen. Die Differenz zu den insgesamt benötigten 70.000 Euro möchte der Verein über die Eintrittsgelder decken.
Je Aufführung stehen 350 Zuschauerplätze zur Verfügung – zwölf Aufführungen sind geplant, teilweise zwei am Tag. „Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich und die Schauspieler erhalten nur eine Aufwandsentschädigung“, sagt Logemann. Das sei ein großer Vorteil gegenüber anderen Bühnen.
Wann sind die Aufführungen ?
Im Mai soll der Vorverkauf über das Portal Nordwest-Ticket starten. Auf die Premiere am 14. Juli, 20 Uhr, folgen im ersten Block vier weitere Aufführungen: am 15. Juli um 20 Uhr, am 16. Juli um 16 und 20 Uhr sowie am 17. Juli um 20 Uhr. „Danach machen wir vier Wochen Pause, um zu ermöglichen, dass die Schauspieler in den Urlaub fahren“, erklärt Logemann. Weiter geht es dann am 19. August um 20 Uhr, am 20. August um 16 und 20 Uhr, am 21. August um 16 Uhr und am 25., 26. und 27. August jeweils um 20 Uhr.
Vor jeder Aufführung sollen die Zuschauer mit einem mittelalterlichen Klostermarkt auf den zeitlichen Kontext eingestimmt werden, wie Logemann ankündigt. Auch Speis und Trank werde es geben. Der Bergedorfer selbst wird übrigens nicht auf der Bühne stehen, sondern will sich voll und ganz aufs Organisatorische konzentrieren.
